Stromkunden heftig umworben
24.06.2008 | 19:35 Uhr 2008-06-24T19:35:06+0200Seit drei Wochen versucht das holländische Energieunternehmen Nuon in Bochum über ihre Agentur Qdrei in den Markt zu drängen. Die Stadtwerke sind alarmiert und planen ab 2009 eine Offensive
Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Die Agentur Qdrei, die mit Hilfe der städtischen Wirtschaftsförderung am ehemaligen Krupphochhaus an der Alleestraße Quartier nimmt und dort langfristig bis zu 2 400 Arbeitsplätze schaffen will, steuert die Werbeoffensive für das holländische Energieunternehmen Nuon ("lekker strom"). Erklärtes Ziel ist dabei, ausgerechnet den städtischen Stadtwerken Stromkunden abzujagen.
Nuon, so Qdrei-Geschäftsführer Mark Witt, habe in Deutschland schon viele Stromkunden gewonnen, auch in verschiedenen Städten des Ruhrgebiets. In Essen 1 100, in Bochum, wo die Kampagne seit 1. Juni läuft, seien es mehrere hundert.
Die Stadtwerke geben sich gelassen: Pressesprecher Thomas Schönberg: "Wegen ,lekker Strom' haben wir noch keine einzige Kündigung bekommen. Es gab nur einige Anfragen, was das ist."
Dabei mussten die Stadtwerke, die in Bochum 190 000 Haushalte mit Strom versorgen, schon einige Federn lassen. In den letzten zehn Jahren, von 1998 bis 2008, wechselten 3,5 Prozent ihrer Privatkunden und 7,5 Prozent der Gewerbekunden zu anderen Stromanbietern. Von denen, weiß Schönberg, gebe es in Bochum schon über vierzig.
Doch die Verluste der Stadtwerke Bochum nehmen sich angesichts der bundesweiten Entwicklung noch moderat aus: Dort liege die Zahl der Stromwechsler bereits bei über 15 Prozent.
Um wieder Marktanteile zu gewinnen, planen die Stadtwerke, ab 2009 Strom in verschiedenen Bundesländern zu verkaufen. Der erste Schritt: Absolventen der Bochumer Hochschulen können, wenn sie an ihre Heimatorte in Deutschland zurückkehren, "ihren Bochumer Stromvertrag mitnehmen", erläutert Schönberg. Anschließend werde man erst in NRW und dann in Norddeutschland gezielt Stromkunden werben. Hilfreich sei dabei, dass man dann Strom aus eigenen Kraftwerken anbieten und damit besonders konkurrenzfähige Preise anbieten könne.
Derweil ist Qdrei nicht untätig: Am Dienstag wollte sie in einer Telefonaktion Strom verschenken: ein Jahr lang für hundert Haushalte.

15:29
Die Stadtwerke sollten nicht Strom in andere Bundesländer verkaufen, sondern den Strom in Bochum günstiger in Rechnung stellen.