„Superior Session“: Bochum ist Knotenpunkt der Hip-Hop-Szene

Jeden Monat versammeln sich Rapper aus der Region zur „Superior Session“ in Bochum. Die Traditionen der Hip-Hop-Kuktur werden hier hoch gehalten.

Bochum.. Auf Dollar-Scheinen sind die toten Präsidenten der USA abgebildet; auf den Flyern der „Superior Session“ sind verstorbene Rap-Künstler zu sehen – 2Pac, Ol’ Dirty Bastard, The Notorious B.I.G. „Das sind unsere wahren Helden“, sagt Rapper Meller. – Schon die Flugblätter machen klar, worum es dem 30-jährigen Berufskünstler und Veranstalter der monatlichen „Superior Session“ geht: Die Fahne für die Traditionen der Hip-Hop-Kultur hochzuhalten.

Zur „Superior Session“ kommen Rapper aus der ganzen Metropolregion Rhein-Ruhr. Jeden ersten Donnerstag im Monat wird Bochum zum Knotenpunkt der regionalen Szene. „Der Bochumer Charakter ist es, alle Leute zusammenzubekommen“, sagt der Wattenscheider Rajmund „Reimemund“ Cybulski (29), der zum Veranstalter-Team gehört.

Bald auch Breakdance und Graffiti

Das ist der Grundgedanke der „Superior Session“: Jeder kann an das Mikrofon treten und versuchen, spontan über einen Beat zu reimen – „zu freestylen“, wie es im Hip-Hop-Jargon heißt. Die Teilnehmer positionieren sich im Kreis um den DJ. Wer fertig ist, reicht das Mikrofon weiter. So lief es schon in den 70ern in der Bronx, in den Geburtsstunden der Rap-Kultur.

Mit ihren Improvisations-Shows war die „Superior Session“ in ihrer sechsjährigen Geschichte für viele bekannte Köpfe der Szene eine ideale Startrampe. „Viele lokale Rapper haben hier ihre Wurzeln“, sagt Meller, der die Session ins Leben gerufen hat.

„Auch ich habe hier gelernt, aus mir ‘rauszukommen“, ergänzt David „Proton“ Noetzel (29), Mitveranstalter der Session und inzwischen wohl bekanntester Rapper aus Bottrop. In Bochum sammelte er seine ersten Erfahrungen, inzwischen hat es der Archäologie-Student bis nach New York zu Rap-Wettbewerben geschafft.

Erprobte Wort-Jongleure wie Proton treffen sich mit Neulingen, die das Mikro zum ersten Mal in der Hand haben – die „Superior Session“ wird so zu einem Generationentreffen. Allerdings meist nur für DJs und Rapper. Das soll sich bald ändern. Die Veranstalter wollen auch die anderen Zweige der Hip-Hop-Kultur – Breakdance und Graffiti – mehr einbeziehen. So soll zum nächsten Termin etwa extra ein Bereich eingerichtet werden, in dem sich Graffiti-Künstler austoben können.

Gäste geben Impulse

Wie sich die Session überdies entwickelt, liegt an den Impulsen, die die Gäste geben. „Es wächst ganz natürlich, durch die Charaktere, die zu uns kommen“, sagt Meller. Er selbst erlebte Hip-Hop stets als Mitmach-Kultur, als Hort der Unbefangenheit und Sperrzone für Ausgrenzung. „Das wollen wir zurückgeben. Und wir erwarten keine Gegenleistung.“

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