Stadt Bochum kündigt 30 Maßnahmen für bessere Radwege an

Radfahren an der Alleestraße ist gefährlich. Nils Bröckelmann und Ramona Tielinski passen gut auf Eric und Lilly auf.
Radfahren an der Alleestraße ist gefährlich. Nils Bröckelmann und Ramona Tielinski passen gut auf Eric und Lilly auf.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Eine WAZ-Umfrage zum Thema Radfahren in Bochum zeigt: Es gibt viel zu tun. Trotzdem hofft man im Rathaus auf den Titel „Fahrradfreundliche Stadt“.

Bochum.. „Radfahrer-Hölle“ (WAZ), „Fahrrad-Wüste“ (WDR), „Radweg-Irrsinn im Revier“ (Bild) – diese und ähnliche Schlagzeilen bescherten Bochum vor rund fünf Jahren ungewollte Aufmerksamkeit. Mittlerweile hat die Stadt eine Bewerbung zur Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte (AGFS) auf den Weg gebracht – und dem Vernehmen nach stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass der Titel 2016 verliehen wird.

Wie kann das sein?, werden sich Radfahrer fragen, die nicht nur in der Freizeit im Sattel sitzen, sondern das Rad im Alltag als Verkehrsmittel nutzen. „In Bochum wird zu wenig für den Radverkehr getan“, sagen 75 Prozent der WAZ-Leser, die zum Start unserer Jahresserie „Leben im Revier“ auf eine Umfrage von Chefredakteur Andreas Tyrock geantwortet haben (siehe Grafik).

Radwegenetz ist 510 Kilometer lang

Wer sich aber in der Stadt umschaut, kann Fortschritte erkennen. Im Juni wird der Radweg an der Herner Straße fertig, dann gibt es eine durchgehende Verbindung von Herne bis Bochum-Mitte. Die Radfahrstreifen im ersten Bauabschnitt zwischen Ring und A 40 seien Ende der 1990er Jahre im Vergleich mit anderen Städten sogar innovativ gewesen, sagt Christoph Matten vom Tiefbauamt der Stadt. Andere Städte wie Dortmund und Essen hätten in den Jahren 2000 bis 2010 aber wesentlich mehr für den Ausbau ihrer Radwegenetze getan. Der ausgeschiedene Stadtbaurat Ernst Kratzsch (SPD) erklärte das im WAZ-Gespräch Ende 2014 so: „Die Politik denkt viel konservativer als die Verwaltung.“ Und das, obwohl die Grünen seit 1999 im Bochumer Rathaus mitregieren.

Zurück zu den Fortschritten: Der Radweg an der Oskar-Hoffmann-Straße ist fertig, der Werner Hellweg und die Unterstraße werden folgen, viele andere Radwege sind in Arbeit oder in Planung. „Wir werden in den kommenden fünf Jahren knapp 30 Maßnahmen zum Ausbau des Radwegenetzes umsetzen“, sagt Matten. Wunsch der Politik sei es, das Netz zusammenhängend zu betrachten und auszubauen. Stand heute gibt es in Bochum 510 Kilometer Radwege, 190 davon sind Freizeitrouten wie z.B. die beliebte Erzbahntrasse, der Springorum-Radweg oder der Parkway Emscher-Ruhr. Matten: „Unser Ziel ist, möglichst viele Kilometer der Bahntrassen alltagstauglich zu machen.“ Die Beleuchtung des Springorum-Radweges nördlich der Königsallee spiegelt dieses bereits wider.

"Schuld sind immer die anderen"

Unlösbare Probleme gibt es aber auch: die Wittener Straße, zum Beispiel. Hier empfiehlt die Stadt Radfahrern eine Alternativroute. Und auch für die Verbindung vom Südring Richtung Hauptbahnhof habe man bis heute „keine passende Lösung“ gefunden. WAZ-Leser kritisieren zudem in hohem Maße die Zustände auf Alleestraße, Castroper Straße, Viktoriastraße, Hattinger Straße und Königsallee.

Leben im Revier Aufhorchen lässt auch ein anderes Ergebnis der WAZ-Umfrage: 42 Prozent der Leser sagen, dass es sehr häufig Konflikte zwischen Radfahrern auf der einen und Autofahrern und Fußgängern auf der anderen Seite gibt. Weitere 46 Prozent sprechen von „gelegentlichen Konflikten“. Uwe Herker vom Tiefbauamt, selbst passionierter Radfahrer, erklärt sich das so: „In Deutschland haben alle Recht – und Schuld sind immer die anderen. Keiner ist bereit, Rücksicht zu nehmen. Die Anarchie wird immer größer.“