Ortsteil Stiepel aus Sicht des Malers

Pit Groth (l.) zeigt einigen Gästen bei der Vernissage sein Bild der Stiepeler Dorfkirche.
Pit Groth (l.) zeigt einigen Gästen bei der Vernissage sein Bild der Stiepeler Dorfkirche.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Pit Groth stellt „Stiepeler Landschaften“ im Gemeindehaus neben der Dorfkirche aus. Acrylbilder und Pastellstrich-Zeichnungen.

Stiepel. Pit Groth ist Wanderer aus Leidenschaft. Doch blickt er auf das, was er durchstreift, aus einem etwas anderen, alternativen Blickwinkel. Denn Pit Groth ist Künstler. Das, was er sieht, hält er fest. Zunächst mit der Kamera, dann an der Staffelei. Eine Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus neben der Dorfkirche macht es nun möglich, Stiepel aus seiner Perspektive (neu) zu entdecken.

„Stiepeler Landschaften“ heißt die Bilderschau. Nach einführenden Worten von Pfarrer Jürgen Stasing spielte Meret Haug von den Bochumer Symphonikern auf der Harfe, ihre Melodien von Bach und Scarlatti schafften einen stimmigen Rahmen. Letztendlich stellte sich der Maler, der seit 1973 in Stiepel lebt, selbst vor.

Doch Pit Groth ist kein Unbekannter. 1999 hat er aus den 400 Jahre alten Eichenbalken des ehemaligen Glockenstuhls der Dorfkirche das Kreuz fürs Gemeindehaus geschaffen. Gewidmet ist das Werk seinem Lehrer Gustav Deppe, „dem ich viel zu verdanken habe, und der ein strenger Lehrer war“, wie der Schüler sagt.

Das Kreuz

Das Kreuz soll erinnern an den „Cristo de Corcovado“ in Rio de Janeiro, Stationen seines Lebens führten Pit Groth in unterschiedliche Regionen Südamerikas. Es sei dabei inspiriert von menschlichen Proportionen, es stehe symbolisch fürs Christentum, gelte zudem als Folterwerkzeug und ist de facto ein Teil der alten Dorfkirche. „Es macht mir Spaß, mehrere Sachen miteinander zu verknüpfen“, schildert der 65-Jährige.

Auf diesem Weg wuchs ursprünglich auch der Kontakt zur Gemeinde heran. Groth wollte seine damaligen Klangskulpturen in der Kirche ausprobieren, äußerst gastfreundlich sei er empfangen worden. Und bedankte sich mit einem Video über das Gießen der neuen Glocken – der Dreh als Kunstform, die er seinerzeit statt der Malerei ausübte.

Nun sind auch 15 Bilder von ihm im Gemeindehaus ausgestellt: Acryl-Malereien und Pastell-Stift-Zeichnungen. Darauf zu sehen ist einerseits die Dorfkirche, andererseits ist es der Stiepeler Wald, der Groth begeistern kann. Das Motiv ist oftmals nicht sofort schlüssig, wenngleich erkennbar. Eine Wertigkeit im klassischen Sinn, die er betont wissen möchte.

Der Künstler abstrahiert etwa die Henkenbergstraße, will erreichen, „dass die Bilder leben“. Denn seine Stiepeler Werke dienen auch der Kommunikation. Und zwar besonders dann, wenn Nachbarn ihn auf seine Malereien ansprechen. Weil sie Gegebenheiten vor Ort auf seinen Leinwänden wieder erkannt, jetzt aber durch die Augen des Künstlers wahrgenommen und nachvollzogen haben. So, wie Pit Groth die Dinge sieht. Nicht nur auf Wanderschaft.