Spaß und Tanz beim Mummenschanz
23.02.2009 | 08:48 Uhr 2009-02-23T08:48:00+0100
Von Finanzkrise keine Spur: Der Mummenschanz im Museum war ausverkauft, die gute Stimmung ungebrochen Steinzeit trifft Mittelalter. Und in der Raucher-Lounge paffen Nonnen munter eine Zigarre.
Der Ruhrgebietsmensch gilt als ehrliche Haut; der sagt, was er meint. Verkleidung und Vortäuschung falscher Tatsachen sind seine Sache nicht. Das mag übers Jahr stimmen. Anders dagegen sieht es aus, wenn das Museum zum Mummenschanz ruft: Dann wird mit einer Lust, die man dem sachlichen Revier-Temperament gar nicht zutraut, in eine fremde Haut geschlüpft, werden phantastische Rollen ausprobiert. Dieses kleine Wunder, das Bürohengste in Shakespearesche Könige verwandelt und einem Uni-Professor ein Huhn aufs Haupt platziert, war am Samstag wiederum zu erleben.
Von Finanzkrise keine Spur. 1000 Karten hatten Abnehmer gefunden: mehr ging nicht, mehr ließ die Feuerwehr nicht zu. Und so trafen sie sich wieder zum etwas anderen Karneval, bei dem der Klatschmarsch zwar Tabu, die gute Laune allerdings alles andere als verpönt ist. An diesem Abend war die Phantasie wahrlich an der Macht: Das reichte vom wallenden Rock nach der Art der Maria Stuart über Kreuzritter und einen Leningrad Cowboy mit überdimensionaler Tolle bis zu Zorro mit der Maske und einer täuschend ähnlichen Kopie von Karl Lagerfeld. Auch Tschechows Onkel Wanja hatte sich unter die Leute gemischt. Mittelalter traf Steinzeit: Hier waren es zumeist die Frauen, die die Keule trugen. Der Mummenschanz überspringt Kontinente und Epochen.
Das klerikale Element war im übrigen überproportional oft vertreten: Mönche und Nonnentrachten tauchten immer wieder im Gewimmel auf. Ob die Missionsarbeit des Stiepeler Zisterzienserklosters hier Früchte getragen hat? Die Museumsspitze: Hans Günter Golinski hatte sich munter verkleidet, der Vize Sepp Hiekisch-Picard lief beinahe zivil herum: Einer musste ja die Übersicht behalten. Doch übertriebene Vorsicht irgendwelcher Art, Aufsicht gar, war völlig unnötig.
Obwohl sich vor den Bühnen gelegentlich die Zuschauer so sehr knubbelten, dass kaum ein Durchkommen möglich war (als wär's auf der Cranger Kirmes), gingen die Maskierten und Verlarvten freundlich und höflich miteinander um. Eine „Nonne” hatte allerdings große Mühe, ihr volles Sektglas unbeschadet durch die Menge zu balancieren. Musikgruppen wie das Backbeat-Trio, die Party Agents oder The Heart Beats fanden ihre Vorbilder natürlich nicht bei Ernst Neger oder Willy Millowitsch, sondern bei Bill Haley, Eric Clapton oder dem Jazz 40er Jahre. Und so stimmte auch der Sound. Wie es euch gefällt; was ihr wollt: Ein Motto wie von Shakespeare. Kurzum: Spaß pur!

10:40
Dem allen kann ich nur zustimmen. Aber acht Damenklos für etwa 600 Frauen sind und bleiben zu wenig. Die Schlangen vor den Toiletten reichten bis hinauf zu den Feiernden. Und wer weiß schon eine Stunde vorher, wann es soweit sein wird. Darüber sollte in Zukunft nachgedacht werden.