100 Jahre - Schicht um Schicht
27.03.2008 | 16:06 Uhr 2008-03-27T16:06:38+0100Restaurator Wolfgang Nonnenmacher beseitigt die "Sünden der Vergangenheit" an den dringend sanierungsbedürftigen Portalen der Petri-Kirche. Pilzbefall und Rost setzten ihnen zu
Wiemelhausen. Als vor vier Jahren die Petrigemeinde den 100. Geburtstag ihrer Kirche feierte, wurde diese für die Feierlichkeiten richtig herausgeputzt. Die Orgel aus der Nachkriegszeit wurde bereits im Jahr 2000 durch ein neues Instrument ersetzt, saniert wird das evangelische Gotteshaus bereits seit 1989, zwei Jahre bevor es unter Denkmalschutz gestellt wurde. Morsch und wenig hübsch anzusehen waren dagegen die vier Portale der Kirche, die dringend auf Vordermann gebracht werden mussten. Seit Januar restauriert die Tischlerei "Holz und Form" an der Wohlfahrtstraße die Türen. Finanziert werden soll das Projekt durch Spendengelder.
Wolfgang Nonnenmacher, Inhaber des Fachbetriebes für Denkmalpflege, will seine "Schätzchen" aus der Zeit um 1900 restaurieren. Das Hauptportal ist allerdings jünger, es musste nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzt werden. Dabei soll die Substanz der historischen Kirchentüren so weit es eben geht erhalten bleiben. Je mehr vom Original hinterher wieder die Petrikirche schmückt, desto besser.
Als geprüfter Restaurator verfügt der 54-Jährige über das nötige Know-how und Equipment in seiner Tischlerei, um die alten Materialien bestmöglich zu konservieren. Zunächst waren die beiden Seitenportale dran, der Sakristeizugang und das Hauptportal folgen postwendend. Ihre Pflege wurde in der Vergangenheit versäumt. Nur einmal erhielten die Portale nach dem Krieg einen frischen Anstrich und der muss wohl ziemlich stümperhaft gewesen sein, wie Nonnenmachers Untersuchungen ergaben.
Die geschmiedeten dreiarmigen Eisenbeschläge mit Zierblumen und -nägeln seien mit einer Lackschicht überzogen worden, erklärt der Restaurator. Darunter befand sich schon Rost, dessen weitere Bildung durch den neuen Lack nur noch beschleunigt worden sei. "Es sieht so aus, als hätten sich die Anstreicher damals gedacht, wir pinseln einfach drüber und das genügt", sagt Nonnenmacher, "aber so geht das nicht." Durch ein Reduktionsbad gelang es den Restauratoren, die einzelnen Teile wieder zu "entrosten". 16 der 18 Abdeckungen konnten vollständig wieder zurückverwandelt werden.
Durch die Witterung und die Vernachlässigung in ihrer Pflege haben die Eichenholzportale erheblichen Schaden davongetragen. Die schweren Türen in Rahmenbauweise erschienen auf den ersten Blick völlig zerstört. Stark vom Pilz befallen, war für Nonnenmacher und seine Mitarbeiter zunächst nicht ersichtlich, wie viel von dem Original tatsächlich bewahrt werden konnte. "Wir stießen aber schon in fünf Milimetern Tiefe auf gesundes Material", sagt der gebürtige Schwabe, der seit 34 Jahren im Ruhrgebiet lebt. So konnte ein Großteil des hundert Jahre alten Holzes wieder gefestigt werden, nur kleine Einzelteile mussten ersetzt werden.

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