Stadt des Wortes - hörbar
12.05.2008 | 18:58 Uhr 2008-05-12T18:58:37+0200Der mögliche literarische Schwerpunkt während der Kulturhauptstadt 2010 könnte auch vom "Tacheles!"-Programm des Bochumer Labels "Roof Music" profitieren. Von Shakespeare bis Sven Regener
Bochum als "Stadt des Wortes". Das könnte ein Leuchtzeichen während des Kulturhauptstadtjahres 2010 sein. Über diese Idee wird seit einigen Monaten ernsthaft gesprochen. Als während der letzten Kulturausschuss-Sitzung die "Vorschläge für die Bildung von Programmschwerpunkten" beraten wurden, stand "Stadt des Wortes" an erster Stelle in der Verwaltungsvorlage. Vor "Vielfalt der Kulturen" und "Kinder- und Jugendkultur".
Was Bochum als Stadt des Wortes prädestinieren würde, liegt auf der Hand. Nicht nur das berühmte Buch im Wappen bildet ein Indiz dafür. Mit dem Schauspielhaus, der Prinz Regent-Bühne und der Schauspielschule sind wichtige Institute in der Stadt zu finden, die sich mit dem gesprochenen Wort gefassen. Dazu kommen das Literaturfestival Macondo, die Edition "Wort und Bild", eine nicht ganz unwichtige Autorenszene und das geplante Literaturcafe? in der Synagoge. Und schließlich: "Tacheles!" bei Roof Music, ein Label, das sich seit langem um Literarisches auf dem Hörbuchsektor kümmert und damit gute Erfolge verbuchen konnte.
Roof Music im Medienhaus an der Prinz-Regent-Straße ist vor genau 30 Jahren im Mai 1978 gegründet worden. Die runde Zahl soll im August gebührend gefeiert werden. 1979 wird Herbert Grönemeyer Verlagskünstler mit seinen ersten Alben. Vor zehn Jahren - und das ist in diesem Zusammenhang wichtiger - wurde von Roof-Chef Bernd Kowalzick die Programmschiene "Tacheles!" ins Leben gerufen, ein Wort-Programm, in dem seitdem neben Kabarettistischem auch literarische Texte veröffentlicht werden.
So wird im neuen Programm der Abschlussband der Roman-Trilogie von Sven Regener genannt: "Der kleine Bruder". Die beiden anderen Teile "Herr Lehmann" (von Leander Haußmann verfilmt) und "Neue Vahr Süd" haben sich neben der Buchveröffentlichung, für die ein anderer Verlag verantwortlich zeichnete, auch in der Hörbuchversion bestens verkauft. Doch geht es Bernd Kowalzik nicht nur um hohe Auflagen. So wichtig diese bei einem kommerziellen Unternehmen auch sind.
Einen ganz besonderen Hörgenuss, der sicher nicht die ganz großen Stückzahlen erreicht, bilden die Shakespeare-Lesungen von Katharina Thalbach. Die sympathische Schauspielerin spricht dabei alle Rollen selbst. Vier Werke - in der Übersetzung von Thomas Brasch - sind bislang bei "Tacheles!" erschienen: Macbeth, Romeo und Julia, Wie es euch gefällt und Was ihr wollt. Der Spiegel schrieb über diese Hörbücher: "Die Thalbach bringt ihre gesamte Stimmkunst zum Einsatz; eine Rampensau am Mi-krophon, höchst vergnüglich anzuhören." In Kürze erscheint Teil fünf der Reihe: Richard III. Darauf kann nicht nur der ausgewiesene Shakespeare-Experte gespannt sein. Eine solche Reihe, von einem Bochumer Label herausgebracht, passt natürlich bestens nach Bochum als Shakespeare-Stadt - und möglichem Ort des Worts.
Das Tacheles-Programm überraschte in der Vergangenheit mit spannenden Kombinationen: So las Leander Haußmann "Peter Pan" (bekanntlich seine Bochumer Abschiedsinszenierung) und "Tom Sawyer". Christiane Paul versenkte sich in Lewis Carrolls "Alice im Wunderland". Etwas für den exquisiten Literaturgeschmack: Otto Sander Und Christoph Waltz lasen "Drei Frauen" von Robert Musil.
Und hier sollten (nicht nur) die Bochumer Theaterfreunde aufhorchen: Hermann Beil aus dem Peymann-Team stellt auf "Tacheles!" eine Biographie über Thomas Bernhard vor. Mit ruhiger, freundschaftlicher Stimme. Naturgemäß, haben sich Bernhard und Beil schon allein durch die Bochumer Uraufführungen der Stücke des Wiener Grantlers gut gekannt.
Unterhaltsam: Bastian Pastewka erzählt von Wilhelm Busch, "einem lachenden Pessimisten", und Otto Sander mit Sprechpartner Götz Alsmann haben ihren Spaß mit "Max und Moritz" und anderen hintersinnig-vergnüglichen Reimereien von Wilhelm Busch. Insgesamt gesehen, funkeln auch in der Backlist von "Tacheles!" so manche Wort-Edelsteine.
Nicht zu vergessen August Zirner, der im Schauspielhaus in Schnitzlers "Der einsame Weg" zu erleben war. Zirner hat für "Roof" die Autobiographie von Eric Clapton eingelesen. In diesem Fall treffen sich die beiden Schienen des Labels - Musik und Wort - auf beinahe idealtypische Weise. Über das wilde Leben von "Slowhand" Clapton erfährt der Zuhörer alles auf fünf CDs beziehungsweise in fünf Stunden und 39 Minuten.

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