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Es begann mit Schiffen und Farben

26.10.2012 | 18:00 Uhr
Es begann mit Schiffen und Farben
Mit Tobias Jesberger begann 1992 die Arbeit des Fördervereins Kunst Behinderter Bochum (ku.bo). Der 43-jährige erklärt hier sein Bild „Sonnenuntergang“ von 1994.Foto: Herrmann

Wiemelhausen. „Wir fuhren im Sommer 1986 mit der Fähre nach Ameland in die Ferien, als wir das künstlerische Talent von unserem Sohn Tobias entdeckten“, erinnert sich Hedwig Jessberger. Für die Eltern war klar: Das fördern wir!

Der verstorbene Prof. Dr. Hans-Ludwig Jessberger und seine Frau unterstützten deshalb nicht nur ihr fünftes Kind beim Malen, das darüber eine Sprache fand, sich auszudrücken. Sie gründeten auch 1992 den Förderverein Kunst Behinderter Bochum (ku.bo), der nun sein 20. Jubiläum feiert. Die Vernissage der Geburtstagsausstellung von 21 geistig beeinträchtigten Künstlern aus Bochum findet am Sonntag bei Verdi, (Universitätsstraße 76) statt.

Tobias kam nämlich 1969 mit Down Syndrom auf die Welt. Seine geistigen Einschränkungen lassen ihn bis heute kein „normales“ Leben führen. Beim Malen wuchs er jedoch immer wieder über sich hinaus. „Als er ein Kind war, war kein Stift vor ihm sicher“, blickt die 81-jährige Mutter zurück.

Seit jener Schifffahrt wurde vieles anders. Tobias malt seitdem Sonnenuntergänge, Schiffe und Meer und nahm vor allem die damalige Farbigkeit für sich mit. „Rot, gelb, blau, violett liebe ich“, erklärt er selbst; bevor er zu den weiteren Ausführungen seiner Mutter wieder zur Mundharmonika greift. Heute erobert auch ein kräftiges grün seine Leinwände, wie der Blick auf seine Bilder zeigt.

Die Eltern begannen, das Malen ihres Sohnes zu fördern. Zunächst besorgten sie Farben und Leinwände und regten seine Fantasie an. „Ich habe ihm oft Geschichten und Märchen vorgelesen“, erklärt Jessberger. So entstanden zum Beispiel Bilder zur Schildkröte Cassiopeia in Michael Endes „Momo“ sowie zum Märchen Dornröschen.

Mit der Gründung des Fördervereins verfolgten die Eltern zunächst das Ziel, Sammelkunstausstellungen von Behinderten zu fördern. „Wir kamen dadurch in Kontakt mit vielen Einrichtungen im deutschsprachigen Raum, die Kunst mit Behinderten machen“, so Jessberger.

Die erste Ausstellung von ku.bo fand 1992 in der Musikschule Bochum (Westring) unter dem Motto „Unsere Bilder I“ statt. 1993 stellten sich an demselben Ort Künstler aus Wohnstätten der „Lebenshilfe“ vor. Weitere Ausstellungen in den nächsten Jahren folgten dort.

„Ab 1994 entstanden Wanderausstellungen“, so ku.bo-Vorsitzender Ralf Schulze. Zu Gast waren die Künstler u.a. bei der Exposicao Europeia Lissabon, (Portugal 1994) sowie bei der Documenta 11 (Kassel 2002). Häufiger Gastgeber wurde das Museum de Stadshof Zwolle, Niederlande.

Eine Zäsur bildete das Jahr 2002. Der Verein konzentrierte sich darauf, die behinderten Künstler vor Ort zu fördern. Die Bochumer Künstler Barbara Tewes und Dirk Wenke riefen zwei Malgruppen ins Leben. Viele Werke der Jubiläumsausstellung entstanden dort.

Wicho Herrmann


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