Spielfreude beim ersten Gypsy-Festival steckt an

Groß gefeiert wurde das Ricky-Adler-Quartett bei seinem Auftritt im Kulturrat an der Lothringer Straße. Selbstverständlich spielten die handwerklich ungemein versierten Musiker ohne Noten.
Groß gefeiert wurde das Ricky-Adler-Quartett bei seinem Auftritt im Kulturrat an der Lothringer Straße. Selbstverständlich spielten die handwerklich ungemein versierten Musiker ohne Noten.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Beim Konzert im Gerther Kulturrat spielen vier Bands über fünf Stunden lang. Virtuose Musiker zeigen die Bandbreite des Zigeunerswing.

Bochum.. Und ewig schlägt die Rhythmusgitarre: Über fünf Stunden Gypsy-Swing hat es wohl selbst im Gerther Kulturrat noch nicht gegeben. Auf der Bühne brach bei den vier Ensembles, die bei der ersten Auflage des Gypsy-Festivals dabei waren, die pure Lebensfreude aus – eine ansteckende Angelegenheit.

Ilse Kivelitz (73) fördert seit über 15 Jahren die Musik der Sinti und Roma. Nun zum ersten Mal auch in Form des Festivals „Nadeshda - Hoffnung“. „Wir wollen nicht nur die Begeisterung für diese Musik fördern, die gibt es ohnehin. Wir wollen auch Begegnungen schaffen und eine Offenheit für andere Kulturen“, sagte die Mitbegründerin des Kulturrats.

Ebenso wie ihre Sprache wird die Musik der Sinti und Roma tradiert und praktiziert, auf schriftliche Fixierung wird dagegen wenig Wert gelegt. Und so fanden sich auf der Bühne im Kulturrat auch selbstverständlich keine Noten.

Publikum von der Virtuosität hingerissen

Die Kunst des früher sogenannten „ahrenden Volkes zeigte u.a. das Ricky Adler-Quintett mit zwei Gitarren, Klavier, Kontrabass und Akkordeon. Im swingenden Rhythmus benutzte Akkordeonist Adler das Timing als Spielball der Improvisation. Zum großen Repertoire gehörten Jazz-Standards wie „Donna Lee“ und „All of me“ ebenso wie die russische Melodie „Schwarze Augen“.

Immer wieder wurde das Publikum hingerissen von der Virtuosität und Schnelligkeit der Musiker. Allein an der improvisierenden Solo-Gitarre waren fünf Musiker zu erleben: Mogli Geisler, Danny Weiss, Rigo Winterstein, Danjetto Winterstein und Joscho Stephan. Ihr Musizieren zeigte sich mehr als Ausdruck einer kreativen Selbstverständlichkeit und kam nicht als konzertante Selbstinszenierung daher. Das ist selten!

Ein unvergesslicher Abend

Mit viel Sinn für Klang bestach das Joscho-Stefan-Quartett. Selbstbewusst und schnell spielte Stefan, ein weltweit tourender Gitarrist aus Mönchengladbach. Auch er schöpfte aus dem großen Repertoires des Gypsy-Jazz und nutzte dies als Sprungbrett für seine Improvisation – ein Zelebrieren des Augenblicks mittels eines konzentrierten kreativen Ausdrucks.

Festival Ein Fest der Musiker! Neben dem äußerst spielfreudigen Sebastian Reimann wurde sein virtuoser Geigen-Kollege Christoph König hochgelobt und auf der Bühne selbst von den Sinti-Musikern bewundert.

„Kell mo Tschei“ (Tanz mein Mädchen) sang Moderator Sigi „Adler“ Buchholz, und schließlich spielten im große Finale alle Musiker zusammen. Einfach ein unvergesslicher Abend.