Streit bei Teutonia Ehrenfeld – Flüchtlingsprojekt gefährdet

Vor wenigen Wochen war VfL-Co-Trainer Thomas Reis beim Projekt zu Gast, jetzt droht es zu scheitern.
Vor wenigen Wochen war VfL-Co-Trainer Thomas Reis beim Projekt zu Gast, jetzt droht es zu scheitern.
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Was wir bereits wissen
Bei Teutonia Ehrenfeld III spielen Flüchtlinge Fußball. Nun soll der Trainer des Teams den Verein verlassen. Der Vorstand hat ihm gekündigt.

Bochum.. Knapp sechs Wochen ist es her, dass VfL-Co-Trainer Thomas Reis die dritte Mannschaft von Teutonia Ehrenfeld besucht hat: ein vermeintliches Vorzeigeprojekt der Integration. In dem dritten Team des Clubs, der sich direkt hinter den kargen Containern eines Flüchtlingsheimes befindet, spielen Asylbewerber verschiedenster Nationalitäten mit Deutschen zusammen. Nun gerät das Projekt ins Wanken.

Der Vorstand des Gesamtvereins und Trainer Gabor Horvath, der alles erst ins Rollen gebracht hat, sind sich nicht mehr grün. Auf beiden Seiten stehen Vorwürfe. Im Sommer soll Horvath gehen – was dann mit der Mannschaft passiert, ist unklar. Die Fronten sind verhärtet. Der Verein will den im Sommer auslaufenden Vertrag von Horvath nicht verlängern. Die Begründung: Der Trainer isoliere sich mit der Mannschaft vom Rest des Vereins. „Bei Feierlichkeiten, bei denen alle dabei waren, sind sie nicht erschienen. Mit anderen hat kein Austausch stattgefunden. Von Integration kann da nicht die Rede sein, die hat nur innerhalb der Mannschaft funktioniert“, sagt der Vorsitzende Ralf Dören und vermutet: „Vielleicht wurden da auch die Informationen nicht weitergeleitet.“

Horvath hält die Vorwürfe für aus der Luft gegriffen und wehrt sich. Bei der Weihnachtsfeier etwa sei keiner seiner Spieler erschienen, weil ein Großteil Moslems sei. „Die haben mit Weihnachten nichts am Hut. Außerdem wollen die Jungs hier Fußball spielen und nicht feiern. Sie hatten keine Lust. Aber niemand kann sagen, sie wären nicht integriert. Das ist Quatsch“, findet Horvath, dem zum Sommer die Mitgliedschaft gekündigt wurde. Nach zwölf Jahren. „Der Verein wollte uns loswerden, das hat er jetzt geschafft. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass sich manche auf die Füße getreten fühlen. Es gab hier schon Anfeindungen gegen uns“, sagt Horvath.

"Wir stehen für Integration und auch für dieses Projekt"

Bekam die dritte Mannschaft zu viel Aufmerksamkeit? Dagegen wehrt sich der Verein. „Wir stehen für Integration und auch für dieses Projekt. Wir haben eher das Gefühl, dass sich hier ein einzelner in den Vordergrund stellt. Herr Horvath war uns gegenüber nicht loyal, das ist kein Miteinander, sondern ein Gegeneinander und musste deswegen ein Ende finden.“ Beide Seiten beanspruchen die Spieler der aktuellen Mannschaft nun für sich. Damit die Flüchtlinge nicht zum Spielball werden, hat sich Simone Brand von den Piraten eingeschaltet. Sie hatte damals eine Spende über 4000 Euro organisiert.

Auch der Verbleib dieses Geldes, das beide Seiten für ihre Zwecke nutzen wollen, muss geklärt werden. „Natürlich haben wir die Sorge, was damit passiert“, sagt Brand. Gemeinsam mit der Ehrenfelderin Barbara Jessel, die für die Grünen im Rat sitzt, will sie beide Parteien an einen Tisch bringen. „Wir wollen als Mediatoren dienen.“ Während Horvath grundsätzlich bereit wäre zu sprechen, sieht Dören keinen Handlungsbedarf. „Ich wüsste nicht, was ein Gespräch bringen soll. Wir haben kein Vertrauen mehr. Wenn er die Jungs mitnehmen sollte, dann bauen wir eine neue Mannschaft auf. Das Projekt bleibt bestehen.“