Stiepeler Platt vom Opa gelernt

Gut 30 Senioren kommen bei der 120. plattdeutschen Runde im Heinrich-König-Zentrum zusammen.
Gut 30 Senioren kommen bei der 120. plattdeutschen Runde im Heinrich-König-Zentrum zusammen.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Mundart steht im Heinrich-König-Zentrum regelmäßig bei Kaffeetrinken im Mittelpunkt. Die Teilnehmer erinnern sich an vergangene Zeiten.

Weitmar..  Was ist Heimat? Eine Frage, auf die es sicher zahlreiche und unterschiedliche Antworten gibt. Zunächst einmal stellt „Heimat“ einen Ort dar, an dem jemand geboren oder aufgewachsen ist. Doch abseits dieser Tatsachen scheint Heimat auch ein Gefühl zu sein, das sich auf verschiedene Art und Weise einstellt: wie zum Beispiel in der „plattdeutschen Runde“ im Heinrich-König-Zentrum.

Denn dort wird so gesprochen, wie es die meisten Teilnehmer in ihren jungen Jahren getan haben. Seit 20 Jahren gestaltet der Stiepeler Verein für Heimatforschung die plattdeutschen Nachmittage bei Kaffee und Kuchen – ein Angebot, das sich nach wie vor größter Beliebtheit erfreut.

Auch in der 120. Auflage kamen kürzlich gut 30 Senioren in Weitmar-Mark zusammen, wollten reden und hören, letztendlich das erleben, was ihre Großeltern oder Eltern anno dazumal vorgelebt hatten. „Heimatgefühl im Altenheim“: So wird’s möglich gemacht.

Teilnehmer aus ländlichen Gegenden

Ulrike Gaus vom Heinrich-König-Seniorenzentrum sowie Willi Dickten vom Heimatverein haben das Projekt ins Leben gerufen. Inzwischen finden sich die Teilnehmer alle sechs bis acht Wochen im Saal am Wabenweg zusammen, viele Heimbewohner kommen aus den entsprechenden Ortsteilen, in denen noch ländliche Strukturen vorhanden sind. Diese Senioren kennen auch noch das „Platt“ von früher.

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Obwohl sich die Sachlage nicht ganz einfach darstellt, wie Christel Vogelsang schilderte: „Stiepeler Platt unterscheidet sich durchaus vom Herbeder oder Blankensteiner.“ Daher sei es möglich, dass Besucher aus anderen Ortsteilen eine andere Form der regionalen Sprache kennen.

Das „Platt“ stirbt aus

Die 72-Jährige habe das „Plattdeutsch“ beim Großvater gelernt. Auch ihre Kinder verstehen es noch. Sonst sei dieser ursprüngliche Teil Stiepels kaum noch präsent. Das „Platt“ stirbt aus. „Außer auf der Kirmes, da hört man es noch oft“, sagte Vogelsang. Zudem freute sie sich darüber, dass sogar ein Forschungsteam der Ruhr-Uni schon nachhörte, um die hiesige Mundart zu erforschen.

Das Interesse daran scheint also doch noch vorhanden zu sein. Im Heinrich-König-Zentrum sowieso. Die Senioren sitzen in der plattdeutschen Runde zusammen, hören mundartliche Anekdoten, singen Lieder (auch auf Hochdeutsch), die Ursula Lelgemann am Klavier begleitet. Wer nicht versteht, was gesprochen wird, kommt auch nicht umsonst. „Diese Teilnehmer schätzen die Atmosphäre und das heimatliche Gefühl, das sich fast automatisch einstellt“, betonte Sabine Matelin vom Seniorenzentrum.