Gottesdienst zwischen Satelliten

Der Himmelfahrtsgottesdienst der evangelischen Gemeinde Linden in der außergewöhnlichen Atmosphäre des Radom der Sternwarte lockte auch Besucher an, die sonst eher nicht zu den klassischen Kirchgängern zählen.
Der Himmelfahrtsgottesdienst der evangelischen Gemeinde Linden in der außergewöhnlichen Atmosphäre des Radom der Sternwarte lockte auch Besucher an, die sonst eher nicht zu den klassischen Kirchgängern zählen.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Das Radom der Sternwarte beherbergte die Himmelfahrtsfeier der evangelischen Kirchengemeinde Linden. Rund 100 Besucher kamen.

Weitmar..  Verblüfft beobachtet Hedi Roggs die „Rasenden Augen“ - eine Animation, die zeigt, wie schnell Satelliten um die Erde kreisen. Mit 28 000 Kilometer pro Stunde umkreisen die Raumflugkörper unseren Planeten. „Das ist ja der Wahnsinn. Hier lernt man so viel dazu, das ist richtig spannend“, staunt die 89-Jährige. Die Neu-Bochumerin besucht zum ersten Mal die Ausstellung „Die Erde im Visier“ im Radom der Bochumer Sternwarte. Doch nicht nur wegen der interessanten Ausstellungstücke ist die Seniorin in das Radom mit der beeindruckenden weißen Kuppel gekommen.

In dieser außergewöhnlichen Umgebung findet schon das zwölfte Jahr in Folge der Himmelfahrtsgottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Linden statt. „Hier kommen auch viele hin, die nicht die klassischen Kirchgänger sind. Es sind alle willkommen, wir feiern einen ökumenischen Gottesdienst“, freut sich Pastor Rolf Schuld über den Zulauf.

Den ersten Gottesdienst im Radom feierte der evangelische Pastor anlässlich des 80. Geburtstages von Heinz Kaminski, dem Gründer der Volkssternwarte. „Die Atmosphäre war so beeindruckend, dass wir das unbedingt wiederholen wollten“, so Schuld.

Über die langjährige Kooperation mit dem Pastor freut sich auch Thilo Elsner, Direktor des Instituts für Umwelt- und Zukunftsforschung (IUZ). „Kaminski hat sich in den letzten Jahren seines Lebens mit Fragen der Globalisierung und deren Folgen beschäftigt und Pastor Schuld teilt seine Ansichten, deswegen passt das sehr gut“, so Elsner.

Auch kritische Töne

Und tatsächlich schlägt der Geistliche in dem Gottesdienst mit dem Motto „Geht der Himmel über allen auf“ auch kritische Töne an. „Es vergiftet die Atmosphäre, wenn Allgemeingut zur Privatsache wird. Wem gehört der Regenwald? Wem gehört der Amazonas?“, fragt Schuld in seiner Predigt und zeigt den Besuchern anschließend einen Film über den Staudamm Belo Monto im Amazonas. 6000 Einheimische wurden vertrieben, Regenwald in einer Fläche so groß wie der Bodensee gerodet. Und all das, um die Aluminiumindustrie voranzutreiben.

Dass solche Themen in der Himmelfahrtspredigt angesprochen werden, liegt vielen Besuchern am Herzen. So auch Arne Palmer (27): „Ich finde die Location richtig innovativ. Und es geht immer um wichtige Themen wie den Umweltschutz, das finde ich sehr wichtig.“

Open-air-Gottesdienst im Botanischen Garten

Großer Andrang beim traditionellen Freiluft-Gottesdienst der evangelischen Universitätsgemeinde im Botanischen Garten der Ruhr-Universität: Mehr als 160 Besucher strömten bei bestem Wetter zu den Info-Pavillons, um dem von Pfarrer Michael Wuschka und Pfarrerin Adelheid Neserke gestalteten Gottesdienst beizuwohnen.

„Das war der beste Freiluft-Gottesdienst, den wir seit langem hatten“, schwärmt Presbyter Hans-Peter Zoller. „Es kamen so viele Besucher wie noch nie, einige mussten sogar stehen, weil alle Sitzplätze besetzt waren.“ Während Wuschka die Predigt für die Erwachsenen hielt, gab es auf einer Freifläche außer Hörweite einen speziellen Gottesdienst für die anwesenden Kinder von Pfarrerin Neserke, die seit Februar Teil der Gemeinde Querenburg ist.

Presbyter Zoller, der bislang unter anderem die Gemeindebriefredaktion und die Webseite der Gemeinde betreute und vor kurzem 75 Jahre alt geworden ist, wurde an diesem Tag in den Ruhestand verabschiedet. Er will aber weiterhin in der Gemeinde aktiv sein. „Und jetzt muss ja auch erst jemand gefunden werden, der meine Aufgaben übernimmt“, so Zoller.