Das aktuelle Wetter Bochum 14°C
Sturmschäden

Friedhöfe im Ruhrgebiet sind wohl noch Wochen Sperrgebiet

15.07.2014 | 17:37 Uhr
Entwurzelte Bäume auf Gräbern. Friedhöfe bleiben bis zur vollständigen Beseitigung der Sturmschäden geschlossen - es besteht Lebensgefahr für die Besucher durch noch in den Bäumen hängende Äste.Foto: Friedhelm Geinowski/WAZFotoPool

Essen/Bochum.   Fünf Wochen nach Pfingststurm "Ela" ist es weiter verboten, dutzende Friedhöfe im Ruhrgebiet zu betreten. Beerdigungen finden statt, doch danach können die Angehörigen womöglich noch Wochen nicht mehr ans Grab. Kommunen versichern, es werde hart daran gearbeitet die Sturmschäden zu beseitigen.

55 Ehejahre lassen sich nicht einfach so wegwischen, auch nicht von einem Sturm des Jahrhunderts. „Ich finde es natürlich richtig, dass die Friedhöfe aus Sicherheitsgründen gesperrt sind“, sagt Winfried S. – und verstößt täglich dagegen. Gerade, nach einem schuldbewussten Blick auf das Schild „Betreten auf eigene Gefahr“, hat der 81-jährige Rentner das knarrende Tor zum Essener Südwestfriedhof aufgeschoben. Wie jeden Tag seit jenem Sturm; und auch schon, als der Friedhof noch mit Vorhängeschlössern gesichert – erschien. „Ich kann nicht anders. Seit ihrem Tod vor einem Jahr bin ich jeden Tag hier,“ sagt S.

Fünf Wochen seit dem Sturm. Je länger er her ist, desto mehr Menschen leiden darunter oder reagieren verständnislos darauf, dass noch immer dutzende Friedhöfe nicht betreten werden dürfen. Ja, es wird bestattet, muss ja auch: Städtische Mitarbeiter führen dann die Trauergesellschaft über begutachtet sichere Wege zum offenen Grab. Doch sonst sind diese Friedhöfe, wenn man von Aufräumern absieht, menschenleer. Vor allem von Düsseldorf aus über Mülheim, Essen und Bottrop, Bochum und Gelsenkirchen: eine Schneise der Verwaisung.

Randsteine und Wasserstellen zerstört

Und so steht auf einem anonymen Ausdruck an einer Nebenpforte des Bochumer Hauptfriedhofs: „Das hier ist ein Skandal . . . Das Grünflächenamt macht den Angehörigen das Gedenken am Grab sowie die Pflege der Grabstätten seit Wochen unmöglich . . .“ Darum geht es: Manchen fehlt das Grab als Ort, an dem sie einem lieben Menschen in gewisser Weise nahe sein können. Andere würden sich wenigstens vergewissern wollen, dass das Grab unbeschädigt ist; und wieder andere befürchten, dass das Unkraut sprießt und das Grab verlottert. Ein beispielsweiser Ortstermin auf dem gesperrten Südfriedhof in Gelsenkirchen bestätigt dann auch genau das.

Löcher sind in Wege gerissen, Randsteine und Wasserstellen zerstört. Bäume liegen quer, und mindestens ein Grabstein ist von einem Baum direkt in die Erde gerammt worden. 56 Totalschäden an Bäumen allein auf diesem Friedhof plus 122 Fälle von Bruchholz: Da ist weiterhin „in Lebensgefahr, wer in gesperrte Gebiete geht“, so Pascal Sehr von der „Fachgruppenleitung Friedhöfe“ der Stadt.

Sturmschäden
Nicht genug Geräte - Arbeiten nach Pfingstunwetter dauern an

Die Sturmschäden, die Pfingstorkan „Ela“ hinterlassen hat, sind noch lange nicht beseitigt. Viele Gartenbau-Betriebe haben bereits neue Mitarbeiter...

Vor allem Auswärtige stehen noch vor den verschlossenen Toren

Tun die also nichts? Gibt es tatsächlich, wie der Ausdruck an der Pforte rhetorisch fragt, „keinen Sachverstand für richtige Planung, die auch die Belange der Bürger berücksichtigt?“ Der Anschein spricht dagegen: Auf vielen Feldern herrscht bereits Ordnung. „Die keulen, was das Zeug hält“, sagt der Bochumer Friedhofsgärtner Peter Franke, der berufsbedingt Zutritt hat zum Sperrgebiet.

Aufräumarbeiten nach dem Orkan

In seinem Betrieb sind „die Umsätze in Richtung Friedhof inzwischen gleich Null“, so Franke. Doch nett, wie er ist, sagt er jedem Friedhofsblumenkäufer vorher, was das Problem ist. Es kämen vor allem noch Auswärtige, die nichts ahnten: „Gestern hatte ich noch Leute aus Berlin hier, die wollten ans Grab der Eltern.“ Manche regten sich auf, „warum Parks eher gemacht würden als Friedhöfe. Oder sie sagen: Fünfmal am Tag fährt die Stadt an dem Haufen vorbei, ohne dass den einer mitnimmt.“ Ach, Herr Franke, noch eine Frage, erinnern Sie sich an irgend etwas Vergleichbares zu dieser Sperre? „Ich wohne jetzt fast 50 Jahre hier und hab’ sowas noch nie erlebt.“

Vorhängeschlösser geknackt innerhalb weniger Tage

Und dann gibt es die, die sich „Zutritt verschaffen“, so der Polizeijargon. „Wir hatten an allen gesperrten Friedhöfen Vorhängeschlösser angebracht. Die wurden innnerhalb weniger Tage geknackt, oder die Leute haben sich durch die benachbarten Wälder zu den Gräbern geschlagen“, sagt Hans-Joachim Hüser, der „Abteilungsleiter Friedhöfe“ bei Essens „Grün und Gruga“. Ebenfalls häufiger zu sehen: Zäune, offensichtlich niedergetrampelt.

Die Ruhe nach dem Sturm

Städtisches Allgemeingut ist schließlich die Erfahrung, dass selbst drastische Hinweise („Lebensgefahr!“) sozusagen in den Wind geschrieben sind. Da haben sie auf dem Zentralfriedhof von Bochum aus der Not eine Tugend gemacht und einen Eingang verrammelt: mit durchgesägten Baumstämmen.

Hubert Wolf und Mareille Landau

Kommentare
17.07.2014
14:37
Friedhöfe im Ruhrgebiet sind wohl noch Wochen Sperrgebiet
von avalona24 | #3

Ich wohne in Huttrop und pflege ein Urnengrab auf dem Parkfriedhof. Mich traf bei einem ersten Besuch nach dem Orkan fast der Schlag, es sah aus, als...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Mini-Kicker in Gerthe
Bildgalerie
Kinderfußball
BSV Weitmar-Mark
Bildgalerie
Festumzug
article
9599531
Friedhöfe im Ruhrgebiet sind wohl noch Wochen Sperrgebiet
Friedhöfe im Ruhrgebiet sind wohl noch Wochen Sperrgebiet
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/bochum/sperrgebiet-friedhof-id9599531.html
2014-07-15 17:37
Ruhrgebiet, Friedhöfe, Stumschäde, Ela, gesperrt, Sperrgebiet,
Bochum