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Thyssen-Krupp Nirosta-Mitarbeiter - „Immer muss der Pott bluten“

25.01.2012 | 00:00 Uhr
Thyssen-Krupp Nirosta-Mitarbeiter - „Immer muss der Pott bluten“
Stahl wird geschmolzen, doch die Stimmung bei Thyssen-Krupp-Nirosta ist deutlich abgekühlt Foto: Joachim Haenisch

Bochum.Seit genau 170 Jahren wird Stahl geschmolzen in Bochum. Sollte mit dieser ehernen Tradition Schluss sein , eine Kunst verschwinden, die Jacob Mayer 1842 mit der Einrichtung seiner Gussstahlschmelze an der Chaussee nach Essen begründete und die das Landstädtchen Bochum für immer verändern sollte? Frank Klein kann das einfach nicht glauben.

Der 44-Jährige, dessen Vater und Großvater bereits bei Krupp unter den drei Ringen arbeiteten, ist sichtlich bewegt: „Ich kann mir das noch gar nicht vorstellen.“ Der Großvater lernte die Zeiten beim alten Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation kennen. Der gelernte Maurer war für feuerfeste Steine im Innern der Industrieöfen zuständig. Als Frank Kleins Vater 1965 als Walzenfahrer im Kaltwalzwerk auf Schicht ging, firmierte das Hüttenwerk unter Krupp . Wieder 20 Jahre später: Frank Klein begann die Ausbildung zum Verfahrenstechniker bei Krupp Stahl. Drei Generationen also.

Dabei ist Klein nahe dran, sitzt in Verhandlungskommissionen, kennt die Hintergründe, die Zusammenhänge, die heute das Geschäft mit Stahl, Edelstahl prägen. Er, der mittlerweile selbst seit 27 Jahren an der Essener Straße arbeitet, ist Betriebsratschef, zwei Jahren erst – und nun direkt die Feuertaufe. Am Mittwoch reiste er mit Vertrauensleuten nach Krefeld, um dort Einfluss zu nehmen auf die Verkaufsverhandlungen mit dem finnischen Konzern Outokumpu.

„Immer muss der Pott bluten“

Währen Klein eher ein Anhänger der leisen Worte ist, hauen die Vertrauensleute auf den Putz: „Schreiben Sie das mal ruhig: Immer muss der Pott bluten“, sagt Gökhan Yaman, der sei 20 Jahren in der Metallgießerei arbeitet. Sein Kollege Dennis Heimann, ebenfalls Vertrauensmann, ruft: „Es ist jetzt wichtig, dass wir alle zusammenstehen und uns hinter unseren Betriebsratsvorsitzenden stellen.“

Demonstration
„Alarmstufe Rot“

Unter dem Motto „Alarmstufe Rot – es ist 5 vor 12“ ruft die IG Metall am Freitag, 27. Januar, zur Großkundgebung auf. Da an den sieben betroffenen deutschen Standorten knapp 6000 Beschäftigte arbeiten und alle aufgerufen sind, sich zu beteiligen, rechnet die Gewerkschaft mit tausenden Beteiligten. Die Verantwortlichen erwarten eine Demonstration, wie es sie zuletzt gegeben hat, als sich die Stadt aufbäumte, um gegen die Schließung des Nokia-Werks zu kämpfen.

Frank Klein weiß um die Solidarität im Betrieb, der eine wechselvolle Geschichte hinter sich brachte. Abgebaut hatte Nirosta alleine in Bochum in den letzten Jahren mehr als 60 Arbeitsplätze. Dann gab es Signale aus Krefeld, da wo die Verwaltung sitzt, dass womöglich ein neuer UHP-Ofen nach Bochum kommen könnte. Da freuten sich die Gießer im Werk. Zu früh gejubelt, alles Schnee von gestern.

Schnitt in die triste Gegenwart: Erschöpft sich Frank Klein abends in seinem Pkw. Für den Dienstag ist der Marathon geschafft. Er ist auf dem Rückweg von Krefeld. „Die Finnen saßen mit am Tisch. Wir haben uns beschnuppert.“ Ergebnisse gab es keine an diesem Tag. „Wir wollen ein industrielles Konzept und sozialverträgliche Regelungen für unsere Betriebe“, klingt es schon ganz nach Gewerkschaftsredensarten.

Doch für ihn ist das emotional. Er erinnert sich: Damals vor drei Jahren wollte Vorstandschef Ekkehard Schulz Personal abbauen – als es schon einmal Spitz auf Knopf stand. Doch Berthold Beitz mit dem ganzen Gewicht der Krupp-Stiftung schaltete sich ein: Das Ergebnis ist bekannt. Mit der Essener Erklärung wurden betriebsbedingte Kündigungen noch einmal abgewendet.

Demo am Werkstor

Michael Weeke

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Kommentare
26.01.2012
08:16
Thyssen-Krupp Nirosta-Mitarbeiter - „Immer muss der Pott bluten“
von willy-bochum | #3

Die Mitarbeiter sollten sich schon mal bei der Hammer Runde - insbesondere der SPD - für die Arbeitszeitverringerung auf 0 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich bedanken.

Das gezanke um eine vorhandene Deponie, die wieder in Betrieb genommen werden sollte, hat dem Standort massiv geschadet. Aber davon wollen die Leute ja nichts wissen. Traurig, dass hier an forderster Front ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied des Werkes steht. Wie soll man Industriearbeitsplätze halten, wenn man gegen alles ist, was damit zusammenhängt.

Leute - das passt nicht!!

25.01.2012
19:44
Thyssen-Krupp Nirosta-Mitarbeiter - „Immer muss der Pott bluten“
von DerSteiger | #2

Spätestens vor 3 Jahren hätten die Zeichen der Zeit schon erkannt werden müssen. Bochum ist auf lange Sicht nicht mehr zu halten.
Krupp wird auch in Bochum seine Zelte abbrechen und alles kaputtsprengen.

Die werden ja noch nicht einmal ihren Müll los, weil sie keine Deponie bekommen. Wie soll da auf lange Sicht ein Stahlwerk funktionieren ?

25.01.2012
07:08
„Immer muss der Pott bluten“
von ro-fisch | #1

Gab es im Vorfeld keine Anzeichen für diese Veränderungen?
Wofür unterhält die Stadt den Bereich Bestandspflege/Firmenbetreuung bei der Wirtschaftsförderung, wenn solche Ergebnisse wie Sterne vom Himmel fallen??
Kann eine Verwaltung überhaupt die Aufgabe bewältigen und Arbeitsplätze schaffen???

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