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Spaceman Spiff und Finn-Ole Heinrich erfüllen die Rotunde mit Leben

12.12.2011 | 17:10 Uhr
Spaceman Spiff und Finn-Ole Heinrich erfüllen die Rotunde mit Leben
Der Schriftsteller Finn-Ole Heinrich (links) und der Musiker Spaceman Spiff alias Hannes Wittmer haben sich für „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“ zusammengetan. In der Rotunde des Alten Katholikentagsbahnhof in Bochum schufen die beiden Jungs eine ganz besondere Atmosphäre. Foto: Dylan E. Thompson

Bochum.   Der Schriftsteller und der Singer-Songwriter sind mit ihrem gemeinsamen Projekt „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“ auf Tour und füllten den Alten Katholikentagsbahnhof mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Dunkel ist es in der Rotunde des Alten Katholikentagsbahnhof in Bochum, die Stühle unter der halbgläsernen Kuppel und der großen Discokugel sind alle besetzt, es ist warm dank Heizlüfter, draußen stürmt und regnet es. In dem unscheinbaren Backsteinbau zwischen Bermudadreieck und Riff war früher der Bochumer Hauptbahnhof beheimatet. Heute findet der Besucher – wenn er das Gebäude denn findet durch das Winterdunkel, denn von außen lässt sich weder erkennen, was hinter den Mauern steckt noch ist die Tür, sobald sie einmal zu ist, leicht zu finden – junge und Off-Kultur.

Genau der richtige Ort für das gemeinsame Projekt von dem Schriftsteller Finn-Ole Heinrich und dem Musiker Spaceman Spiff alias Hannes Wittmer. „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“ heißt das Projekt und die CD dazu, nach einer Kurzgeschichte von Heinrich, die Spaceman Spiff mit Sounds vertont hat.

Genau das passiert bei den Beiden auch auf der schummerigen Bühne in der Rotunde. Indirektes Licht und Schlagschatten in den Gesichtern der Jungs für ein Publikum, was durch die Dunkelheit konzentriert zuhört. Finn-Ole Heinrich liest Kurzgeschichten mit einer Stimme, die sofort den ganzen Raum füllt. Seine sehr menschelnden Ich-Erzähler stecken in Situationen, in denen sie sich entscheiden müssen, die mit den Hürden des Lebens zu kämpfen haben, aber vor allem auch mit sich selbst. „Ich weine durch den offenen Mund, damit du es nicht mitbekommst“ heißt es da und es gibt Erzähler, die „keine leichten Gedanken“ mehr denken können und die „sich krümmende Erinnerungen“ haben.

Hannes Wittmer bedient dazu die Loop-Maschine, leicht maschinelle Sounds, die klingen, als kämen sie von weit entfernt, mit Heinrichs Stimme, die ganz nah scheint, auch wenn der Raum so groß ist. Der Musiker wirft die Zwischenzeilen zu den Texten des Schriftstellers in den Raum, pustet Töne in halbleere Flaschen, spielt auf einem hölzernen Xylophon.

Die Welt hinter der Aschewolke

Dazwischen werden immer wieder kleine Filme gezeigt, allesamt von Finn-Ole Heinrich, der Filmregie studiert hat und das Suchende und Emotionale seiner Texte auch in seine Filmbildwelten überträgt. In einem der Filme wird aus einem Auto gefilmt, dass durch Island fährt, minutenlang durch die Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull . Die Fahrt ist rasant und holperig, die Welt hinter den Scheiben braun-grau-gelblich verschwommen.

Und zwischen den vertonten Texten und Videos spielt Spaceman Spiff seine Songs auf der Gitarre, die zwischen den leicht maroden Wänden der Rotunde widerhallt. Ein wenig zerbrechlich wirkt er auf der Bühne, doch seine Stimme ist fest, wenn er davon singt, wie schwierig es ist, den richtigen Weg zu finden und sich zu entscheiden, wer man eigentlich sein will und kann. „Ich bin mir sicher wann/ich bin mir sicher wo/ich bin mir sicher wie/ich weiß nur nicht ob“ heißt es in „Irgendwo ist immer woanders“ und in seinem Song „Hamburg“: „Zwischen all der Euphorie und sicher, besser ging’s mir nie/ fällt mir wieder ein/woanders bin ich wer gewesen/hier muss ich irgendjemand sein“.

Verschwommene Akustik

All das passt so gut zusammen, so gut in die leicht verschwommene Akustik der Rotunde und kommt so nah an das Publikum heran, dass das gar nicht glauben mag, dass es diese Jungs früher einzeln und an anderen Orten gab.

Am Mittwoch, 14. Dezember, sind die Beiden mit „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“ im FZW im Dortmund . Ein Ort, wie er anders kaum sein könnte als die Bochumer Rotunde.

Jule Körber

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