Sitzungstag Nummer 108 im Drogenprozess
30.08.2010 | 17:12 Uhr 2010-08-30T17:12:00+0200Bochum.Einer der längsten Drogenpozesse Bochums wird noch länger dauern als befürchtet.
Ein Marathon-Verfahren wegen mutmaßlichen Drogenhandels dauert jetzt schon über 26 Monate lang. An bisher 108 Sitzungstagen wurde der Angeklagte, ein 38-jähriger Bochumer, aus dem Gefängnis, wo er schon seit Ende 2007 sitzt, von Wachtmeistern vor die 8. Strafkammer gebracht. Dort warteten dann außer den Berufsjuristen auch eine Finanzbeamtin sowie ein Ingenieur und Landwirt. Die beiden sind Schöffen, Laienrichter. Zum Prozessbeginn, am 10. Juni 2008, waren sie in dieses Verfahren hineingelost worden. Sie hatten keine Ahnung, was für eine Geduldsprobe auf sie wartet. Sie dürfen an keinem einzigen Sitzungstag, keine Sekunde, fehlen. Außer Verdienstausfall zahlt ihnen der Staat nach Auskunft des Gerichts fünf Euro pro Stunde als Aufwandsentschädigung.
Über 100 Kilo Drogen laut Anklage
Der Angeklagte ist bereits vor fast einem Jahr im selben Prozess verurteilt worden, aber nur für den kleinen Teil der Anklage - vier Jahre und neun Monate Haft. Die Hauptvorwürfe stehen weiterhin im Raum. Es geht um den mutmaßlichen Handel mit über 100 Kilo Drogen: vor allem Hasch, aber auch Ecstasy (40 000 Pillen), Amphetamine, Kokain. Der Angeklagte beteuert seine Unschuld. Er sagt zum Beispiel, dass er nur als V-Mann, auf Geheiß eines polnischen Polizisten, im Drogenmilieu tätig gewesen sei. Diesen angeblichen Polizisten müssen die Bochumer Richter natürlich dazu befragen. Er will aber nicht aussagen. Eine Begründung gibt er nicht. „Weil sich der Zeuge im Ausland befindet, haben wir keine Möglichkeit, ihn zu zwingen“, sagt Richter Volker Talarowski. Deshalb werde jetzt beim Ministerium für Verwaltung und Inneres und beim Gericht in Polen um eine neue Rechtshilfe ersucht. Vielleicht lässt sich der Polizist ja per Video von Bochum aus vernehmen. Eine Antwort kann dauern.
Die Prozesskosten sind längst sechsstellig. Allein eine Stunde für die Dolmetscherin kostet 55 Euro. Der Prozess wird fortgesetzt.

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