Dahlhauser Senioren haben keine Angst vor wilden Tieren

Eleonore Otto (li.) und Margot Altmeyer lassen sich von Nicole Uhrmeister (Tierpark) eine Natter zeigen.
Eleonore Otto (li.) und Margot Altmeyer lassen sich von Nicole Uhrmeister (Tierpark) eine Natter zeigen.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Rosalie-Adler-Zentrum in Dahlhausen bekommt Besuch vom Bochumer Zoo – mit Schlange und Insekten. Bewohner hören, sehen und fühlen, wer zu Gast ist.

Dahlhausen..  Eine Schlange anfassen? Undenkbar, wären sich viele der Teilnehmer noch in jüngeren Jahren sicher gewesen. Aus Angst, oder einfach, weil sich die Frage erst gar nicht stellt. Woher nehmen, das Tier? Doch nun sitzen die Senioren zusammen in der Runde und haben die Wahl: Berühren oder nicht?

Die meisten von ihnen packen zu. Zart, behutsam, ist ja schließlich keine Tigerpython auf dem Arm von Nicole Uhrmeister, sondern eine kleine Albino-Natter, die sie mitgebracht hat in die fünfte Etage des Rosalie-Adler-Zentrums in Dahlhausen. Seit gut einem Jahr ist der Bochumer Tierpark regelmäßig unterwegs in Hattingen, Herne und den Stadtteilen, bringt tierische Gäste mit in die Senioreneinrichtungen – egal, ob in der Tagespflege oder dauerhaften Betreuungen.

„Für Senioren ist es gerade im Winter schwierig, den Tierpark zu besuchen. Sei es wetterbedingt, oder aufgrund von logistischen Problemen, weil sie vielleicht im Rollstuhl sitzen. So bringen wir die Tiere zu ihnen“, schildert Tierpark-Mitarbeiterin Judith Becker.

Kein Stress für beide Seiten

Dabei gelte es natürlich, beide Seiten zu berücksichtigen. Sprich: Weder für Mensch noch Tier darf Stress aufkommen. Daher ist es derzeit neben der Natter noch eine Stabschrecke, die durch Bochum und Umgebung tourt. „Die verhält sich ruhig“, sagt Becker, und passe daher perfekt ins Konzept. Auch, um über das Thema Insekten zu sprechen. Bienen würden dagegen zwar Gesprächsstoff bieten, wären aber eher unpraktisch, um sie ins Seniorenheim zu transportieren.

Nicht nur lebende Objekte zeigen Nicole Daschner und Nicole Uhrmeister in Dahlhausen. Alle Sinne sollen angesprochen werden, so steht auch das Tasten, also das Greifen, neben dem Begreifen im Vordergrund. „Was könnte das sein?“, fragen die Tierpark-Mitarbeiterinnen und geben zunächst Wilhelm Müller die „Probe“ in die Hand. Er weiß es nicht, und auch die anderen Senioren kommen nicht sofort darauf. „Eine Schlange?“ „Nein.“ „Ein Fisch?“ Die Gedanken nähern sich. Doch nicht nur die Haut, gleich ein ganzes Hai-Präparat steht nun auf dem Tisch in der Mitte. Und das nächste Stück Test-Tierfell kann Helga Schünemann sogar direkt zuordnen: „Ein Seehund. Ich hatte mal so eine Jacke“, erinnert sie sich lachend.

Die Senioren stellen auch Fragen – zur Tierwelt, und wie der Tierpark Bochum arbeitet. Die Mitarbeiterinnen erklären es an ihren Mitbringseln. „Das ist anschaulicher, als würde man es nachlesen. So kann ich mir alles viel besser merken“, findet Rosemarie Klages, die ihre Schwester im Rosalie-Adler-Zentrum besucht, die Aktion klasse.

Am Ende stößt sogar die Schlange auf Gegenliebe. „Die Neugier ist groß – und die Freude, so etwas mal hautnah zu erleben“, betont Judith Becker.