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Zwischen Wissenschaft und Mythos

19.01.2012 | 14:21 Uhr
Zwischen Wissenschaft und Mythos
Prof. Dr. Hans Jaskulsky bei der Winterreise im St. Johannesstift. Foto: Tim Wollenhaupt

Wiemelhausen.  Bei der Winterreise im St. Johannesstift nimmt Prof. Dr. Hans Jaskulsky sich der Heiligen Drei Könige an

Diesmal hatte der Förderverein des St.-Johannes-Stiftes einen besonderen Gast zur „Winterreise“ eingeladen. Üblicherweise präsentiert sie Literatur und Musik im Wintergarten des Stiftes nun hielt der Leiter des musikalischen Bereiches des Musischen Zentrums an der Ruhr-Uni einen Vortrag zum Thema „Die Heiligen Drei Könige – zwischen Mythos, Wahrheit und Spekulation“.

„Wir realisieren mit unseren Ensembles zahlreiche Werke, die für Kirchen geschrieben wurden und wir realisieren sie in Kirchen“, erläuterte Professor Jaskulsky. „Man kann diese Musik nur verstehen und richtig darbieten, wenn man sich über die Hintergründe und die Liturgie informiert.“ Eines der großen Mysterien in der Weihnachtszeit ist die biblische Schilderung der aus dem Osten angereisten und einem Stern folgenden Menschen, die Jesus in der Krippe huldigen. Prof. Jaskulsky ging der Frage nach, ob es im historischen Osten Sterndeuter gegeben habe, eine Himmelserscheinung wahrscheinlich gewesen sei, ob es sich bei den Reisenden um Könige gehandelt haben könnte und wie diese offensichtlichen Heiden schließlich als christliche Heilige verehrt werden konnten.

Sterndeuter rechneten

Lange vor Christus gab es Handel zwischen Juden und Persern. Diese Beziehungen legen nahe, dass auch in Persien die alttestamentarischen Prophezeiungen bekannt gewesen sein dürften, die das Erscheinen des Messias mit einer Himmelserscheinung in einen Zusammenhang stellten. Bekannt ist auch, dass in Persien Sterne beobachtet wurden. Durch die Bibliotheken, die in zeitgenössischen Überlieferungen erwähnt werden, wird es den Sterndeutern möglich gewesen sein, Ereignisse kalendarisch exakt zu berechnen.

Zudem gab es in dem engen Zeitfenster von etwa 7 bis 4 vor Christus eine Zeit, in der alle biblischen Ereignisse zusammentrafen: Die Kaiserzeit des Augustus, die Herrschaft des Herodes, die landesweiten Steuerschätzungen etwa. Aufgabe der Astronomen war es nun, mit heutigen Mitteln zu berechnen, ob es eine Himmelserscheinung in diesem Zeitfenster gegeben haben kann.

Tatsächlich kommt die Forschung zu dem Ergebnis, dass im Jahre 7 v. Chr. Jupiter und Saturn von der Erde aus gesehen im westlichen Sternbild Fische zusammentrafen und als heller Stern wirken mussten. Es ist durchaus denkbar, dass sich Sternkundler, die auch um die mythologische Deutung in den Voraussagen des alten Testaments wussten, auf den Weg nach Westen machen konnten.

Für die drei Kontinente

Die bildliche Ausgestaltung hingegen, wie sie heute bekannt ist, ist eher religiöser Natur: Die Bezeichnung als Caspar, Melchior und Balthasar, die Darstellung als drei Männer unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Hautfarbe und unterschiedlicher Geschenke wird heute wie folgt gedeutet: Die Männer haben unterschiedliche Alter als Zeichen dafür, dass sich jedes Alter vor Jesus verbeugt. Die Hautfarben stehen stellvertretend für die drei damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika. Gold steht wiederum für die Königswürde, Weihrauch gilt als Attribut der Hohepriester und Myrrhe als Beigabe zum Opferlamm. Die Geschenke richten sich also auf die weltliche und religiöse Macht und sie weisen bereits als Bild auf die Passion Christi. Zwar sind auch im Alten Testament ähnliche königliche Geschenke erwähnt, die Vorstellung aber, bei den im Neuen Testament Erwähnten habe es sich tatsächlich um König gehandelt, lässt sich nicht bestätigen. Wohl aber sind sie die ersten, die das Kind nicht nur anbeten, sondern ihm göttliche Macht zumessen. Dies kann als eine der ersten Verehrungen Christi angesehen werden, weswegen man sie auch als Heilige Drei Könige bezeichnet.

Der zweite Winterabend in diesem Jahr findet am 14. Februar statt. Um 19.30 Uhr liegt die musikalische Gestaltung beim „ceflor-Ensemble“. Dazu liest die Schauspielerin Maria Wolf Liebesgeschichten. Da Maria Wolf über weitreichende Erfahrungen beim Hörfunk und mit Hörbüchern verfügt, ist ein abwechslungsreicher Abend garantiert, Eintritt frei.

Stadtteilredaktion

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