Spezialisten sichern Betrugsprozess
28.04.2008 | 15:30 Uhr 2008-04-28T15:30:00+0200Mutmaßliche Bandenmitglieder sollen mit gefälschten Überweisungen getrickst haben
Unter schweren Sicherheitsvorkehrungen hat gestern am Landgericht der Prozess gegen sechs mutmaßliche Mitglieder (26 bis 52) einer ehemals großen Betrügerbande begonnen. Angeklagt ist auch ein Mann (26), der seit langem im "Zeugenschutzprogramm" ist. Er soll bei den Ermittlungen umfangreich "ausgepackt" und viele Komplizen belastet haben. Nun trägt die Justiz Sorge um seine Sicherheit. Deshalb wurde jeder Besucher vor der Saaltür intensiv überprüft. Außerdem wurden die Angeklagten und Zuschauer dezent von Sicherheitsbeamten flankiert.
Dabei sind die Anklagevorwürfe an sich nicht so, dass man den Eindruck hat, hier säßen mutmaßliche Schwerverbrecher. Die Männer aus dem Ruhrgebiet sollen betrogen haben, dies allerdings in ganz großem Stil. Sie sollen von 2002 bis 2005 in Bochum und anderen Städten Überweisungen gefälscht und hohe Geldbeträge auf Konten gelotst haben, die ihnen gehörten, bzw. auf die sie Zugriff hatten. Die Anklage spricht von rund 100 Fällen. Die Daten der Konten, die sie geplündert haben sollen, sollen sie von zerrissenen Überweisungsträgern aus dem Papierkorb von Banken gehabt haben. Oder vom Briefkopf gemeinnütziger Vereine. Dabei sollen sie Kontrollmängel bei der Bank eiskalt ausgenutzt haben. Die Beute sollen sie untereinander aufgeteilt haben. Der Gesamtumfang der Zahlungsanweisungen soll bei über 500 000 E liegen. Nur ein Teil davon sollen die Banken auch wirklich ausgezahlt haben. Andere Versuche flogen vorher auf, hieß es. Geschädigte Bankkunden wurden von der Bank entschädigt.
Zudem wird einigen Angeklagten Kredit- und Leasingbetrug mit Luxusautos, betrügerische Warenbestellungen unter anderem in einem Bochumer Möbelhaus und Tankkartenbetrug vorgeworfen.
Die Köpfe der Bande sind bereits vorher zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden; der oberste Chef bekam 2006 in Bochum vier Jahre Haft. Jetzt stehen noch mutmaßliche Helfer vor Gericht, darunter der Mann, der damals "ausgepackt" hatte. - Der Prozess wird fortgesetzt. B.Ki.

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