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Stadt Bochum stellt Flüchtlingsarbeit um

20.01.2016 | 18:56 Uhr
Stadt Bochum stellt Flüchtlingsarbeit um
Erika Golinski (l.) und Edith Cremer von den Naturfreunden Linden-Dahlhausen gehören zu den 1600 Ehrenamtlichen, die sich für Flüchtlinge engagieren.Foto: Rainer Raffalski

Bochum.  Die Freien Wohlfahrtsverbände sollen künftig die Flüchtlingseinrichtungen betreuen. Stadtdirektor Michael Townsend spricht von Stimmungswandel.

Neu organisiert wird die Betreuung von Flüchtlingen . Alle großen Einrichtungen sollen in Zukunft im Auftrag der Stadt von freien Wohlfahrtsorganisationen wie Ifak, Caritas, Awo und anderen betrieben werden, die zum Teil jetzt schon damit beschäftigt sind. Stadt und Verbände führen dazu bereits Gespräche. Sollten die Kapazitäten der Verbände nicht ausreichen, könnten auch private Organisationen ins Spiel kommen.

Aufgaben verteilen

Es gehe dabei darum, so Sozialdezernentin Britta Anger, die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Die 20 hauptamtlichen Beschäftigten der Sozialverwaltung, die bislang mit der Flüchtlingsbetreuung beschäftigt sind, sollen künftig in den Bezirken als Bindeglied zwischen Stadt und Wohlfahrtsverbänden fungieren. Dabei gehe es unter anderem darum, darauf zu achten, dass die Standards der Betreuung eingehalten werden.

Nötig geworden ist die Umstrukturierung offenbar vor allem durch die enorme Belastung der hauptamtlichen Kräfte. In einer Mitteilung an den Rat heißt es dazu: „Die psychischen und physischen Belastungen der Mitarbeiter befinden sich seit Monaten auf sehr hohem Niveau. Der Krankenstand ist entsprechend.“ Die Kosten für die Betreuung werden sich nach Einschätzung von Anger durch die neue Struktur kaum verändern.

Steigender Druck

Neben den hauptamtlichen Kräften kümmern sich momentan etwa 1600 Bochumerinnen und Bochumer ehrenamtlich um Flüchtlinge. Derzeit bitten 5350 Frauen, Männer und Kinder um Aufnahme, jede Woche kommen 150 hinzu. Und das, so Stadtdirektor Michael Townsend, könnte die Stadt auf Dauer vor nicht lösbare Probleme stellen. „Bleiben die Zuweisungen so wie bis jetzt und bekommen wir in diesem Jahr 5000 bis 8000 zusätzliche Flüchtlinge, dann ist das nicht mehr zu stemmen. Der Druck im Kessel steigt an allen Stellen.“

Zahlen & Fakten
Voraussichtlich nur noch eine Erstaufnahmestelle

In 261 Einrichtungen, angefangen von Wohnungen und Heimen über Container und Leichtbauanlagen bis hin zu Turnhallen, sind die Flüchtlinge in Bochum untergebracht.

Von den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes in der Stadt wird wohl nur diejenige an der Unterstraße in Langendreer ihren Status behalten. Die beiden anderen, kleineren Einrichtungen an der Lewacker Straße und am Harpener Feld wird voraussichtlich die Stadt übernehmen und dort die ihr zugewiesenen Asylbewerber unterbringen.

Ebenso wie vor Wochen Kämmerer Dr. Manfred Busch (Grüne) gegenüber der WAZ geäußert hat, spricht Townsend im Zusammenhang mit den derzeit 1000 geduldeten Flüchtlingen von „einer aus finanzieller Sicht tickenden Zeitbombe“, da allein die Kommune für sie aufkommen müsse.

Aber selbst die seit Anfang 2016 geltende Unterstützung von Bund und Land in Höhe von 10.000 Euro pro Flüchtling reichten nicht aus, um die Kosten zu decken. Allein Unterbringung und Versorgung machten jährlich nach Einschätzung der Kommune pro Kopf 14.000 bis 18.000 Euro aus. „Und dabei ist die Integrationsleistung noch nicht eingeschlossen“, so Sozialdezernentin Anger.

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Kommentare
21.01.2016
09:16
Stadt Bochum stellt Flüchtlingsarbeit um
von wotan44797 | #5

Ja, es ist schon besser, wenn es andere organisieren, als Herr Townsend. Da spielt es auch schon keine Rolle mehr, wer es zukünftig macht.
Große...
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2016-01-20 18:56
Flüchtlinge, Asyl, Bochum, Wohnraum, Wohlfahrtsverbände
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