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Porträt

Der Menschensorger

05.06.2013 | 19:22 Uhr
Der Menschensorger
Die Hustadt ist die neue Heimat von Pater Winfried Pauly (50).Foto: INGO OTTO

Hustadt.   Als eine Art kirchlicher Streetworker kümmert sich Pater Winfried Pauly seit wenigen Wochen um die Menschen aller Konfessionen in der Hustadt

Wenn Pater Winfried Pauly auf den Brunnenplatz tritt, dann bleibt er nicht lang allein. Kaum hat sich der 50-jährige Seelsorger der Redemptoristen auf eine Bank gesetzt und seine Jutetasche voller kleiner Geschicklichkeitsspiele ausgepackt, kurven schon die ersten Kinder auf Fahrrädern und Skateboards um ihn herum. Keine zehn Minuten später ist er regelrecht umlagert. „Pater Winfried ist da!“, freut sich Amin (6) und beginnt, mit einem Diabolo zu jonglieren.

Seine Eltern, erzählt der Junge, hätten den neuen Pater schon zu sich nach Hause eingeladen. Winfried Pauly schmunzelt: „Am Anfang haben sie alle etwas misstrauisch geschaut, als plötzlich ein grauhaariger Mann hier auf dem Brunnenplatz saß und mit den Kindern spielen wollte. Aber nach zwei Tagen klopften sie mir schon auf die Schulter.“

Anfang Mai hat Pater Winfried Pauly seine neue Tätigkeit in der Hustadt aufgenommen. Er ist weniger Pfarrer, sondern mehr „Streetworker“. Das Wort „Seelsorger“ mag er nicht, weil es missverständlich klingt. „Ich verstehe mich eher als Menschensorger“, sagt er. „Ich gehe auf die Menschen zu und erwarte nicht, dass sie zu mir kommen.“

Und worauf er besonderen Wert legt: Er stellt sich nicht ausschließlich in den Dienst der katholischen Gemeinde. Als Vertreter des Redemptoristenordens möchte er all seinen Nachbarn, ganz gleich welcher Glaubensgemeinschaft sie angehören, als Begleiter zur Seite stehen. „Schauen Sie sich hier auf dem Brunnenplatz um“, meint er und zeigt auf den neuen Spielplatz. „Da sehen Sie Menschen aus 15 oder 20 Nationen. Für sie möchte ich da sein.“

Sorgen, Ängste, Hoffnungen

Daher ist Pauly auch nicht – wie zunächst gedacht – der Nachfolger von Pastor Grafe in St. Paulus, auch wenn sich mancher aus der Gemeinde dies sicher wünschen würde. „Sicher kann ich verstehen, dass da mancher enttäuscht ist“, sagt Pater Pauly. „Und natürlich werde ich im Rahmen meiner Möglichkeiten die Gemeinde unterstützen und auch Gottesdienste leiten.“

Seine Hauptaufgabe aber sieht er im Umgang mit allen Menschen in der Hustadt – besonders den Bedürftigen. „Ihre Sorgen und Hoffnungen, Ängste und Freuden möchte ich kennen lernen. Vor ihnen habe ich Hochachtung, weil sie gelernt haben, mit der multikulturellen Situation hier zu leben. Das ist nicht immer leicht.“

Pater Winfried sieht sich als Lernender – und als Reisender, den es von Zeit zu Zeit an unterschiedliche Orte zieht. Er war neun Jahre lang in einer Plattenbausiedlung in der Stadt Brandenburg aktiv, danach zehn Jahre bei einem „Street Work“-Projekt in Wulfen-Barkenberg nahe Dorsten. Dort schwärmen sie von ihrem „Winnie“ noch heute (siehe Info-Kasten). Ein Jahr lang widmete er sich Obdachlosen in London und lebte zuletzt in den Niederlanden.

Blick aus dem 7. Stock

Am Brunnenplatz hat er bereits eine Wohnung bezogen: im 7. Stock mit Blick auf den Spielplatz. „Seit gestern habe ich auch einen Kühlschrank“, sagt er lächelnd. Aus dem Fenster seiner Wohnung hat er die Menschen im Blick, um die er sich im Sinne eines „Menschensorgers“ kümmern möchte. „Das Image der Hustadt ist nicht das beste“, sagt er. „Dabei gibt es eine Reihe toller sozialer Einrichtungen, mit denen ich zusammen arbeiten möchte.“ Auch die Einrichtung eines regelmäßigen Gebetskreises, an dem Menschen aller Konfessionen teilnehmen können, kann er sich vorstellen.

Die ersten Wochen stimmen Pauly sehr zufrieden. Auch der 12-jährige Halil, der gerade Paulys Jonglagebälle in die Höhe wirft, hat in dem unkonventionellen Geistlichen bereits einen Freund gefunden: „Pater Winfried ist cool!“

Sven Westernströer

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2013-06-05 19:22
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