„Tafelfreuden“ erfreuen längst nicht alle Bochumer

Was wir bereits wissen
In der Bochumer Lutherkirche soll im Mai ein Benefiz-Essen zugungsten hilfsbedürftiger Kinder stattfinden. Das findet so mancher Bochumer unchristlich.

Bochum.. Aufreger oder Normalität? Die „1. Bochumer Tafelfreuden“ haben eine kontroverse Debatte ausgelöst.

In der Lutherkirche am Stadtpark wird am 7. Mai opulent aufgetischt. Die „Bochumer Jungen mit Herz“ mit ihrem Vorsitzenden Thomas „Gustl“ Ernst und die Dortmunder „Cateringmanufaktur“ mit ihrem Bochumer Geschäftsführer Frank Weeke servieren ein Menü mit Musik (69,90 Euro, es gibt nur noch wenige Restplätze). Der Erlös kommt hilfsbedürftigen Kindern zugute.

„Den Kirchenraum in eine Fressmeile für Bessergestellte zu verwandeln, empfinde ich als grobe Entweihung der Kirche, in der ich konfirmiert wurde. Hier heiligt auch der gute Zweck nicht mehr die Mittel, zumal im Gemeindehaus ein Saal vorhanden ist, der mit viel weniger Aufwand für solche Veranstaltungen zu nutzen wäre“, zählt Heinz-Jürgen Hüffer zu den WAZ-Lesern, denen die „Tafelfreuden“ wenig Freude entlocken. „Dem Saal würde zwar der sakrale Anspruch fehlen. Aber das dürfte die aufrichtigen, hilfsbereiten Spender doch nicht beeinflussen und an ihren guten Taten hindern.“

„In welcher Kirche findet die nächste Party statt?“

„Völlerei und Umtrunk gehören nicht in die Kirche!“, meint auch U. Ganswindt. „Als praktizierende Christin bin ich entsetzt, wozu man Kirchräume heute umfunktionieren kann. Eine Kirche zum Essvergnügen für betuchte Menschen zu nutzen, halte ich für geschmacklos. In welcher Kirche findet die nächste Party statt?“ Die Leserin glaubt: „Wenn Jesus heute leben würde, handelte er wie damals (Mk. 11, 15-19). Er würde die Tische im Tempel umwerfen und die nach Extremen süchtigen Veranstalter samt allen Verantwortlichen hinaustreiben.“

Gemach, rät Journalist Eberhard Franken. „Sehr viele Jahre lang gab es ein Kirchenmenü in der Pauluskirche mit Pfarrer Wilfried Geldmacher an der Langendreerstraße. Allerdings war da keine Agentur am Ball, sondern die Gemeinde stemmte alles selbst.“ Das Essen wurde von den Frauen der Evangelischen Kirchengemeinde gekocht, der komplette Service von vielen Töchtern übernommen. „Es gab Musikdarbietungen und mehr. Über diese Veranstaltung ist nie diskutiert worden.“

Henri Krohn, Pastor der Lutherkirche, hat die „Tafelfreuden“ von Beginn an verteidigt: „Die Lutherkirche wird bei gutem Essen und Trinken ein Hort des fröhlichen Feierns sein – wie dies in früheren Zeiten in Kirchen generell üblich war.“