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Studenten machen Theater mit Twitter und Touchscreen

01.11.2009 | 10:04 Uhr
Studenten machen Theater mit Twitter und Touchscreen

Bochum. Eine Gruppe von Studenten der Theaterwissenschaft an der Ruhr-Uni Bochum zeigt das Stück „Projekt: Mensch 2.0”. Es geht um den Menschen als Reformobjekt in einer durch und durch technisierten Welt. Die Darsteller sind ständig online, twittern und filmen.

Der Mensch ist Reformobjekt in einer durch und durch technisierten Welt. Die collagenhafte Inszenierung verbindet Textfragmente von Friedrich Nietzsche mit Auszügen aus der modernen Coaching-Literatur, lässt Bibel-Zitate mit menschlicher Maschinenhaftigkeit kollidieren und vermittelt darüber hinaus einen grotesken Humor.

Schauplatz der Inszenierung ist das Moderationslabor des Instituts für Arbeitswissenschaften an der Ruhr-Universität. Hier befindet sich der größte Touchscreen Europas. Das technische Superlativ dient als passende Kulisse für das Stück, das nicht zuletzt mit immer wieder geschickt untergebrachten Web 2.0-Zitaten glänzt: So beginnt die Inszenierung mit einem Youtube-Video der Anfangssequenz von Kubricks „2001 - A Space Odyssey". Die Filmmusik („Also sprach Zarathustra") ist hier gleichzeitig eine Referenz zu den Nietzsche-Texten, die das Publikum später zu hören bekommt. Zuschauer und Darsteller sind ständig online. Texte werden live über Twitter versendet, ein Schauspieler synchronisiert sein eigenes Internet-Video, Kameras halten das Geschehen im Raum fest und übertragen die Bilder live auf den gigantischen Touchscreen am Kopfende.

Der Mensch wird optimiert

Die Enge des Raums - nur 24 Zuschauer finden hier Platz - und seine technischen Möglichkeiten werden intensiv und eindrucksvoll ausgenutzt. Ein Teil des Ensembles befindet sich während der Inszenierung zumeist hinter einer Glaswand im Regieraum und greift von dort mit technischen Mitteln in das Stück ein. Mehr und mehr rückt der Fokus im weiteren Verlauf auf die Optimierung des Menschen in seiner technisierten Umwelt. „Funktionieren wie eine gut geölte Maschine - das ist meine Selbstverwirklichung", heißt es von einem der Schauspieler.

Friedrich Nietzsches Ausführungen über die menschliche Gesundheit wirken besonders grotesk, wenn sie bruchstückhaft mit Propagandastimme vorgetragen werden: „Keine Zwischenmahlzeiten, kein Kaffee! Kaffee verdüstert!"

Daneben stellt das Ensemble Originalzitate aus Motivations- und Coaching-Programmen. „Neurolinguistisches Programmieren" heißt eines dieser Konzepte. Es verspricht nicht weniger als umfassende Problemlösung in kürzester Zeit und wird vom Ensemble humorvoll karikiert. "Ich bin ein WOW-Projekt!", skandieren die Darsteller später, bevor sie letztendlich als Menschenhaufen ausgepumpt am Erdboden liegen - ein anrührendes Ende für eine überaus gelungene Inszenierung.

Weitere Termine: 8.,12. und 18. November und 3. Dezember, jeweils um 20 Uhr.

Hanno Jentzsch

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Kommentare
01.11.2009
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von Robert Petersen | #3

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01.01.2009
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von Robert Petersen | #2

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01.01.2009
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