Den Alltag im Flüchtlingsheim vergessen

Stopptanzen
Stopptanzen
Foto: Wicho Herrmann
Was wir bereits wissen
Spieltag im Jugendhaus in Wiemelhausen für Kinder verschiedener Nationalitäten aus der Unterkunft Wohlfahrtstraße .

Wiemelhausen. „Mein sechsjähriger Sohn Emanuel hat hier viel Freude“, erklärt Abigail aus Nigeria auf Englisch. Tochter Vivian (etwa ein Jahr alt) bleibt lieber bei der Mutter und schaut gemeinsam mit ihr dem bunten Treiben im Evangelischen Jugendhaus Wiemelhausen (EJuWie) zu.

Gut 30 Kinder und Jugendliche aus dem Flüchtlingsheim „Wohlfahrtstraße“ tanzen da im Saal eine Polonaise, gefolgt von einem Stopptanz. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Hause sowie Konfirmandinnen aus der evangelischen Gemeinde machen mit. Alle folgen gespannt den Anweisungen von Musikerin Soyeon Park, Mitarbeiterin der Musikschule Bochum. Einige Eltern wie die junge Afrikanerin Abigail (Mitte 20) sehen zu.

„Das ist cool“

„Wir haben hier Kinder und Erwachsene aus dem Übergangswohnheim zum Spieltag zu Gast“, berichtet Jugendhausleiterin Timmy Timmreck. „Wir können ihnen damit Abwechslung zu ihrem Alltag in der Wohnanlage und Spaß bieten“, so die Sozial- und Theaterpädagogin weiter. Wie gut das klappt, zeigen Erduhan, Milan und Trace (alle 12 Jahre) aus Serbien und Mazedonien: Sie sind begeistert bei der Tanzaktion dabei. Schon vorher ließen sie sich gerne bunt schminken. „Das ist cool“, betonen sie auf Deutsch.

Nergjivane (16) aus dem Kosovo – geschminkt als Schmetterling und verkleidet – findet das auch. „Es ist schön hier“, sagt sie zur Atmosphäre und stellt sich für ein Erinnerungsfoto neben den Ev. Gemeindepfarrer Martin Röttger. Später wird sie bei der „Modenschau“ mitmachen, wo die verrücktesten Verkleidungen gefeiert werden.

Röttger arbeitet in der Koordinierungsgruppe für die Flüchtlingsarbeit an der Wohlfahrtstraße mit. „Vor etwa einem Jahr organisierten wir in Melanchthon (Königsallee) den ersten Spieltag gemeinsam mit der Gemeinde St. Johannes“, erinnert er sich. Im Oktober fand der nächste im Jugendhaus Wiemelhausen statt. „Beide stießen auf großen Zuspruch bei den Flüchtlingen“, so der Pfarrer, der immer dabei war.

Die Flüchtlinge kamen nicht allein zum Jugendhaus. Schokofeh Lippe, Mitarbeiterin der Ambulanten Jugendhilfezentrum Süd (AJS), holte sie zuvor an der Anlage ab. „Ich betreue die Kinder und Jugendlichen im Alter von 4 bis 19 Jahre zwei bis drei Mal pro Woche“, erklärt die Sozialpädagogin und gebürtige Iranerin. Das heißt unter anderem: Hausaufgabenhilfe, Begleiten zwischen Schule und Eltern sowie amtliche Schreiben übersetzen und erklären.

Die Spielaktionen münden derweil in einem gemeinsamen Mittagessen. Jugendhausleiterin Timmreck zieht zufrieden Bilanz. „Ich freue mich sehr darüber, wie gut der Spieltag ankommt“, erklärt die 52-Jährige.