Märchen bringen Kindern den Wald näher

Zu „Wächtern des Waldes“ wurden die Kinder beim gleichnamigen Bola-Märchenprojekt.
Zu „Wächtern des Waldes“ wurden die Kinder beim gleichnamigen Bola-Märchenprojekt.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Dahlhauser Märchen-Projekt der Bildungsstätte „Bola“ will Mädchen und Jungen die Natur als schützenswerten Raum näher bringen.

Dahlhausen. „Der Wächter steht direkt an der Laterne. Er begrüßt die Leute, die vorbei kommen und warnt sie, vorsichtig zu sein“, erklärt Sarya Aycik. Die Achtjährige steht an einer selbstgebauten Figur. Sie ist aus Holz, Moos, Steinen, und manche Elemente sind mit Seilen befestigt. Die ästigen Arme sind weit geöffnet. Der Kopf aus Stein trägt ein aufgemaltes freundlich lachendes Gesicht.

Das Kunstwerk ist eine der Figuren, die Sarya und neun andere Kinder im Rahmen des Projekts „Wächter des Waldes“ in der Bildungsstätte Bola geschaffen haben. In den Osterferien sind die Jungen und Mädchen, zwischen sechs und zwölf Jahre alt, in eine einmalige Märchenwelt eingetaucht.

Leiter des Projekts, Andreas Kronen, und sein Team entwickelten ein einzigartiges Konzept, um mit der Fantasie der Kinder ihr Bewusstsein für den Wald zu schaffen. „Die Märchen dienten als Einstieg, um den Kindern den Wald als Raum näher zu bringen, der beschützt werden muss“, erklärt Kronen. In Spielen und bei einer Schnitzeljagd ging es deswegen um natürliche Wächter in der Natur, wie dornige Brombeersträucher, die an steilen Hängen stehen, oder selbst geschaffene Beschützer.

Die Reise ging in eine Welt, in der die Kinder eigene Wächter zum Leben erwecken konnten. Hier ist der Wolf ein Lieber, weil er Rotkäppchen geholfen hat, die Tiere vor dem Jäger zu beschützen, und die Hexe eine Gute, weil sie alles Wertvolle in ihrem Knusperhaus beschützt. Auch der Hase aus der Geschichte Alice im Wunderland und die Maus aus Aschenputtel haben das Projekt mit ihren guten Eigenschaften begleitet. Den Ausgang der Geschichte durften die kreativen Teilnehmer mitgestalten.

Alle Betreuer sind in ihren Rollen geschminkt, als sie gemeinsam mit den Kindern deren Eltern und Freunden die Ergebnisse des Kunstprojekts präsentieren. Die 25-jährige Cathrine Dewart ist mit grauen Schnurbarthaaren als Maus geschminkt und freut sich über die Begeisterung der Teilnehmer für das Projekt: „Die Kinder waren immer motiviert. Es hat ihnen Spaß gemacht so etwas Künstlerisches in der Natur zu schaffen.“

In ihrer Gruppe wurde ein kriegerischer Wächter gebaut. Die Figur trägt einen hölzernen Speer, eine Astgabel als Dreizack und Kriegsbemalung. Mit verschieden Säften wie Rote Beete oder Brombeere, Kaffee und Tee ist die Lehmfarbe auf den Wurzeln und Stämmen gefärbt. Alle Wächter und Wächterinnen, die den Weg hoch zum Zauberschloss Bola säumen, haben ihren eigenen Charakter und eine Aufgabe. Kein Platz wurde zufällig gewählt. Jedes Kunstwerk hat seine eigene fantastische Geschichte.