Theaterstück erzählt vom Wahnsinn des Krieges

Bestes, realistisches Theater: (v.l.) Akbar Paktin, Nicolas Martin, Simon Krämer, Tobias Amoriello und Awa Winkel zeigen „Afghanistan“.
Bestes, realistisches Theater: (v.l.) Akbar Paktin, Nicolas Martin, Simon Krämer, Tobias Amoriello und Awa Winkel zeigen „Afghanistan“.
Foto: Rottstr. 5
Was wir bereits wissen
Mit „Afghanistan“ gibt Maximilian Strestik an der Rottstraße 5 sein Regiedebüt. Ihm gelingt ein fesselnder Abend mit jungem Ensemble.

Bochum.. Die Bühne ist kahl, im Hintergrund sind Schüsse zu hören. Der Soldat Gary, Korporal einer britischen Einheit in Afghanistan, schleppt zusammen mit dem afghanischen Soldaten Hafizullah einen bewusstlosen Gefangenen in den Raum.

Beide sollen ihn bewachen, möglicherweise handelt es sich um einen Taliban, bis er der afghanischen Nationalarmee übergeben wird. Und deren Behandlung wird nicht zimperlich ausfallen.

Als der Gefangene erwacht und sich als Engländer entpuppt, spitzt sich die Situation zu. Ist er Freund oder Feind? Gar ein übergelaufener Terrorist, der auf Garys Einheit geschossen hat? Oder ein von Extremisten entführter Brite?

Spannend und handwerklich gut gemacht

So beginnt „Afghanistan“ von DC Moore, ein Theaterabend unter der Regie des Schauspielers Maximilian Strestik, der im Rottstr. 5 Theater Premiere hatte.

Für sein Regiedebüt hat sich Strestik ein typisch englisches „well-made play“ vorgenommen, mit klar gezeichneten Figuren und einem spannenden, handwerklich gut gemachten Plot, der ein aktuelles Thema angemessen und kritisch in Szene setzt. Genau diese Eigenschaften braucht es für bestes realistisches Theater.

Dichter und fesselnder Theaterabend

Realismus hört sich einfach an, ist er aber nicht. Doch Strestiks gelingt ein über weite Strecken dichter und fesselnder Theaterabend.

Nicolas Martin ist als junger kraftstrotzender Gary glaubhaft hin und hergerissen zwischen Empathie und Grausamkeit. Akbar Paktin spielt den schweigsamen Hafizullah, der im entscheidenden Moment die richtigen Worte findet. Oder Simon Krämer als Kommandant, der eigentlich viel zu weich ist, um seine Truppe durch den Wahnsinn des Krieges zu führen. Und schließlich Tobias Amoriello in der Rolle des vermeintlichen Terroristen – weinend, schreiend und flehend, man sieht die blanke Verzweiflung in seinen Augen.

Maximilian Strestik hat sein Team in ehemaligen „Young’n’Rotten“-Mitspielern gefunden, der Jugendsparte des Theaters, auch deshalb verdienen sie größtes Lob. „Afghanistan“ ist ein sehenswerter Abend über Menschlichkeit und Hass, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, über Vorurteile und Vertrauen.

Weitere Vorstellungen am 9. und 25.Juli sowie 6. und 23.August, jeweils 19.30 Uhr.

Keine Sommerpause an der Rottstraße

Mit Beginn der Ferien kehrt im Theater Rottstraße 5 keine Ruhe ein. Denn anders als an den meisten Bühnen der Stadt kennt man hier keine Sommerpause – und spielt einfach heiter weiter. So zeigt Schauspieler Michael Lippold am Freitag, 10. Juli, sein beeindruckendes Solo „Der Großinquisitor“ nach Dostojewski in der Regie des Theaterleiters Hans Dreher. In gleicher Besetzung ist am Donnerstag, 16. Juli, der „Traum eines lächerlichen Menschen“ zu sehen.

Feines Solo von Linus Ebner

Ebenfalls als feines Solo spielt Linus Ebner am Samstag, 11. Juli, sowie am Donnerstag, 23. Juli, Büchners „Lenz“, für den er nach der Premiere vor wenigen Wochen sehr gelobt wurde. Das Stück „Fight Club“ gehört an der Rottstraße zu den großen Publikumshits: Am Freitag, 17. Juli, ist es wieder zu sehen, ehe am Samstag, 18. Juli, das Art-Ensemble Theater seine Sicht auf den Sophokles-Klassiker „Antigone“ zeigt.

Unter dem Titel „Liebesleben“ stellt Schauspielerin Jele Brückner am Freitag, 24. Juli, Erzählungen von Alice Munro vor. Goethes „Werther“ folgt am 26. Juli.

Beginn: 19.30 Uhr. Karten (13, erm. 7 Euro) per Mail an: karten@rottstr5-theater.de