Stadt will jungen Familien beim Hausbau in Bochum helfen

Im Baugebiet Dr.-Gilbert-Weg in Stiepel haben die Arbeiten 2014 begonnen.
Im Baugebiet Dr.-Gilbert-Weg in Stiepel haben die Arbeiten 2014 begonnen.
Foto: WAZ-FotoPool
Was wir bereits wissen
An sieben Orten in Bochum können Interessierte bauen. Für 20 weitere gibt es Pläne. Der Stillstand im privaten Wohnungsbau soll bald Geschichte sein.

Bochum.. Mit aktuell insgesamt 27 Bauprojekten will die Stadt nach jahrelanger Vorlaufzeit und vielen politischen Diskussionen endlich ihr so genanntes Wohnbaulandkonzept zu einem Erfolg werden lassen. Mit dem Projekt sollen vor allem Familien mit Kindern bei der schwierigen Suche nach geeignetem Bauland in Bochum unterstützt werden. „In Bezug auf Kinder und Einkommensgrößen sollen dabei ähnliche Kriterien gelten wie beim öffentlichen Wohnungsbau“, erläuterte Ernst Kratzsch gegenüber der WAZ die Modalitäten. „70 bis 120 Wohneinheiten pro Jahr“ wolle die Stadt mit diesem Konzept an den Markt bringen, sagte der im November 2014 ausgeschiedene Stadtbaurat.

Im Prinzip funktioniert das Wohnbaulandprojekt so: Mindestens 20 Prozent der angebotenen Flächen sollen zu einem Preis verkauft werden, der mindestens 20 Prozent unter dem jeweiligen Verkehrswert liegt. Das gilt nicht nur für städtische Grundstücke, sondern auch für private; die Investoren müssen sich dann dem Wohnbaulandkonzept unterwerfen und Abstriche beim Verkaufspreis machen.

Stolze Preise: 330 Euro pro Quadratmeter

„Das neue Wohnbaulandkonzept wird jetzt anlaufen“, sagt Stadtsprecher Oliver Trappe. „In diesem Jahr werden die ersten Berechtigten die vergünstigten Grundstücke erwerben können.“ Bisher hatte noch kein einziger Kaufinteressent die 20-Prozent-Vergünstigung in Anspruch nehmen können.

Während die meisten der aktuell 27 Wohnbaulandprojekte noch in der Planung sind, stehen sieben Neubauprojekte kurzfristig zur Verfügung oder sind bereits fertig vermarktet. Eines liegt am Dr.-Gilbert-Weg in Stiepel, zwischen Surken- und Kemnader Straße. Dort werden sowohl städtische als auch private Grundstücke zur Bebauung angeboten. Die Stadt hat die Verträge für bisher 13 ihrer insgesamt 19 Grundstücke größtenteils abgeschlossen. Die Preise sind sehr stolz: 330 Euro/Quadratmeter. Schon jetzt sind auf dem Bauplatz einige Rohbauten fertiggestellt.

65 Häuser entstehen am Dorneburger Mühlenbach

Das größte aktuelle Neubaugebiet liegt am Dorneburger Mühlenbach in Riemke. Insgesamt 65 Häuser sollen dort in sechs Bauabschnitten entstehen. Erst neun Einzelgrundstücke hat die Stadt verkauft, nachdem es erhebliche Verzögerungen bei der Baureifmachung gab. Zurzeit bietet die Stadt weitere Grundstücke an. Preis: 220 Euro pro Quadratmeter.

Die weiteren kurzfristig verfügbaren Wohnbaulandprojekte liegen an der Bockholtstraße in Harpen (16 Wohneinheiten), am Nörensbergskamp in Werne (22 Wohneinheiten), an der Everstalstraße in Langendreer (16 Wohneinheiten), an der Ovelackerstraße in Langendreer (29 Wohneinheiten) und an der Krockhausstraße in Stiepel (16 Wohneinheiten).

CDU kritisiert Konzept als „Bauverhinderungsinstrument“

Für die Bochumer CDU ist das Wohnbaulandkonzept der rot-grünen Koalition nichts anderes als ein „Bauverhinderungsinstrument“. Roland Mitschke wird bekanntlich nicht müde darauf hinzuweisen. Bestätigt sieht sich der Fraktionsvize durch eine Statistik, die die Stadt jetzt vorlegte. In den Jahren 2010 bis 2013 wurden demnach in Bochum nur 339 Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser erteilt, in Dortmund 2023 und in Gelsenkirchen 682.

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Bei Zweifamilienhäusern sieht es nicht besser aus. Dortmund erteilte 202 Baugenehmigungen, Bochum 44. Und auch mit Blick auf Wohnungen in großen Häusern schneidet Bochum (770) im Vergleich zu Dortmund (1941) schlecht ab.

Thema seit 2008

„Mit der politisch betriebenen Baulandverknappung befördert Bochum den Wegzug gerade von jungen Familien“, sagt Mitschke. Er erinnert an den Brief eines Bauträgers, der an der Bochumer Stadtgrenze auf Essener und Hattinger Gebiet 160 Häuser gebaut und davon 120 an Bochumer Familien verkauft hatte (WAZ berichtete). Mitschke: „Die Stadt verliert, indem sie kaum Bauland zur Verfügung stellt, Steuer- und Gebühreneinnahmen und auch Kaufkraft, von den Investitionen ganz abgesehen. Am Ende zahlen für unsere Infrastruktur vom Kanalnetz bis zum Theater immer weniger Bochumer immer mehr Geld.“

Das Wohnbaulandkonzept in Bochum hat eine lange Geschichte. 2008 verdonnerte die rot-grüne Koalition Grundstückseigentümer bei der Ausweisung von Neubaugebieten, 20 Prozent des Verkehrswertes ihrer Grundstücke in einen Baulandfonds einzuzahlen. Aus diesem Fonds sollte der Wohnungsbau für Familien mit Kindern, Singles und Senioren gefördert werden. Die Folge war ein Stillstand im Wohnungsbau. 2012 kassierte die Bezirksregierung den Beschluss. Rot-Grün modifizierte das Konzept, blieb aber dabei, Grundstückeigentümer zur Kasse zu bitten. Heute müssen diese 20 Prozent ihrer Grundstücke 20 Prozent unter Verkehrswert anbieten.