Stern im Gerberviertel erinnert an Freimaurer

Grubenlampensammler Martin Zürn zeigt eine circa 110 Jahre alte Grubenlampe der Firma Wilhelm Seippel. Die Fabrik entstand 1859 auf dem Platz gegenüber der Propsteikirche.  Eine alte Mauer mit sechszackigem Stern ist stehengebleiben.
Grubenlampensammler Martin Zürn zeigt eine circa 110 Jahre alte Grubenlampe der Firma Wilhelm Seippel. Die Fabrik entstand 1859 auf dem Platz gegenüber der Propsteikirche. Eine alte Mauer mit sechszackigem Stern ist stehengebleiben.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Wilhelm Seippel gründete 1859 Grubenlampen-Fabrik gegenüber der Propsteikirche. Der Mülheimer Martin Zürn bringt jetzt Licht ins Dunkel der Firmengeschichte.

Bochum.. Ein Hexagramm ziert die alte Mauer. Der von den Nazis als „Judenstern“ missbrauchte Davidstern der jüdischen Gemeinde ist deutlich zu erkennen. Hellere Steine heben ihn hervor. Welche Geschichte dieses Relikt aus der Vorkriegszeit allerdings wirklich birgt, das fand jetzt der Mülheimer Martin Zürn heraus. Der 48-Jährige zeigt eine historische Abbildung des Gebäudes aus dem Jahr 1908, auf der über dem sechszackigen Stern ein Zirkel und ein rechter Winkel sichtbar sind: das Symbol der Freimaurer. Seit sieben Jahren beschäftigt sich der Diplom-Maschinenbauingenieur mit dem Bergbau im Ruhrgebiet und sammelt seither auch Grubenlampen. Zürn begann nachzudenken über die Herkunft der Lampen, auf denen sich vielfach der Firmenname „Wilhelm Seippel“ findet.

Monatelange Recherchen

In monatelangen Recherchen trug er die Informationen über eine der wichtigsten Produktionsstätten für Gruben-Sicherheitslampen zusammen. „Die älteste Grubenlampenfabrik Deutschlands“, wie es auf einem Firmenkatalog heißt, war in Bochum gegenüber der Propsteikirche ansässig. Über historische Stadtkarten des Amts für Geoinformationen, Liegenschaften und Kataster konnte er die Firmenadresse Altenmarkt 1-3 dort verorten, wo noch heute die besagte Hinterhofmauer Zeugnis gibt vom Firmensitz von 1901.

Die Geschichte der Firma beschreibt er jetzt in einer 85-seitigen Schrift, die er im November 2015 im Eigenverlag drucken ließ. „Sie dient der Information über die Grubenlampen und Fabriken. „Es wird soviel Unsinn darüber geschrieben. Die Informationen im Internet sind immer zu hinterfragen und meist fehlerhaft“, sagt Zürn über seine Beweggründe. Seine eigenen Ausführungen bezeichnet der Mülheimer als „robust“.

Seine Nachfrage bei der Bochumer Freimaurerloge „Zu den drei Rosenknospen“ ergab: Wilhelm Seippel war ein aktiver Freimaurer. „Er warb mit den Symbolen wohl für die Freimaurer“, vermutet Zürn. Arne Behrendt, Bochumer Patentanwalt und Mitglied der Bochumer Loge, bestätigt auf WAZ-Anfrage die Ausführung des Autors „In der Tat war Herr Seippel Mitglied und der sechseckige Stern ist ein uraltes Symbol, das auch von den Freimaurern verwendet wird. Es soll symbolisieren, dass Himmel und Erde zusammengehören. Eine Spitze des Dreiecks zeigt nach oben, die andere nach unten“, führt er aus. Dass Seippel dem jüdischen Glauben angehört haben könnte, schloss der 75-Jährige aus.

Für Sammler und Bergbauinteressierte

Wilhelm Seippel gründete seine Firma im Jahr 1858. Sie wurde 1919 zu einem Tochterunternehmen der Concordia Elektrizitäts AG in Düsseldorf, die 1931 nach Dortmund zog und ab 1962 als CEAG bekannt war. 1935 zog die Firma Wilhelm Seippel in die Langestraße (heute: Karl-Lange-Straße 53), so berichtet Zürn in seiner Schrift. Das letzte Firmengebäude ist bis heute erhalten.

„Ich würde überlegen, ob man es unter Denkmalschutz stellt“, meint der Autor. Außer der einmaligen Aufarbeitung der Firma Wilhelm Seippel in Bochum bietet Zürns Schrift Anhaltspunkte, woran Liebhaber echte Grubenlampen von zum Beispiel billig in Taiwan produzierten Fälschungen unterscheiden können. Für Sammler und Bergbauinteressierte dürfte Zürns Arbeit eine wahre Fundgrube sein.