Studierende teilen sich Priesterseminar mit Flüchtlingen

Das ehemalige Priesterseminar an der Kollegstraße wird eine Erstunterkunft für Flüchtlinge.
Das ehemalige Priesterseminar an der Kollegstraße wird eine Erstunterkunft für Flüchtlinge.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Heute werden 140 Menschen, zumeist junge Familien, an der Kollegstraße 10 in Querenburg erwartet. Das Akafö stellt das Uni-Wohnheim zur Verfügung.

Bochum.. Erik Minte wohnt schon lange an der Kollegstraße 10 in Querenburg. Im Wintersemester 2011/2012 zog er dort ein. Da war es noch ein Priesterseminar des Bistums Essen. Seit 2013 ist es ein Studierendenwohnheim. Das Akademische Förderungswerk kaufte den Gebäudekomplex für 2,5 Millionen Euro, um damit Platz für die erwartete Studentenschwemme durch den doppelten Abiturjahrgang zu haben. Mit Minte sind es 25 Studierende, die inzwischen dort einen überaus ruhigen Platz gefunden haben. Das Wohnheim liegt ab vom Schuss, nahe des Kemnader Sees. „Von zwölf bis 17 Uhr und von 23 Uhr bis 7 Uhr morgens soll hier laut Hausordnung Ruhe herrschen“, sagt Minte. Er vermutet, dass es mit dieser Ruhe bald vorbei sein könnte. An diesem Wochenende werden Flüchtlinge in das Wohnheim einziehen. Bis zu 140 Menschen können es werden.

Minte will sich überraschen lassen, wie sich das Leben an der Kollegstraße 10 so entwickeln wird. Er sieht aber durchaus Probleme auf ihn und die anderen Studierenden zukommen. „Das fängt mit der Schließanlage an. Die ist alt, ist noch aus Zeiten des Priesterseminars und es stellt sich die Frage, wer nun alles einen Schlüssel bekommt und damit vielleicht Zugang zu Räumen, in denen er nichts verloren hat.“ Fraglich zudem, wie es mit der Nutzung der Waschmaschinen funktionieren soll. Die sind frei zugänglich, können aber nur mit einem gültigen Studentenausweis in Betrieb genommen werden.

Bezirksregierung übernimmt Betreuung der Flüchtlinge

Die Beantwortung auf diese Fragen kommen auf die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes zu, die am Samstag ab 7 Uhr damit beginnen werden, die Räume her- und einzurichten. Sie werden Betten und Schränke aufstellen und dann warten, dass Flüchtlinge kommen. 140 werden, können es sein. Ihre Herkunftsländer sind ebenso noch nicht klar.

Das entscheide sich immer erst recht kurzfristig, sagte dazu Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung, die komplett die Betreuung der Flüchtlinge übernehmen wird.

Das Akafö wird also nicht auch Betreiber für Flüchtlingsheime, sondern bleibt allein für die Studierenden zuständig. Akafö-Pressesprecher Peter van Dyk nahm am Freitag persönlich Kontakt zu den Mietern an der Kollegstraße 10 auf. „Wir haben Verständnis dafür, dass vielleicht nicht jeder dort wohnen bleiben möchte. Die Studierenden haben sich ja auch ganz bewusst für dieses Wohnheim entschieden, weil es etwas abgelegen liegt und sehr ruhig ist. Wir werden mit allen Gespräche führen und Lösungen anbieten. Wer möchte, kann umziehen.“ Minte wird bleiben.