Kleinste Krippe aus Kirschkern geschnitzt

Dieter und  Yvonne Klein und Dieter Klein in Steinkuhl; Aussteller Rainer Prodöhl (rechts im Bild) erklärt die Exponate.
Dieter und Yvonne Klein und Dieter Klein in Steinkuhl; Aussteller Rainer Prodöhl (rechts im Bild) erklärt die Exponate.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Rainer Prodöhl zeigt seine internationale Sammlung im Gemeindehaus von St. Martin Steinkuhl. Krippen sind Volkskunst: In Alaska ersetzen Eisbär und Elch Ochs’ und Esel.

Steinkuhl. Krippen aus Alaska, Bangladesh, China, Frankreich, Kenia, Mexiko, Ost-Timor, Palästina, Peru oder aus Vietnam: 200 Krippen aus aller Welt versammelt derzeit Rainer Prodöhl im Gemeindehaus von St. Martin in der Pfarrei St. Franziskus. Hinzu kommen weihnachtliche Szenen: etwa auf einem Blatt der Pappelfeige (Indien) oder Eiern (Russland), gemalt sowie in Bronze gegossen (Australien). Das Beste dabei ist, dass der ehemalige Lehrer für Deutsch und Religion zu allen Ausstellungstücken auch spannende Erklärungen geben kann.

„Ich biete deshalb auch Sonderführungen und -termine an“, betont Prodöhl im Gespräch bei der Ausstellungseröffnung. Und schon erklärt der 68-Jährige anderen Besuchern das Besondere einer Krippe.

Zeit nehmen und gucken ist also angesagt, während der Besucher an den – nach Kontinenten angeordneten – Tischen vorbeipilgert und immer wieder zum Betrachten stehen bleibt. Große Figuren befinden sich neben Kleineren. Manche zeigen nur die Geburtsszene mit Maria und Josef. Andere präsentieren die gesamte Weihnachtsgeschichte, inklusive der Heiligen Drei Könige.

Und darüber hinaus. Zum Beispiel eine Kokosnuss aus Ostafrika: Der Handwerker hat die Krippenszene in die holzige Schale, die den Stall symbolisiert, eingearbeitet. Auf der Rückseite ist die Kreuzigungsszene (Bezug Karfreitag) aufgeschnitzt. Ein russisches Matroschka-Ei geht noch weiter: Das äußere bemalte Ei zeigt die Geburtsszene; die nachfolgenden seinen (Leidens-)Weg bis hin zur Himmelfahrt auf dem kleinsten Ei. „Das Ei steht hier gleichzeitig für die Auferstehungssymbolik“, erklärt Prodöhl.

Besondere Schätze lagern in einer Vitrine: Etwa ein polnisches Ausstellungsstück aus Bernstein. Oder die kleinste Krippe, die ein Kunsthandwerker aus einem Kirschkern schnitzte. Wer sie genauer anschauen will, benutzt am besten die daneben liegende Lupe.

Klein und groß: Die größten Figuren stehen an der Künstlerkrippe von Hilario Mendivil aus Peru mit seinen typischen langhalsigen Figuren. „Der lange Hals weist auf das Lama als Nationalsymbol von Peru hin“, betont Prodöhl, der sehr stolz auf dieses in den 90er Jahren erworbene Figurenensemble ist. „Es gibt nur sehr wenige davon in Europa.“

Die Krippe hat eine weitere Besonderheit: Das gewickelte Kind liegt auf dem Boden, nicht im Arm der Maria, nicht in der Krippe. Prodöhl: „Dies zeigt, Jesus kommt zu den kleinen Leuten, zu den Armen.“

Krippen sind damit Volkskunst. Das drückt sich auch an anderer Stelle aus. Gnu und Wasserbüffel ersetzen Ochs und Esel in Kenia (Afrika); Eisbär und Elch kommen in Alaska zu Krippe