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Starlight Express erwartet 13-millionsten Besucher

12.02.2010 | 18:47 Uhr
Starlight Express erwartet 13-millionsten Besucher

Bochum. Seit 22 Jahren rollt das Musical Starlight Express in Bochum. Anfang März wird der 13-millionste Besucher erwartet. Warum Starlight so erfolgreich ist, wo doch andernorts die Musicaltheater schließen? Das hat viele Gründe. Der vielleicht wichtigste: Die Kinder lieben es.

Stellen wir uns einmal folgende Szene vor: Familie Schottkowski aus Bönen-Altenbögge möchte endlich mal gemeinsam ein Musical besuchen. Aber welches? Die Auswahl ist ja groß. Papa ist „Queen”-Fan und würde gerne „We will rock you” in Stuttgart sehen. Mama hat eine romantische Ader; sie lockt „Die Schöne und das Biest” in Berlin. Und die Kinder? Sie wollen natürlich nach Bochum in den „Starlight Express”! Was glauben Sie, wer sich am Ende durchsetzen wird?

Ein erster Hinweis

Das fiktive Szenario begründet natürlich nicht den immensen Erfolg des Rollschuh-Musicals, es gibt aber einen ersten Hinweis darauf, warum sich St.Ex. auf den Schienen hält, während in anderen Musical-Theatern, wie jetzt wieder im Essener „Colosseum”, längst der letzte Vorhang gefallen ist. „Der entscheidende Punkt ist: Starlight ist generationenübergreifend”, sagt Marketing-Experte Matthias Glotz, Geschäftsführer von BO-Marketing. Die Zielgruppe bestehe nicht wie bei „Elisabeth” oder „Haarspray” nur aus Erwachsenen, sondern zu einem nicht geringen Teil aus Kindern und Jugendlichen – nachwachsender Fan-Nachwuchs, sozusagen, für Rusty, Pearl, Greaseball & Co. Tatsächlich hört man immer wieder, dass Menschen, die Starlight in ihrer Jugend gesehen haben, inzwischen mit ihren Kindern/Enkeln dort wieder zu Gast sind. Enkel? Ja, wirklich! Starlight rollt schon 22 Jahre. Eine kleine Ewigkeit.

Anno 1987 war's, als die ersten Gerüchte kursierten, dass Bochum demnächst Muscial-Stadt werden würde. Das klang damals so unglaublich, das es (fast) keiner ernst genommen hat. Aber die Stadtspitze mit OB Heinz Eikelbeck und Oberstadtdirektor Herbert Jahofer tat es. Unter deren Ägide platzierte der Produzent Friedrich („Fritz” the cat) Kurtz das aus England importierte Musical in Bochum, und nicht nur das: Die Stadt stellte dem Unternehmer sogar eine eigene Halle hin, in der die Züge rollten sollten.

Premiere war ein "Kracher"

Die Premiere am 12. Juni 1988 war sofort der „Kracher”. „1700 Zuschauer staunten ungläubig über die glitzernden Ungetüme, die auf Rollschuhen an ihnen vorbeisausten. Zug um Zug machte sich Begeisterung breit”, notierte die WAZ tags darauf. Gleichwohl war das quietschbunte Vergnügen auch umstritten. Als „Schrott auf Rädern” kanzelte Intendant Frank-Patrick Steckel vom Schauspielhaus das Lloyd-Webber-Opus ab. „Ernsthaft” an Kultur Interessierte machten vor 20 Jahren einen weiten Bogen um den „Express”. Gleichwohl hatte, ohne, dass das damals einer ahnte, mit diesem Musical das touristische Grundrauschen in Bochum eingesetzt. Wie ein Zug, der, einmal auf die Schiene gestellt, auf vorbestimmten Pfaden läuft, zog der Sternenlicht-Express davon. Und manch einer musste sich eingestehen, dass diese Weltmeisterschaft der rasenden Züge doch etwas anderes ist als eine Kaffeefahrt in die Belanglosigkeit. Vielmehr ein so packendes wie sinnliches Erlebnis.

Wichtigster Exportartikel

Heute kennt „Starlight Express” jeder; es ist Bochums wichtigster Exportartikel. „Das Musical hat den höchsten Bekanntheitsgrad. Die Kombination Starlight & Bochum ist eine Marke, die zieht”, sagt Matthias Glotz.

Harter Wettbewerb

Dennoch ist der Wettbewerb hart, und das Rezept, um am Markt überleben zu können, ist nicht immer einfach zu mixen – siehe „Colosseum” Essen, siehe „Musical-Meile Ruhr”, von der vor ein paar Jahren in den höchsten Tönen geschwärmt wurde. Genau genommen ist als dessen Fixpunkt nur der Starlight Express geblieben. Muscial-Guru Maik Klokow (Düsseldorf) weiß, warum: „Es ist ein so außergewöhnliches Musical, weil es auf Grund der Darstellungsform und des Rahmens (also des außergewöhnlichen Theaters) sowie der Handlung mit keinem anderen Musical vergleichbar ist.” Tatsächlich kann man/frau Starlight nur in Bochum und nur in diesem besonderen Theater so sehen, erleben, nachempfinden. Diese Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit macht diesen „Express” so erfolgreich.

Die Kinder von Familie Schottkowski haben das natürlich schon immer gewusst.

Jürgen Boebers-Süßmann

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