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100 Jahre Fleischerei

Als Schinken dicht an dicht hingen

28.10.2012 | 16:38 Uhr
Als Schinken dicht an dicht hingen
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Fleischerei Haarmann im Kirchviertel in Bochum-Wiemelhausen betrachten Christa und Rolf Wiertz als Inhaber historische Fotos des Ladens.Foto: Olaf Ziegler

Wiemelhausen. Stolz zeigt er die Meisterbriefe seiner Vorgänger und Fotos aus vergangener Zeit. Metzgermeister Rolf Wiertz hat sie gesammelt und behütet sie wie einen Schatz. In diesem Jahr feiert sein Betrieb ein großes Jubiläum: 100 Jahre Fleischerei Haarmann.

Angefangen hatte alles nämlich 1912 mit Ewald Haarmann. An der Markstraße in Wiemelhausen gründete er die Metzgerei, doch noch im selben Jahr zog der Betrieb an den heutigen Standort an der Brenscheder Straße 46. „Danach wurde nur noch umgebaut und vergrößert“, erzählt Wiertz, der 1960 bei Ewalds Sohn Erwin in der Fleischerei Haarmann als Geselle begann.

Dort lernte er auch seine Frau Christa kennen, die bereits vier Jahre zuvor bei Haarmanns in die Lehre gegangen war. „1967 habe ich dann meine Meisterprüfung gemacht“, so Wiertz, der 1972 Teilhaber im Betrieb wurde. „Erwin wurde invalide, darum musste ein anderer Meister bei der Handwerkskammer mit eingetragen werden“, erinnert er sich. Fünf Jahre später, 1977, übernahm er dann zusammen mit seiner Frau Christa das Geschäft und baute sich später ein Eigenheim in den Hinterhof.

Heute arbeitet nur noch Tochter Christiane (42) in der Fleischerei. Das 70-jährige Metzger-Ehepaar zog sich nämlich 2008 aus Altersgründen aus dem Geschäft zurück. „Wir sind immer noch Inhaber“, erklärt Wiertz. „Emil Hofmann hat das Geschäft aber seit vier Jahren gepachtet. Wir haben jetzt nicht mehr so viel mit dem Betrieb zu tun.“ Das Jubiläum deshalb unter den Tisch fallen zu lassen, kam für Rolf Wiertz nicht in Frage: „Wir sind seit Jahrzehnten in Wiemelhausen ein Begriff. Wir haben viele Kunden, die sich mit uns über diesen runden Geburtstag freuen.“

Insgesamt 50 Jahre lang belieferte die Fleischerei Haarmann das Knappschaftskrankenhaus in Langendreer mit Gerichten. Heute hat der Betrieb noch zehn Mitarbeiter. Früher standen teilweise 25 Angestellte hinter der elf Meter langen Ladentheke.

Seine Blütezeit erlebte das Geschäft an der Brenscheder Straße in den 80er Jahren. „Da war der Laden immer proppenvoll“, erinnert sich Christa Wiertz. „Die Schinken hingen dicht an dicht an der Wand, die Auslage war immer gut gefüllt“, sagt sie. Mehr als 200 Teller gingen täglich beim Mittagstisch über den Tresen. „Damals waren wir was Besonderes. Heute verkaufen Fastfood-Restaurants Schnellgerichte an jeder Ecke“, weiß die 70-Jährige. „Die Zeiten sind eben anders“, ergänzt ihr Mann.

Und so seien auch Krippen und Weihnachtsbäume im Winter nicht mehr im Schaufenster zu finden, „sondern bunte Lichter und Plastiknikoläuse“.

„Und leider funktioniert abends die Ladenbeleuchtung nicht mehr.“ Gerade das bedauern Rolf und Christa Wiertz im Jubiläumsjahr besonders.

Nadia Al-Massalmeh


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