Theaterstück in Bochum macht Fracking zum Thema

Die Titelrolle als Gloster spielt Nico Großer
Die Titelrolle als Gloster spielt Nico Großer
Foto: Ullmann
Was wir bereits wissen
Einem aktuellen drängenden Thema nimmt sich die Theaterproduktion „Gloster“ an, die im Thealozzi Premiere hat. Es geht um Geld, Liebe und ums Fracking.

Bochum.. Namensgeber des von der BO-Autorin Anja Liedke geschriebenen Schauspiels ist „Richard Gloster“, smart, wohlhabend, Manager eines multinationalen Konzerns. Das in der Öffentlichkeit umstrittene Fracking – eine als umwelt- und gesundheitsschädlich geltende Methode zur Erdgas-Förderung – ist für ihn keine Frage der technischen oder ethischen Machbarkeit, sondern der drängenden unmittelbaren Umsetzung. Glosters Problem: Er hat sich in Elisabeth verliebt, die wiederum mit den „Machenschaften“ seines Konzerns nichts zu tun haben möchte.

Das also ist die Ausgangslage, und in der Aufführung werden daraus verschiedene Fragestellungen abgeleitet. So beleuchtet Regisseur Nathanael Ullmann, ob es beim Fracking tatsächlich nur um Macht und Geld geht. Lobbyisten wie Idealisten kommen zu Wort. „Das Stück soll Angst machen, aufrütteln, aber auch unterhaltsam sein“, sagt Ullmann. Anja Liedtke, Mitglied der Gruppe Bochumer Autoren, kam die Idee zu „Gloster“ beim Wiederlesen von Shakespeares Richard III. (aka Richard, Herzog von Gloster). „Der Typ wäre heutzutage Lobbyist“, steht für die Autorin fest.

Zuschauer muss selbt entscheiden

Liedtke begann Fakten zu sammeln, nach und nach entstand ihr Stück. Für die Umsetzung wandte sie sich an Studierende, die bereits Schauspiel-Produktionen im Musischen Zentrum und im Thealozzi absolviert hatten. Liedtke hat mit ihrem Stück kein politisches Theater vor Augen, jedenfalls keines, das dem Publikum eine Moral einhämmern möchte. Denn nicht nur die Gegendemonstranten kommen zu Wort, sondern auch die Manager, die scheinbaren Buhmänner; so oder so gesehen, gibt es ja durchaus auch Argumente pro Fracking.

Ihre Spannung zieht die Aufführung aus der Lücke zwischen dem stereotypen Bild des Lobbyisten Gloster und dem Bild eines Menschen, der an das glaubt, was er tut. „Was verleitet jemanden dazu, etwas so offensichtlich Gefährliches wie das Fracking zu befürworten? Ist es nur Macht und Geld? Oder steckt mehr dahinter?“, das sind Fragen, die Regisseur Nathanael Ullmann beschäftigen.

Zwar stellt sich der Verlauf der Handlung am Ende klar gegen das Fracking, doch, wie gesagt, beide Seiten kommen zu Wort. Pro oder contra – die Entscheidung bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen.