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Fr. Höpker

Singen als Gemeinschafts-Trip

09.02.2012 | 17:11 Uhr
Singen als Gemeinschafts-Trip
Katrin Höpker, Liederabend in der Maschinenhalle Friedlicher Nachbar, Linden

Bochum.Zum fünften Mal innerhalb kürzester Zeit bat Frau Höpker zum Gesang in den Saalbau Spitz. Zum fünften Mal war der Abend ausverkauft. Ein Wunder war das nicht. Eher war es … wunderbar!

Wenn 300 fremde Menschen unvermittelt zum wohltemperierten Klangköper werden, und es sich nicht um die Fischer-Chöre handelt, dann steht eines fest: Katrin Höpker ist auf jeden Fall eine begnadete Vorsängerin, aber sicher nicht von gestern. Im Gegenteil: Zeitgemäßer als ihr Format „Fr. Höpker bittet zum Gesang“ kann Laien-Singen nicht sein.

„Die Leute singen gerne mit, aber die meisten kennen die Texte nicht!“. Aus dieser Überlegung entwickelte die Berufsmuikerin ihre Form des Singens in Gemeinschaft. Das Rezept ist so simpel wie genial. Mit Mini-Aufwand – ein Keyboard, ein Mikrofon – sorgt Höpker für die Musik. Und mit Texten von Liedern, die jede/r kennt und die sie per Beamer an die Wand wirft, verteilt sie immer neue Happen an ihre sangesfreudiges „Rudel“. Von „Karneval in Rio“ über „Ob-la-di, Ob-la-Da“ und „Grün, grün, grün sind alle meine Farben“ bis zu „That’s The Way (aha-aha!) I like it“ kommt in Fr. Höpkers sympathisch-schrägen Liederbuch alles vor. Dass die Kölnerin ihr Repertoire perfekt beherrscht, durfte man voraussetzen. Dass aber das Publikum derart text- und rhythmus-fest agieren würde, war ‘ne echte Überraschung.

Verrückt, wie viele Melodien „man“ so kennt! Aber das Gehirn – Fr. Höpker würde sagen: „die Festplatte“ – lässt sich eben nicht überlisten. Was erklärt, dass bei einem Heuler wie „Ich hab’ Dein Knie gesehen“, den man 37 Jahre lang glücklich verdrängt zu haben glaubte, plötzlich das Schellack-Knistern von Henry Valentions Grammphon als sinnfreie, kollektiv-nasale Übung mit zugepressten Nasenflügeln exerziert wird.

Nach zweieinhalb Stunden, die wie nichts vergingen, fühlten sich all a) sauwohl und b) ein bisschen wie in der Muppet-Show: Applaus, Applaus, Applaus! hieß es am Ende. Für eine Künstlerin, die ihr Ding aus dem Eff-Eff beherrscht, und die 300 Leuten einen runden Abend bescherte. Und für das Publikum, das seiner Fr. Höpker ähnlich gut tat. - Thank you, for the music!

Jürgen Boebers-Süßmann

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