SPD-Äußerung zum Personalproblem irritiert die Feuerwehr

Mitglieder der Feuerwehr protestierten am 19. März in der City gegen Personalmangel, Überbelastung, Überstunden und für mehr Arbeitssicherheit.
Mitglieder der Feuerwehr protestierten am 19. März in der City gegen Personalmangel, Überbelastung, Überstunden und für mehr Arbeitssicherheit.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Feuerwehr-Gewerkschaften haben mit Unverständnis auf Äußerungen der SPD regiert. Diese sieht offenbar keine Personalprobleme bei den Rettungskräften.

Bochum.. Mit Unverständnis hat die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) auf Äußerungen reagiert, die SPD-Fraktionschef Peter Reinirkens über den Zustand der Feuerwehr verbreitet hatte. Während die Feuerwehr auf einer Demo vor wenigen Tagen Personal-, Organisations- und Sicherheitsprobleme beklagte, meinte Reinirkens: „Alle Wachstandorte sind personell gut ausgestattet und auch die Einsatzfahrzeuge entsprechen den Sicherheitsstandards.“ Die Feuerwehr sei voll einsatzfähig. Die WAZ sprach mit Udo Lipp von der DFeuG.

Was antworten Sie Herrn Reinirkens?

Udo Lipp: Für uns stellt sich die Frage, woher Herr Reinirkens seine Informationen hat. Von der DFeuG offensichtlich nicht. Wir haben kein Interesse daran, parteipolitische Flügelkämpfe zu bedienen. Wir setzen uns als junge Gewerkschaft vielmehr dafür ein, dass die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger gewährleistet ist, und das ist sicherlich auch im Interesse von Herrn Reinirkens. Für die von uns dargestellte Sachlage stellen wir gerne Daten, Zahlen, Fakten bereit.

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Die Feuerwehrleiter hätte im Notfall nicht ausrücken können

Mittwochnacht hatten Sie draußen zwei Einsätze. Wie war da die Material- und Personallage?

Lipp: Natürlich sind zwei Einsätze nicht repräsentativ. Und selbstverständlich können keine Interna zum Einsatz nach außen gegeben werden. Zum Material können wir soviel sagen, dass bei dem Einsatz ein Fahrzeug der technischen Hilfeleistung gefordert war. Abgesehen davon, dass es mit Baujahr 1997, 119.696 km auf dem Buckel, ohne ABS und Beifahrer-Airbag und einem undichten Mannschaftsraum, sprich: es regnet hinein, ausgestattet ist. Bei dem Einsatz zeigte sich einmal mehr, dass die so genannten Doppelfunktionen – in der Brandbekämpfung, im Rettungsdienst oder in der technischen Hilfeleistung – kritisch gesehen werden sollten. Denn während die Drehleiterbesatzung auf dem technischen Hilfeleistungsfahrzeug beim Einsatz war, stand die zur Menschenrettung vorgesehene Feuerwehrleiter unbesetzt auf der Wache. Heißt im Klartext: Sie hätte im Notfall nicht ausrücken können. Soviel zum Thema Panikmache.

Was hat die DFeuG jetzt weiter vor?

Lipp: Die DFeuG wird sich weiterhin dafür stark machen, dass sich der Brandschutz und der Rettungsdienst wieder am tatsächlichen Bedarf ausrichten, abseits von parteipolitischen Querelen. In den nächsten Tagen werden wir der Stadtspitze und den Fraktionen ein Papier übergeben, in dem die organisatorischen und strukturell bedingten Probleme der Feuerwehr nochmals konkretisiert werden.