Bürgerinitiative Bahnhof Weitmar greift Verwaltung an

Noch ist es ein Erholungsgebiet: Die Bürgerinitiative um Jürgen Dassow und Bärbel Kube (v.l.) auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Weitmar.
Noch ist es ein Erholungsgebiet: Die Bürgerinitiative um Jürgen Dassow und Bärbel Kube (v.l.) auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Weitmar.
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / WAZ
Was wir bereits wissen
Initiative Bahnhof Weitmar reicht Dienstaufsichtsbeschwerde ein. Sie wirft der Verwaltung Untreue und Manipulation vor. Staatsanwaltschaft ermittelt.

Weitmar..  Die Bürgerinitiative Bahnhof Weitmar hält an ihrer Kritik an der Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs Weitmar fest. Mehr noch: Aktuell wurde eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Mitarbeiter des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht. Auch die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Bürgerinitiative erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verwaltung. Von Untreue, Manipulation und abfallrechtlicher Kriminalität ist die Rede. „Tut mir persönlich leid“, sagt Jürgen Dassow von der Initiative. „Schade, dass es so weit kommen musste, aber das muss jetzt mal gemacht werden.“ Er und seine Mitstreiter sehen grobe Verfahrensfehler in Verbindung mit dem Bebauungsplan 946 – der Essener Investor Adams plant zwischen An der Holtbrügge und Prinz-Regent-Straße 76 Wohneinheiten auf 3,6 Hektar Fläche. „Die Dokumente, die jetzt öffentlich ausliegen, sind nicht vollständig“, so Dassow. „Damit lassen wir uns nicht einfach abspeisen. Es muss alles ordnungsgemäß ablaufen.“

Deshalb nun die Dienstaufsichtsbeschwerde. Die Bürgerinitiative wirft darin der Stadt vor, vorsätzlich gelogen zu haben, „um die Entscheidung zum Verkauf der Grundstücke zum Dumpingpreis zu manipulieren und dadurch den Investor zu fördern“. Als Lüge bezeichnen die Bebauungsgegner die Behauptung, dass bei Abgrabungen für Anwohner keine außergewöhnlichen Erschütterungen zu erwarten seien. Zudem wird kritisiert, dass die Stadt eine Untersuchung des Bodens auf Altlasten (Benzol) verweigere und zugleich zulasse, belastete Böden zum Geländeausgleich zu verwenden. „Auch ein Artenschutzgutachten liegt noch nicht vor“, bemängelt Jürgen Dassow, der versichert, all dies auch belegen zu können. „Unsere Unterlagen werden wir der Bezirksregierung zur Verfügung stellen.“

So weit muss die Post gar nicht verschickt werden. Denn die Bezirksregierung hat die Dienstaufsichtsbeschwerde sogleich weitergeleitet – zurück nach Bochum, direkt an die Oberbürgermeisterin. „Es ist von ihr zu prüfen, ob die von der Bürgerinitiative erhobenen Vorwürfe begründet sind oder nicht“, erklärt Bezirksregierungs-Sprecher Christian Chmel-Menges die Zuständigkeit.

Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. „Das Verfahren wird strafrechtlich überprüft“, bestätigt Sprecher Christian Kuhnert, der aufgrund des komplexen Themas um ein wenig Geduld bittet: „Das kann schon 14 Tage dauern.“