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Stahlindustrie fürchtet Nachteile durch Emissionshandel

26.01.2016 | 09:00 Uhr
Stahlindustrie fürchtet Nachteile durch Emissionshandel
Nur noch zu zwei Drittel ausgelastet ist das Thyssen-Krupp-Stahlwerk an der Essener Straße.Foto: Ingo Otto

Bochum.  Der Thyssen-Krupp-Betriebsrat, die IG Metall und der Stahl-Branchenverband warnen vor einer Kostensteigerung durch den Emissionshandel.

Nicht selten sitzen sie sich am Verhandlungstisch unversöhnlich gegenüber. In diesen Tagen aber passt zwischen Stahlunternehmen und der IG Metall kein einziges der modernen, millimeterdünnen Verbundstähle, wie sie etwa auf der Warmbreitbandstraße bei Thyssen-Krupp Steel Europe (TKSE) an der Essener Straße hergestellt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung wenden sich IGM und die Wirtschaftsvereinigung Stahl gegen eine „übermäßige Kostenbelastung der Stahlindustrie“ durch die „drohende Verschärfung des Emissionshandels“, wie es heißt

Umweltschutz dürfe nicht durch Deindustrialisierung erreicht werden

Die IG Metall Bochum hat derweil diese Woche zu einer Aktionswoche auserkoren, in der sie deutlich machen will, dass nicht Zertifikate für umweltschädlich produzierten Stahl verteuert, sondern Anreize für umweltschonendere Produktion geschaffen werden sollten. „Der Umweltschutz steht für die IG Metall weiterhin im Vordergrund, er darf aber nicht durch Deindustrialisierung erreicht werden“, heißt es dazu in einer Erklärung.“

Überhaupt ist es aus Sicht der Gewerkschaft höchste Zeit, „die Industrie wieder stärker in den Blickpunkt zu nehmen“, so die 1. Bevollmächtige Eva Kerkemeier. An der „Wiege der Wertschöpfung“ dürften nicht noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen.

Das aber drohe, so Gewerkschaft und TKSE-Betriebsrat, sollte die Stahlproduktion teurer werden. Gerade in Bochum. „Wir sehen mit großer Sorge auf unsere Arbeitsplätze“, sagt der hiesige TKSE-Betriebsratsvorsitzende Harald Pfennig.

Klimaschutz
Daran krankt der Handel mit Verschmutzungsrechten

Eine Tonne Kohlendioxid kostet derzeit so viel wie eine Pizza. Das ist schlecht. Denn der Emissionshandel könnte dem Klima helfen.

Als der 60-Jährige vor gut 40 Jahren zur Krupp Hüttenwerke AG kam, hatte der Konzern noch 22 000 Beschäftigte in der Stadt. Fünf Jahre später waren es noch 15 000 und heute sind es noch 2050 mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren. Weitere 640 Thyssen-Krupp-Stahlarbeiter gehören zum Werk an der Castroper Straße.

Mit reduzierter Arbeitszeit, der 31-Stunden-Woche, haben sie an der Essener Straße bis 2019 erst einmal den Erhalt von 220 gefährdeten Arbeitsplätzen gesichert. Die Herstellung moderner, wenn auch derzeit erst in geringen Stückzahlen produzierte Stähle vor allem für die Autoindustrie, stärken den Standort aus technischer Sicht, so Betriebsrats-Geschäftsführer Heinz Gerhardt. „Am Ende aber entscheiden wirtschaftliche Faktoren“, sagt Betriebsrats-Chef Harald Pfennig.

Hauptversammlung im Ruhrcongress

Und da hat Bochum, wo nach dem Aus des benachbarten Outokumpu -Werks und dem Fehlen von dessen Abnahmekapazität die monatliche Produktionsleistung um 100 000 Tonnen auf 220 000 Tonnen Stahl gesunken ist, schlechtere Karten etwa im Vergleich zum Standort Duisburg. Der hiesige Betriebsrats-Vorsitzende macht sich auch keine Illusionen darüber, dass sich jeder Standort im Zweifelsfall der nächste ist. „Wir leben nicht den Traum, dass Duisburger Betriebsräte uns retten. Wir müssen uns selbst helfen, sonst stehen wir auf verlorenem Posten“, so Pfennig.

Wenn am kommenden Freitag die Thyssen-Krupp-Aktionäre zur Hauptversammlung in den Ruhrcongress kommen, dann werden sie an der Essener und an der Castroper Straße also ganz genau hinhören, was der Vorstand zu sagen hat. „Konkrete Aussagen zum Standort Bochum erwarte ich eigentlich nicht“, sagt Harald Pfennig. Aber wer wie die Stahlarbeiter einen jahrelangen Anpassungsprozess hinter sich hat, der achtet vor allem auf die Zwischentöne.

Andreas Rorowski

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2016-01-26 09:00
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