Gotteshaus soll schöner werden

bedanken sich bei Vertretern der Stiftung Denkmalpflege.
bedanken sich bei Vertretern der Stiftung Denkmalpflege.
Foto: WAZ
Die Scharounkirche des legendären Architekten Hans Scharoun wird aufwändig restauriert.

Altenbochum..  Die Johanneskirche der evangelischen Christengemeinschaft sei baulich ein „magical little surprise“ (aus dem Englischen übersetzt eine „magische kleine Überraschung“), bekannte der renommierte Stararchitekt Frank Owen Gehry, als er am 12. März diesen Jahres kurzerhand den Kirchenbau am Glockengarten besichtigte. In der Stadt war der 82-jährige eigentlich zur Verleihung des Steiger Award für seine dekonstruktivistische Baukunst.

Nun erhielt die Kirche – bekannter unter dem Namen Scharounkirche – erneut hohen Besuch. Das Ortskuratorium „Bochum und Dortmund“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz überreichte den beiden Gemeindepfarrern Tom Tritschel und Jeanette Terra einen Fördervertrag über 80 000 Euro zur Reparatur des Dachs am Kirchenbau.

„Die 1966 nach den Plänen des bekannten Architekten und Stadtbaumeisters Hans Scharoun errichtete Kirche zählt zu den bedeutenden Nachkriegskirchen in Nordrhein-Westfalen“, betonte Kuratoriumsmitglied Karl-Heinz Schlichting. Seit 1997 steht die Kirche unter Denkmalschutz. Scharoun habe zwar schon während seiner Studienzeit Pläne für Kirchen gezeichnet, so seine Kollegin Eva-Maria Günther weiter. Doch keine seiner Ideen sei bis dahin umgesetzt worden. Günther: „Die Johanneskirche blieb damit Sharouns einziger, je realisierter Sakralbau, der weiterhin als Kirche genutzt wird.“

So viel Baukunst ist der Kirche von außen nicht anzusehen, auch wenn der bis hin zu den Fenstern fehlende rechte Winkel des Gebäudes stutzig macht. Die Mauern sind eher niedrig (vor allem im Vergleich zu den Nachbarhäusern) und sind aus einfachen gebrannten roten Ziegeln. Das architektonisch unregelmäßig angelegte Dach aus Asbestschiefer und Bitumenpappe sieht einfach sowie angegriffen aus.

Und trotzdem: Seit diesem Sommer ist die Kirche etwas Besonderes. „Sie ist weltweit ein architektonisches Unikat der organischen Bauweise. Sie ist deshalb nun als Weltkulturerbe eingetragen“, betont Pfarrer Tom Tritschel. Auch hierbei spielt die Berühmtheit des Architekten eine Rolle, der als erster Stadtbaumeister nach dem Zweiten Weltkrieg die berühmte Berliner Philharmonie plante und bauen ließ.

Ähnlichkeiten zwischen den beiden Gebäuden gibt es auch. Tritschel: „Beide erinnern von ihrer Konstruktion her an Schiffe, da der gebürtige Bremer Scharoun dort Anleihen nahm.“ Hinzu komme, so Tritschel, dass dem Architekten bei beiden Gebäuden der gelungene funktionale Innenraum wichtiger war als dessen repräsentative Fassade.

Nach 45 Jahren muss die Kirche aufwändig restauriert werden. Allein das Dach als erster Bauabschnitt wird etwa 180 000 Euro kosten. Begonnen werden soll mit der Reparatur noch in diesem Monat.

Neben den Mitteln der Denkmalstiftung sind dafür 78 000 Euro an Bundes- und Landesmitteln zugesagt, die durch 22 000 Euro an Eigenkapital aufgestockt werden.

Ebenfalls erneuert werden müssen die Fensterprofile und Verkleidungen, der Fußboden und die Heizungsanlage. Insgesamt kostet dies rund 450 000 Euro. Dafür sammelt die Gemeinde Spenden.