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Verantwortung auch am Lebensende

12.01.2012 | 14:13 Uhr
Verantwortung auch am Lebensende

Steinkuhl.  Margot Käßmann sprach in der Vortragsreihe „... wie dich selbst“ zu ethischen Fragen rund um Sterben und Tod

Wie viel Verantwortung soll und muss ein Mensch für sich selbst übernehmen? Dieser Frage ging die aktuelle Themenreihe „… wie dich selbst“ – aus unterschiedlichen Perspektiven - im Thomaszentrum der evangelischen Gemeinde Querenburg nach.

Die bekannte Theologin Margot Käßmann übernahm einen Vortrag, der mit „Alles hat seine Zeit. Ethische Fragen am Ende des Lebens“ gut zur Thematik passte. So forderte die ehemalige Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche von Deutschland (EKD) die etwa 200 Zuhörer dazu auf, auch am Lebensende Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. „Hinterlegen Sie eine Betreuungsvollmacht. Sie machen es den Angehörigen leichter, für Sie zu entscheiden, wenn Sie nicht mehr in der Lage dazu sind“, erklärte sie.

Weitere Themen waren die heutige Angst vor dem Sterben, die Friedhofskultur, die Palliativmedizin als Unterstützerin beim Sterben in Würde mit möglichst wenig Schmerzen sowie die Hospizbewegung. Letztere habe das Thema Tod und Sterben wieder gesellschaftsfähig gemacht, so Käßmann: „Sterbende werden in Krankenhäusern nicht mehr in Hinterzimmer abgeschoben, wie ich es als Seelsorgerin noch erlebt habe. Vielmehr gibt es an vielen Orten Abschiedsräume für sie und ihre Angehörigen.“

Sterben zu Hause sei ebenfalls möglich. „Tote dürfen bis zu 48 Stunden zum Abschied nehmen im Hause bleiben“, erklärte sie und erzählte eine Geschichte von Russlanddeutschen aus ihrer Zeit als Pfarrerin, wo die Tote dem Trauergespräch beiwohnte.

Die Palliativmedizin werde inzwischen auch von der Deutschen Ärztekammer unterstützt, so die 53-jährige unter anderem weiter. Sie zitierte: „Sterbebegleitung ist ethisch vertretbar.“

Zur Friedhofskultur erklärte Käßmann, dass diese als Ort der Trauer und für das Erinnern der Menschen eine wichtige gesellschaftliche Funktion hätten. Ihre eindrückliche Anekdote: eine Rose auf dem Grab von Marlene Dietrich in Berlin-Friedenau heute. Sie spannte damit einen weiten Bogen zum Thema. Wichtig war ihr immer, deutlich zu machen, dass Christinnen und Christen vor dem Sterben keine Angst haben müssen, weil sie wissen: „Der Tod spricht nicht das letzte Wort.“

Käßmann setzte den Abschluss der Vortragsreihe mit vier Referenten. Die vorangegangenen Vorträge waren ebenso hochkarätig. Die Popularität der Pfarrerin zog jedoch 200 anstatt 30 Zuhörer an. Eine spontane Spendensammlung für die Ambulante Hospizarbeit Bochum erbrachte 670 Euro.

Organisator Donald Goodwin freute sich vor dem Vortrag: „Sie hatte nach eigenen Angaben 90 Anfragen für Veranstaltungen. 81 davon hat sie abgesagt. Uns nicht.“

Wicho Herrmann

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