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Schützenvogel-Bauer

Der Vogel steht zum Abschuss bereit

16.08.2012 | 08:00 Uhr
Der Vogel steht zum Abschuss bereit
Karl-Heinz Witthüser, Vorsitzender des Bataillons des BSV Stiepel, baut den Vogel für das Schützenfest Anfang September.

Stiepel. „Es tut mir immer ein bisschen leid, wenn auf den Vogel geschossen wird.“ So lautet das etwas wehmütige Resümee von Karl-Heinz Witthüser, als er seinen neuen Holzvogel für das kommende Schützenfest in Stiepel zeigt. Über 130 Stunden hat er daran gewerkelt.

Seit dem Jahr 1991 stellt Witthüser die Vögel in seiner Heimwerkstatt her. Er ist dafür gut ausgerüstet, sogar eine Bandsäge zählt zu seinen Werkzeugen. „Immerhin wollte ich mal Schreiner werden“, meint er.

Während der wochenlangen Feinarbeit an dem Werkstück entwickelt er auch emotional eine Beziehung dazu. So gibt er traditionell jedem Vogel einen Namen. Bei dieser Zeremonie ist er mit dem Vogel ganz allein im Keller und teilt sich mit ihm einen Schnaps. „Der erste Vogel 1991 hieß Milano nach der Kompanie Mailand“, erinnert er sich. Wie sein Vogel in diesem Jahr heißt, ist noch nicht ganz klar: „Die Taufe steht noch bevor.“

Mit Reichsapfel, Zepter, Krone, linkem und rechtem Flügel, Hals und Stoß sind sieben Trophäen an den Rumpf gezapft. Die Zapfen müssen aus astreinem Kiefernholz hergestellt sein. Da das Bataillon Stiepel aus sieben Kompanien besteht, können sich die Kompanien in einem rollierenden System in 21 Jahren einen ganzen Vogel zusammen schießen.

Weil nur auf die gekennzeichneten Zapfen geschossen werden darf, bleibt die Trophäe meist unversehrt. Ein Fehlverhalten des Schützen kann teuer werden, wenn er absichtlich oder fahrlässig die Trophäe trifft. Die Buße besteht aus einem 30- oder 50-Liter Fass Bier.

Zum ersten Mal wird am 8. September auf der Vereinsanlage an der ehemaligen Ziegendeckstation an der Kosterstraße auf den Vogel geschossen. Die Sicherheitsbestimmungen für die Schießanlage mit Kugelfang sind streng und erforderten eine aufwändige Vorbereitung und Abnahme durch Ordnungsamt und Polizei. Alles ist nun bereit, den Vogel mit 165 Zentimeter Flügelspannweite in dem zwei mal zwei Meter großen Kugelfang zu befestigen. Früher durften die Vögel sogar eine Spannweite von 190 Zentimeter haben. Doch jetzt gelten neue Sicherheitsbestimmungen.

Schützenfest beginnt mit feierlichem Zapfenstreich am 7. September

Wenn beim Vogelschießen die drei Ehrenscheiben und sieben Trophäen abgeschossen sind, wird der Rumpf des Vogels neu befestigt, damit der Schießzapfen in einem richtigen Winkel zur Schusslinie steht. Auf den Vogelrumpf dürfen die Schützen aller Kompanien schießen, so dass nicht vorher schon feststeht, welcher Kompanie die Königswürde zufällt. Vor drei Jahren brauchten die Schützen 60 Schuss, um den Rumpf herunterzuholen. Diese Prozedur hat auch schon sehr viel länger gedauert.

Das Schützenfest beginnt mit der Totenehrung und dem feierlichen Zapfenstreich am Freitag, 7. September, 20 Uhr, am Ehrenmal am alten Amtshaus, Kemnader Straße 200. Das Festzelt steht wie immer bei Gathmann an der Haarstraße. Dorthin ziehen die Schützen und Gäste nach dem Zapfenstreich, um den Abend mit Musik der Band „Cop-Connection“ ausklingen zu lassen.

Am Samstag, 8. September, 10.15 Uhr, beginnt der Abmarsch am Zelt zum Vogelschießen an der Vereinsanlage. Das Schießen beginnt um 11 Uhr. Die Erbsensuppe der freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Stiepel, ist für 12 Uhr bestellt. Vom Parkplatz der Gräfin-Imma-Schule fährt ein Shuttlebus direkt zum Vereinsheim.

Klaus Thormählen


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