Stadt hält an Life Jugendhilfe fest

In der Kritik steht Gerhard Lichtenberger mit seiner Life Jugendhilfe.Foto:Ingo Otto
In der Kritik steht Gerhard Lichtenberger mit seiner Life Jugendhilfe.Foto:Ingo Otto
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Was wir bereits wissen
Die Firma von SPD-Ratsherr Lichtenberger ist einer von mehr als 20 Partnern, mit denen die Stadt Bochum zusammenarbeitet.

Bochum.. Unbeschadet der in einem Beitrag des ARD-Magazins Monitor erhobenen Vorwürfe gegen die Life Jugendhilfe GmbH im Zusammenhang mit einem „Dorstener Fall“ hält die Stadt Bochum an den Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen fest. Die laufende, von Life betreute Bochumer Maßnahme werde nicht abgebrochen, da es keine Erkenntnisse über Missstände gebe, so Sozialdezernentin Britta Anger im Rahmen einer Sonderssitzung des Ausschusses für Jugend und Familie.

Es handelt sich in dem betreffenden Fall um einen mittlerweile 18-jährigen jungen Mann, der seit bereits acht Jahren in Frankreich für Life von einem früheren Realschullehrer individualpädagogisch betreut wird und der nach Einschätzung von Uwe Lührs vom Sozialen Dienst Wattenscheid auch über das 21. Lebensjahr hinaus Hilfe benötigt.

Ein Verlust von 50.000 Euro

2005 war der Andreas K. genannte Jugendliche, ein in Kasachstan geborener russischer Staatsbürger, nach Bochum gekommen. Lührs schilderte den Teilnehmern der Ausschussitzung, die über die Gründe einer Betreuung im Ausland informiert wurden, eine erschütternde Lebensgeschichte des Andreas K., die geprägt war von Krankheit, Bindungslosigkeit, Gewalt und sexuellem Missbrauch. Er spricht von einer „verlorenen Kindheit“, an deren Ende durch die Maßnahme in Frankreich nun eine Perspektive stehe.

Fünf von derzeit 1063 im Auftrag der Stadt stationär untergebrachten Kinder werden von fünf unterschiedlichen Trägern im Ausland betreut – 2013 und 14 waren es je drei. Die Life Jugendhilfe gehört zu 60 Prozent dem Bochumer SPD-Ratsherr Gerhard Lichtenberger sowie zu je 20 Prozent seinen Töchtern Sarah Lichtenberger und Jennifer Krautscheid-Steffen. In 2013 erzielte sie laut Lichtenberger einen Verlust von 50.000 Euro. Sie ist eine von über 20 Anbietern von Maßnahmen zur Betreuung traumatisierter Kinder und Jugendlicher, mit denen die Stadt zusammen arbeitet.