Sieben Tage Texte ohne Pause
02.09.2010 | 18:31 Uhr 2010-09-02T18:31:00+0200
Bochum. Die siebentägige Nonstop-Lesung im Kunstmuseum beginnt am heutigen Freitag um 20 Uhr. Als erster liest Joachim H. Luger einen Text von Joseph Roth.
Eine ebenso charmante wie ehrgeizige Idee: Nicht weniger als 168 Stunden sollen der Literatur gewidmet sein, um Bochum als „Stadt des Wortes“ zu profilieren. Geplant ist, über eine schier endlos lange Strecke die Literatur von allem Seminarstaub zu befreien, die Texte der leuchtenden und verschatteten Dichter und Schriftsteller als einprägsames, unterhaltsames Erlebnis zu präsentieren - und (fast) alle machen mit. Beinahe 200 Vorleser packen ihre Bücher aus und schlagen sie an der vorgemerkten Stelle auf.
Nach langer Vorbereitungszeit beginnt am heutigen Freitag, 3. September, 20 Uhr, im Kunstmuseum an der Kortumstraße 147 die bislang einzigartige Nonstop-Lesung „Tugend und Laster“. Exakt sieben Tage und sieben Nächte soll sie dauern: der letzte Vorleser wird sich am Freitag, 10. September, 19 Uhr, hinter den kleinen Tisch im Übergang zwischen Alt- und Neubau des Kunstmuseums setzen. Dann wird Bochum einen Rausch an Texten erlebt haben, der die Welten zwischen Buchdeckeln in bisher kaum gekannter Weise zu Filmen im Kopf der Zuhörer verwandelt hat. Doch bis zum Ende ist noch viel Zeit. Die Spannung steigt.
Tugend und Laster
Als erster wird am heutigen Freitag der Bochumer Schauspieler Joachim Hermann Luger die anrührende Erzählung „Stationschef Fallmerayer“ von Joseph Roth lesen.
Was ist Tugend, was ist Laster, welche menschliche Regung steht zwischen diesen beiden (eigentlich ehern getrennten) Möglichkeiten? Das Motto der Lesung wird auf vielfältige Weise illustriert, ob mit Thomas Mann oder William S. Burroughs. Und die Zuhörer werden miterleben, wie es sich anfühlt, wenn Germanistikprofessor Siegfried Grosse um acht Uhr morgens, da sie woanders die Frühstücksbrötchen einkaufen, veritable Passagen aus dem Nibelungenlied vorliest. Das hat es sicherlich noch nie gegeben.
Bei aller Vorfreude auf sieben Tage Nonstop-Lesung: Das Vorhaben war nicht ohne Risiko. Was würde geschehen, wenn sich nach den verschiedenen Aufrufen nur eine Handvoll Vorleser melden würde, wenn im Lesekalender die Termine tageweise unbelebt bleiben würden? Müsste die Lesung dann abgesagt werden? Das würde natürlich peinlich, peinlich sein...
Liebe zum gelesenen Wort
Doch in der Kultur ist bekanntlich das meiste, das neu das Licht der Welt erblickt, nicht ohne Wagnis zu bekommen und so setzte das Vorbereitungsteam auf die Liebe der Bochumer zum literarischen Wort, eine Zuneigung, die nicht zuletzt das Schauspielhaus groß gemacht hat. Der Optimismus wuchs.
Zumal Museumsdirektor Hans Günter Golinski - sofort von der Idee begeistert - der Nonstop-Lesung eine angenehme Heimstatt anbot. Sowohl im Neubau als auch in der renovierungsbedürftigen Villa Marckhoff soll gelesen werden. Der Bochumer Künstler Zarko Radic entwarf für die Lesung ein sinnfälliges Transparent (rechts abgebildet), und der Kemnader Kreis sorgte für das notwendige finanzielle Unterfutter. Alle setzten auf Sieg!
Im kleinen Kreis begonnen
Und die Initiatoren der Nonstop-Lesung, u.a. die Literarischen Gesellschaft, wurden nicht enttäuscht. Nachdem sich herumgesprochen hatte, was dort in kleinem Kreis begonnen worden war, meldeten sich die potenziellen Vorleser aus allen Altersgruppen und Bevökerungsschichten: von Bundestagspräsident Norbert Lammert über die OB Ottilie Scholz bis zu Schulklassen und einzelnen „Bücherwürmern“. Am Ende war der Lesekalender gut gefüllt - und die Intiatoren hatten Mühe, sich selbst für den eigenen Vortrag noch die eine oder andere Stunde zu sichern.
Nun also heißt es: Es lebe die Literatur - im Kunstmuseum. Auf geht’s!

16:47
@ MODERATOR
Wo sind #3, #5, #6?
17:56
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17:26
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10:30
Warum findet man eigentlich auf der Homepage des Museums keinen Hinweis und kein Programm von dieser Veranstaltung?
18:18
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16:49
Eine tolle Veranstaltung für alle kulturell Gebildeten.
Staufenberg zeigt mal wieder das Kultur soweit üner seinem Horizont liegt, dass er hilflos rumpöbeln muss.
19:05
Trivialität hoch 3. Vatter Beimer im Museum. Einfach erbärmlich.