Stichwahl in Bochum mit Eiskirch (SPD) und Franz (CDU)

Foto: André Duhme
Was wir bereits wissen
In Bochum fällt die Entscheidung über den kommenden Oberbürgermeister in einer Stichwahl. Beachtlich schnitt bei der OB-Wahl "Wölfi" Wendland ab.

Bochum.. SPD-Kandidat Thomas Eiskirch hat die Oberbürgermeister-Wahl in Bochum mit 38,50 Prozent gewonnen. Das entspricht 42.866 Stimmen. Wer Amtsinhaberin Ottilie Scholz als Stadtoberhaupt beerbt, entscheidet sich aber erst in einer Stichwahl am Sonntag, 27. September, zwischen Eiskirch und Klaus Franz (CDU), der auf 29,48 Prozent (32.823 Stimmen) kam.

Überraschend beachtlich schnitt der parteilose "Die Kassierer"-Frontmann Wolfgang Wendland ab: Der Punk-Sänger wurde mit 7,91 Prozent (8.803 Stimmen) Vierter, nachdem er im Laufe der Auszählung sogar lange auf dem dritten Platz gelegen hatte. Vor ihn schob sich noch Monika Engel (Grüne) mit 8,54 Prozent (9.504 Stimmen).

Die Ergebnisse der weiteren Kandidaten mit Parteibuch: Horst Hohmeier (Linke) 3,74 Prozent (4.159 Stimmen), Wolf-Dieter Liese (AfD) 3,07 Prozent (3.415 Stimmen), Jens Lücking (Freie Bürger) 2,76 Prozent (3.069 Stimmen) und Claus Cremer (NPD) 1,34 Prozent (1.490 Stimmen) und Günter Gleising (Soziale Liste) 0,77 Prozent (861 Stimmen),

Wahlbeteiligung fällt enttäuschend aus

Von den drei weiteren unabhängigen Bewerbern neben Wendland konnte Omid Pouryousefi, den FDP und Stadtgestalter unterstützten, mit 2,32 Prozent (2.582 Stimmen) noch das beste Ergebnis verbuchen. Abgeschlagen landeten der niedergelassene Mediziner Manfred Zarske mit 1,22 Prozent (1.355 Stimmen) und der Beamte im Ruhestand Franz-Josef Ermann mit 0,37 (417 Stimmen) Prozent auf dem drittletzten beziehungsweise dem letzten Platz.

Politik Dass die Wahlbeteiligung die im Vorfeld ohnehin niedrigen Erwartungen noch unterschritten hat, sorgte bei vielen Beteiligten für Enttäuschung. Dass das Ergebnis der letzten Kommunalwahl mit 49,5 Prozent deutlich verfehlt wurde, zeichnete sich bereits am frühen Nachmittag ab. Am Ende lag die Wahlbeteiligung bei gerade 38,22 Prozent. Das heißt: Nur 112.380 Bochumer haben von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht.

Kandidaten danken Wählerinnen und Wählern

Bei einer Pressekonferenz der Stadt im Rathaus noch während der laufenden Auszählung dankten alle Kandidaten ihren Wählerinnen und Wählern.

Bei der Wahl konnten rund 295.000 Bochumer über ihr neues Stadtoberhaupt entscheiden. In 249 Wahllokalen waren 2.500 Helfer im Einsatz, allein im Briefwahlzentrum im Neuen Gymnasium waren es rund 400. Für beide Urnengänge hatte die Stadt im Vorfeld Kosten in Höhe von rund 500.000 Euro veranschlagt.

Grüne wollen für Eiskirch werben - Wendland für niemanden

Thomas Eiskirch hat die OB-Wahl im ersten Durchgang für sich entschieden. Von einer Niederlage will sein Kontrahent Klaus Franz aber nichts wissen. „Ich bin zuversichtlich, dass bei der Stichwahl in zwei Wochen eine ganze Menge Wähler zu mir kommen werden“, sagte der CDU-Kandidat am Sonntagabend.

„Erwartbar“: So lautete der nahezu einhellige Kommentar, als Wahlleiter Michael Townsend kurz vor 19 Uhr das vorläufige Ergebnis bekannt gab. Eiskirch (44) hatte frühzeitig eingeräumt, dass eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang wenig realistisch sei. Mit den 38,5 Prozent sieht der SPD-Landtagsabgeordnete seine Vorgabe erreicht: „mit wahrnehmbarem Abstand als Erster durchs Ziel zu gehen“.

Auch Klaus Franz strahlte bei der Pressekonferenz in die Kameras. Zwar unterschritt er mit 29,5 Prozent knapp die selbst gesteckte 30-Prozent-Hürde. „Ich liege aber rund fünf Prozent über dem CDU-Resultat der letzten Kommunalwahl – und das trotz der Vielzahl der Bewerber“, zeigte sich der 62-Jährige „rundum zufrieden“.

Buhlen um Stimmen der anderen

Seinem SPD-Kontrahenten verspricht Franz bis zum 27. September einen „weiterhin fairen, aber intensiven“ Wahlkampf. Der Chefsessel im Rathaus sei für die Union durchaus in Sichtweite. „Bei den anderen Kandidaten ist viel Opposition unterwegs, auch aus dem linken Lager. Diese Stimmen werden kaum zur SPD gehen.“ Eiskirch reagierte gelassen: „Das Potenzial für weitere Kreuzchen ist bei mir deutlich höher als bei meinem Mitbewerber. Dafür werde ich werben.“

Auf die Unterstützung des SPD-Koalitionspartners im Stadtrat kann Eiskirch dabei zählen. Monika Engel, OB-Kandidatin der Grünen, machte am Sonntag „kein Geheimnis“ daraus, dass ihre Partei für den 27. September eine Wahlempfehlung für Thomas Eiskirch aussprechen werde. Ihr Ergebnis der OB-Persönlichkeitswahl (8,54 Prozent) findet Monika Engel „in Ordnung. Wir Grünen sind halt eine klassische Zweitstimmenpartei“.

Erst auf den letzten Auszähl-Metern hatte sich die Grüne gegen den parteilosen Wolfgang Wendland durchgesetzt, der lange Platz 3 behauptet hatte und mit 7,91 Prozent ein Ausrufezeichen setzte. „Das Ergebnis liegt um zwei Prozentpunkte höher als ich erwartet habe. Erstaunlich für ein Wahlkampfteam mit gerade mal zehn Leuten“, sagte der Sänger der „Kassierer“, dessen Bewerbung bundesweit Schlagzeilen gemacht hat. Der 52-jährige war der deutschlandweit wohl einzige OB-Aspirant, der auf der Bühne regelmäßig blank zieht.

Wird „Wölfi“ eine Wahlempfehlung für einen der beiden verbliebenen Kandidaten abgeben? „Darüber muss ich noch nachdenken“, sagte er am Sonntag im WAZ-Gespräch. Nach zehn Sekunden hatte er nachgedacht: „Nee, wahrscheinlich nicht. Genau deshalb wollte ich ja selber Oberbürgermeister werden.“

Nach 15 Minuten steht das Wahlergebnis im Stimmbezirk 1501 fest

Punkt 18 Uhr. Klappe zu. Im Wahllokal 1501 im Foyer der Musikschule am Westring in Bochum-Mitte. Die Eingangstür wird abgeschlossen. Nichts geht mehr. Fast bis zum Schluss hatten Wähler hier oder nebenan im Stimmbezirk 1208 ihre Stimme abgegeben. Am Ende ist die Wahlbeteiligung allerdings ziemlich ernüchternd. Oder „saumäßig“, wie 1501-Wahlvorsteher Karl-Heinz Meier schon kurz vor Urnenschluss befürchtet und auf 28, 29 Prozent getippt hatte. Letztlich waren es gerade einmal 19,7 Prozent.

Doch der Reihe nach:

Kaum hat Meier verkündet „Wir schließen die Wahlhandlung“, macht sich der siebenköpfige Wahlvorstand an die Reihe. Meier bricht das Siegel an der Urne; Christoph Stahl und Steffen Meier, die die erste Beisitzer-Schicht übernommen hatten und pünktlich zur Zählung wieder antraten, stülpen die viereckige Papptonne über zu einem Quadrat zusammengeschoben Tische um und lassen die Wahlzettel hinauspurzeln. 196 werden am Ende gezählt – plus drei Briefwahlergebnisse. Macht insgesamt 199, von denen wiederum drei ungültig sind. Dazu später mehr.

„Bei größeren Stimmbezirken lasse ich sonst erst alle Stimmzettel zählen“, sagt Wahlvorsteher Meier. Für den Pensionär ist die Oberbürgermeisterwahl längst nicht die erste hoheitliche Aufgabe dieser Art. Aber weil der Bezirk ebenso wie die Beteiligung eher klein ist, werden gleich „Haufen“ gebildet. Ein Eiskirch, ein Wendland, eine Engel. Am Ende sollte das Ergebnis von „Wölfi“ Wendland überraschen, der die zweitmeisten Stimmen erhält.

„Alle Haufen werden zweimal gezählt“, gibt Karl-Heinz Meier vor. Und ordnet zudem an, dass verschwisterte, verschwägerte oder sonst wie in besonderer Beziehung stehende Personen jeweils nicht die Kontrollzählung übernehmen sollten. Denn: Dieses Wahllokal ist Familiensache. Zwei Meiers, zwei Wagners und zwei Stahls. Nur der stellvertretende Wahlvorsteher Peter Frensch ist sozusagen solo.

Eines ist sicher. Die Mannschaft hat es drauf. Punkt 18.02 Uhr hat sie mit der Zählung begonnen, Punkt 18.15 Uhr war sie beendet, hatte Schriftführerin Claudia Wagner das Ergebnis aufs offizielle Papier gebracht. Und um Punkt 18.30 Uhr war die letzte Unterschrift in der Niederschrift gesetzt. Besondere Vorkommnisse: keine.

Ordnung muss sein. Gerade bei einer Wahl. Alles wird in separaten, vorbereiten Umschlägen eingetütet und erneut versiegelt: die gültigen Stimmen, die besonderen Vorkommnisse und die Beschlussverfahren. Schließlich klemmt sich Wahlvorsteher Meier alle Unterlagen unter den Arm und geht hinüber ins nahe gelegene Rathaus. Die telefonische Sofortmeldung ist bis dahin schon abgesetzt.

Vier Zweifelsfälle

Über vier Wahlzettel hatte das Gremium beraten müssen. „Allein entscheiden kann ich als Wahlvorsteher nur, wenn ein leerer Wahlzettel abgegeben wird“, erklärt Karl-Heinz Meier. Bei diesen vier Zweifelsfällen war es anders. Drei sind ungültig, weil ein großer Strich über alle Kandidaten oder drei Kreuze nun mal nicht zählen. Aber eine Markierung ist gültig, wodurch der NPD-Kandidat noch zu seiner zweiten Stimmen kommt.

Wendland auf Platz zwei

Auch in diesem Wahllokal ist das verschwindend wenig. Dass SPD-Kandidat Thomas Eiskirch mit 65 Stimmen vorne liegt, überrascht nicht. Eher schon, dass der unabhängige Kandidat „Wölfi“ Wendland mit 37 Stimmen auf Platz zwei liegt vor Monika Engel (Grüne; 31) und Klaus Franz (CDU; 28). In ganz Bochum ging es etwas anders aus. Und in zwei Wochen wird auch das Wahllokal 1501 noch einmal aufgeschlossen: zur Stichwahl. Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Ergebnisse der Kommunalwahl 2015: