Songpoet Tom Liwa eröffnet Eve Bar

So schön die Neueröffnung der Eve Bar auch ist: Über das Prozedere beim Einlass sollte mal gründlich nachgedacht werden.

Denn die Eintrittskarten holt man nicht in der Eve Bar, sondern an der Theaterkasse des Schauspielhauses ab, wo sich kurz vor Beginn eine locker zehn Meter lange Schlange aus Menschen gebildet hat, die alle in das später stattfindende Symphoniekonzert drängen. Während man also ungeduldig für eine Karte anstehen muss, hat Tom Liwa schon angefangen zu spielen. Etwas ärgerlich.

Groß verändert hat sich die Eve Bar nicht. Größte Neuerung: Rechts am Eingang ist jetzt die Bühne, auf der die schöne Reihe „Songs & Lyrics“ (früher Rottstraße 5) ihre Fortsetzung findet. Das Konzept: Max Kühlem und Julius Kühn laden Songwriter zum Konzert und zur Talkrunde ein – und da ist Tom Liwa natürlich ein dankbarer Gast, der die Aktion witzig, schlagfertig und „für 300 Euro“, wie er betont, gerne mitmacht.

Tom Liwa (53) stehen die Furchen eines kräftezehrenden Musikerlebens ins Gesicht geschrieben. Anfang der 90er Jahre war er mit seiner Band „Flowerpornoes“ Wegbereiter und Maß aller Dinge im deutschen Songwritertum. Lieder wie „Eng in meinem Leben“ und das noch immer traumschöne „Julianastraat“ aus seiner frühen Solophase erinnern daran, was für ein weit beachteter Musiker aus ihm hätte werden können. Heute ist Liwa in der Bedeutungslosigkeit versunken, was traurig ist. Zwar sagt er immer gern, mit Kommerz nichts anfangen zu können und verteufelt sein Vorbild Neil Young für seinen Erfolg. Aber wahr ist auch: Tom Liwa hat’s irgendwie verdaddelt.