Streit schlichten ist für diese Bochumerin eine Berufung

Nadine Göbel ist seit Januar als Schiedsperson der Stadt ehrenamtlich aktiv.
Nadine Göbel ist seit Januar als Schiedsperson der Stadt ehrenamtlich aktiv.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nadine Göbel ist eine von 15 Schiedspersonen der Stadt. Einfühlungsvermögen und Verhandlungsgeschick nutzten ihr schon in der Schule.

Bochum.. Ein Streit unter Nachbarn ist schnell vom Zaun gebrochen. Da hängt ein Ast zu weit über den Zaun, stört Lärm, der Grill, ein falsch geparktes Auto. Ein Wort gibt das andere, die Fronten verhärten sich. Erst wird geredet, dann geschimpft, dann geschwiegen, bisweilen später vor Gericht gestritten. Oft aber könnte eine Schlichtung helfen. Ein Mann oder eine Frau, die die Parteien wieder an einen Tisch holt. Nadine Göbel ist so eine Frau, eine so genannte Schiedsfrau. Zur Zeit arbeiten in Bochum vier Frauen und elf Männer als Schiedsperson.

In der Beschreibung der Tätigkeit einer Schiedsperson heißt es dazu auf der städtischen Homepage: „Die Schiedspersonen üben ein Ehrenamt aus, sie sind Teil der Rechtspflege. Unparteilichkeit, Einfühlungsvermögen und Verhandlungsgeschick sind daher Voraussetzung für eine erfolgreiche Sühnetätigkeit.“

Regelmäßige Schulung über Nachbarschaftsrecht

Sie sind jeweils für bestimmte Bezirke zuständig. Göbel seit Januar für den, in dem Altenbochum liegt. Für die Fachwirtin, die im Presseamt der Stadt arbeitet, ist es die Fortsetzung einer Tätigkeit, die sie bereits während ihrer Schulzeit ausübte. „Da war ich schon Streitschlichterin.“ Und ja, sie sei ein Menschenfreund. „Das muss man schon sein. Und man muss dafür sorgen, dass die Gesprächsatmosphäre eine ruhige ist. Die Parteien wollen ihren Brass los werden. Da muss man sie reden lassen. Aber immer mit dem nötigen Respekt dem anderen Gegenüber.“

Ihr Credo: Ein Streit ist es immer wert, ausgetragen zu werden. Es sei halt wichtig, sich an bestimmte Regeln zu halten. „Zuhören und ausreden lassen ist oberstes Gebot. Wenn ich mich mit den Streitparteien treffe, schaue ich immer auf die Uhr, wie lange ein Mensch redet. Mindestens so lange darf der andere dann auch reden. Und ganz wichtig: die Menschen sollen miteinander reden.“ Übereinander geredet haben sie meist vorher genug.

Sie wollte schon immer in ihrer Freizeit ein Ehrenamt bekleiden. Die Ausschreibung der Stadt kam zur rechten Zeit. Sie war gerade nach Altenbochum gezogen. Sie bewarb sich, wurde vom Rat gewählt und erhielt dann zunächst eine Basisschulung. Nun trifft sie sich regelmäßig mit den anderen Schiedspersonen der Stadt. Sie wird regelmäßig weiter geschult, erfährt dabei viel über Nachbarschaftsrecht und Mietrecht. Denn darum geht es bei den „Schiedsfällen“ am häufigsten. Konkrete Fälle aber darf sie nicht benennen. Sie unterliegt einer Schweigepflicht. „Was man aber sagen kann: es sind wirklich viele Nachbarschaftsstreitigkeiten, Pflanzen im Garten, Bäume, Sträucher, Lärm, Grill.“