Telefonischer Besuchsdienst gegen Vereinsamung

Heben den telefonischen Besuchsdienst aus der Taufe: vl: Ilka Genser, Christine Drüke (beide Mitarbeiterinnen Seniorenbüro Mitte), Kathrin Engel (Mitarbeiterin Seniorenbüro Ost), Werner Posner (Telefonseelsorge), Ilse Zaydowicz (Nachbarschaftshilfe Altenbochum und ehrenamtliche Mitarbeiterin).
Heben den telefonischen Besuchsdienst aus der Taufe: vl: Ilka Genser, Christine Drüke (beide Mitarbeiterinnen Seniorenbüro Mitte), Kathrin Engel (Mitarbeiterin Seniorenbüro Ost), Werner Posner (Telefonseelsorge), Ilse Zaydowicz (Nachbarschaftshilfe Altenbochum und ehrenamtliche Mitarbeiterin).
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Seniorenbüros rufen neues Projekt ins Leben: „Mit Herz am Hörer“. Dabei nehmen ehremamtliche Mitarbeiter regelmäßig Kontakt mit älteren Alleinstehenden auf. Telefonseelsorge ist mit im Boot.

Bochum.. Viele Senioren vereinsamen zu Hause, ihnen fehlen Kontakte und jemand, der ihnen zuhört. „Dies erleben unsere städtischen Mitarbeiter ständig, die für die Seniorenbüros in der Einzelfallhilfe unterwegs sind, aber auch Pflegedienste“, erklärt Ilka Genser vom Büro Mitte.

Deshalb heben nun die Büros in Mitte und Ost das Projekt „telefonischer Besuchsdienst“ aus der Taufe. Die Idee stammt aus Essen und Leverkusen, wo dieses Angebot bereits erfolgreich angenommen wird. Adressaten sind ältere Menschen, die allein leben und nur noch selten ihre Wohnung verlassen. Sie können sich anrufen lassen von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter und bis zu einer Stunde plaudern.

Senior und ehrenamtlicher Mitarbeiter sollten zusammen passen

Die Telefonseelsorge ist mit im Boot und wird bei der Schulung der Ehrenamtler helfen. Pfarrer Werner Posner ist deren stellvertretender Leiter. Er weiß durch die Kripo: „40 Prozent aller Selbstmorde in Bochum werden von Menschen über 60 Jahren verübt. Dieses neuen Angebot ist Suizidprophylaxe.“ Sobald jemand wieder soziale Kontakte pflege, spüre er mehr Lebensqualität: „Das erleben wir auch in der Telefonseelsorge; der Bedarf ist da.“

Geplant ist, feste Paare zu bilden; Senior und ehrenamtlicher Mitarbeiter sollten zusammen passen, damit vertrauliche Gespräche möglich sind. Die Gesprächspartner lernen sich übrigens nicht vorab persönlich kennen. „Wir wissen aus der Erfahrung der Nachbarstädte, dass Teilnehmer die (Halb-)Anonymität zu schätzen wissen. Viele wollen auch gar nicht, dass der Besucher zu ihnen in die Wohnung kommt, denen reicht die Telefonbeziehung“, sagt Christine Drüke vom Seniorenbüro Mitte. Die Gesprächspartner vereinbaren Termine für ihre Telefonkontakte. „Wir gehen erst einmal von einmal pro Woche aus“, sagt Ilka Genser.

Die erste, die sich als ehrenamtliche Mitarbeiterin gemeldet hat, ist Ilse Zaydowicz. Seit mehreren Jahren ist sie in der Nachbarschaftshilfe in Altenbochum aktiv. „Klar haben wir da auch Kontakte zu alten Menschen. Aber mit dem telefonischen Besuchsdienst betrete auch ich Neuland.“

Die ehrenamtlichen Kräfte werden für „Mit Herz am Hörer“ im Vorfeld geschult (die erste Ausbildung ist am 4. Juli), sie erlernen Gesprächsführung und ihre Stimme mit Atem- und Sprechtechnik zu trainieren, damit sie stets entspannt klingt. Sie erfahren, wie sie im Telefonat mit Lebensthemen älterer Menschen umgehen und sensibel auf Untertöne reagieren können. Die Mitarbeiter werden durch die Seniorenbüros begleitet, treffen sich untereinander regelmäßig. Zu ihrem Schutz werden die eigenen Rufnummern unterdrückt.