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Anlagebetrüger verurteilt

"Sie sind größenwahnsinnig geworden"

04.06.2009 | 15:59 Uhr

Über Jahre hinweg hatte ein Finanzanlage-Vermittler (47) viele seiner Kunden in Bochum und Witten systematisch betrogen.

Mit dem Lügen-Versprechen, ihr Geld als „Kapitalanlage mit Festzins und festem Auszahlungstermin” sicher zu investieren, zog der Wittener ihnen insgesamt 532 000 Euro aus der Tasche, auf 19 Einzelfälle verteilt. Nach dem Urteil des Schöffengerichts Bochum am Donnerstag durfte er aber aufatmen: Zwei Jahre Haft, ausgesetzt zur Bewährung, und eine Geldstrafe von 3000 Euro obendrauf (300 Tagessätze).

Vertrauen der Kunden missbraucht

Das Unheil fing 2001 mit 100 000 D-Mark an. Als freier Handelsvertreter eines Bochumer Finanz- und Versicherungsbüros hatte er eine Kundin an der Hand, die 100 000 D-Mark (der Erlös eines Eigenheims) nur ohne jedes Risiko anlegen wollte. Das versprach der bisher unbescholtene Finanz-Experte denn auch - und die Frau gab ihm ihr Geld. Statt nun aber eine Zinsgarantie bei einer sicheren Anlage zu haben, wie die Frau glaubte, übernahm der Finanzexperte diese Garantie nur privat und persönlich, indem er mit dem Geld heimlich spekulierte. „Hätte ich ihr gesagt, dass ich mit Aktien spiele, hätte sie das im Leben nicht getan”, sagte er auf der Anklagebank. Es war die Zeit des Geldrausches an der Börse. „Damals hat sich ja jeder für einen Börsenmakler gehalten. Ich dachte: Das kannst du doch.”

Der Fluch der erste Sünde

Die Spekuliererei ging aber schief. Und so erfüllte sich der Fluch der ersten Sünde.

Mit hohen Renditen bis zu 8,5 % geblendet

Der Finanz-Experte versuchte, das Loch, das er gerissen hatte, mit dem Gewinn aus weiteren Anlagebetrügereien wieder zu stopfen. Erneut nutzte er das Vertrauen des Kundenstammes seines Büros aus und erzählte den Leuten, darunter sogar Verwandten, etwas von herrlichen Renditen zwischen 6,5 und 8,5 Prozent jährlich. Wieder zweigte der Betrüger das angelegte Geld auf seine Konten ab, steckte es in riskante Wertpapiere - und verjubelte es teilweise auch privat.

Finanz-Löcher wurden immer größer

Zu allem Überfluss ging es mit der Börse immer weiter bergab. Die Löcher auf den Anleger-Konten wurden immer größer. Trotzdem drehte der 47-Jährige die Spirale des Betrügens und des Risikos immer weiter. „Man redet sich ein: Irgendwann kommt es wieder raus.” Er meinte neues Geld für verzocktes Geld.

2006 flog alles auf. Der Chef des Büros, für den er viele Jahre gearbeitet hatte, kam ihm auf die Schliche. Und feuerte ihn. Heute lebt der Betrüger von Hartz IV und fährt (offiziell) nebenbei ein bisschen Taxi.

Heute hat er 259.000 Euro Schulden

Einen Teil des Schadens hatte er den Kunden, teils freiwillig, teils nur unter massivem Druck, erstattet. Insgesamt 273 000 €. Unter den Opfern ist auch eine vermögende Familie aus dem Bochumer Süden; sie hatte ihm insgesamt 336 000 € anvertraut. Nur 199 000 € hat der Täter ihr bisher zurückgezahlt. Insgesamt steht er bei seinen Opfern jetzt mit 259 000 € in der Kreide.

„Sie sind größenwahnsinnig geworden”, bescheinigte ihm Richter Dr. Karl-Heinz Bösken. „Um die Jahrtausendwende waren Sie aber nicht der Einzige.”

Richter: Auch drei Jahre Haft wären drin gewesen

Man hätte ihn auch für drei Jahre eingesperren könne, sagte der Richter. Das habe man aber nicht gemacht, „weil wir meinen, damit ist keinem gedient: weder den Geschädigten noch der Gesellschaft.”

Ob der Angeklagte den Schaden jemals wird begleichen können, ist mindestens zweifelhaft.

Bernd Kiesewetter

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