Sie fischte die Lidl-Krankenakten aus dem Müll
09.04.2009 | 17:03 Uhr 2009-04-09T17:03:00+0200
Bochum. Bundesweit hat der Fund von geheimen Krankenakten des Discounters Lidl in der Mülltonne einer Autowaschanlage Schlagzeilen ausgelöst. Die Bochumerin Regina Schultze schildert der WAZ, wie sie die heiklen Unterlagen entdeckt hat.
„Es muss so gegen 18 Uhr gewesen sein, es war noch nicht dunkel,” erinnert sich die Bochumerin Regina Schultze an ihren Fund der heiklen Lidl-Unterlagen Anfang März. An der Shell-Tankstelle Berliner Straße, Ecke Dorstener Straße in Herne hatte sie ihren Wagen in die Autowaschanlage fahren wollen. Doch andere Kunden waren noch vor ihr dran. Die Wartezeit habe sie daher genutzt, um Papier aus ihrem Auto zu entsorgen.
Papiere lagen in einer Mülltonne ohne Deckel
Geradezu einladend stand dafür ein eckiger schmaler Müllbehälter ohne Deckel bereit: direkt neben der Einfahrt zur Waschanlage, ausgeschlagen mit einem gelben Sack.
Doch als Regina Schultze ihren Abfall dort ablegen wollte, erblickte sie etwas Sonderbares: „Da lagen ganze Papierbündel mit Eintragungen drin, auch Krankenformulare. Links oben stand ,Krankenformular', rechts war der Schriftzug von Lidl, unten die Unterschrift des Verkaufsleiters.”
„Ich wühle normalerweise nicht in Mülltonnen herum,” lacht die blonde Frau. Aber bei diesem Fund sei sie sofort stutzig geworden. Spontan zog sie die Papierbündel aus der Tonne. Da sei sie schon überrascht gewesen, was da alles zutage kam: Das waren nicht nur die geheimen Krankenakten, auf denen Lidl-Beschäftigte mit Namen und Krankheiten registriert waren. „Da waren auch Lohnabrechnungen dabei, Kündigungen, Führungszeugnisse und Versorgungsbescheide vom Versorgungsamt Dortmund.” Weitere Papiere gaben einen tiefen Einblick ins finanziell Allerheiligste des Discounters – in die Umsatzabrechnungen. Regina Schultze: „Das waren aufgelistete Einnahmen von jeder Lidl-Filiale Deutschlands über eine Zeitspanne von Montag bis Samstag, aktuelle Unterlagen von Ende Dezember 2008 bis Anfang Januar 2009.”
Auch die Tageseinnahmen der Filialen waren verzeichnet
Wie aus den Papieren hervorgang, hatten die umsatzschwächsten Filialen einen Tagesumsatz „um die 10 000 Euro”, darunter habe gestanden: „Geht noch besser.” Die Spitzenreiter unter den Zweigstellen hatten bis zu 25 000 Euro täglich eingenommen.
Regina Schultze fackelte nicht lange, zog die Schriftstücke („Hunderte”) aus der Mülltonne und verstaute sie im Kofferraum. Dann ließ sie den Wagen waschen und fuhr wie geplant zum Tennis, man war für 19 Uhr verabredet.
Stunden später, in ihrer Bochumer Wohnung, habe sie den Papierberg noch einmal gemustert: „Und gedacht, das kann ja nicht angehen, dass sowas im Abfall herumliegt, in einer Tonne ohne Deckel, da, wo jeder gucken kann.”
Nackter Mann in der Straßenbahn
Es war der ungewöhnlichste Fund ihres Lebens, sagt die 44-Jährige. Dabei war ihr Dasein bisher durchaus nicht ohne. Etwa im Sport: Für die SG Wattenscheid 09 spielte sie früher als Frauenfußballerin in der damals höchsten Liga. Als Linksaußen, die viele Tore schoss, kam sie in die Westfalenauswahl. Auch beruflich hat sie einiges hinter sich: Erst Filial-Leiterin einer Fleischerei in Querenburg, dann fuhr sie im Kleinbus behinderte Kinder zur Schule.
Vor 15 Jahren heuerte sie bei der Bogestra an. Seitdem fährt sie Straßenbahn. Mal die 8/18 nach Dahlhausen, mal die U 35. Probleme habe es kaum gegeben, Randalierer und Trunkenbolde habe sie immer beschwichtigen können, „ganz sachlich”. Nur einmal musste Polizei kommen, da hätte sich ein Mann in der Bahn nackt ausgezogen und den Fahrgästen erklärt, er sei Gott.
An jenem Märzabend daheim, in der Wohnung mit den Lidl-Papieren, habe sie überlegt, was sie damit nun machen soll. „Für die Polizei war das wohl nichts,” vermutete sie. Im Internet schaute sie, was da über Lidl stand. Dabei entdeckte sie Berichte darüber, wie Lidl-Beschäftigte bespitzelt wurden. Und ihr Entschluss stand fest: Der Fund aus der Mülltonne, der gehörte an die Presse.

19:41
Nein Ottilein, ich traue der Polizei genausowenig wie der bochumer Staatsanwaltschaft, die es geschafft hat, daß Kollege Zumwinkel knapp unter 1 Mio Euro Steuerhinterziehung blieb und damit nicht einfahren mußte.
Bei der Bochumer Polizei muß ich leider zur Zeit immer an die TV-Vollpfosten denken ...
Und Otti, dann zeigen Sie doch sicher jeden
Mitbürger an, der sich die leeren Pfandflaschen aus dem Müll angelt ?!?. Starke Leistung, wirklich
11:15
@Brasseur: Man sollte die Gangster boykottieren. Nun, ich persönlich stimme Ihnen da zu. Nur, die Realität sieht jedoch so aus: nach wie vor volle Parkplätze vor den LIDL-Filialen in Bochum, und anderswo vermutlich genauso. Tja, wieder eimal
die typische Reaktion der guten Deutschen nach dem allbekannten Muster Ich kann ja sowieso nichts ändern...
11:02
Das ist doch nicht nur bei Lidl so, das macht jedes größere Unternehmen ähnlich siehe Deutsche Bahn. Nur die sind halt aufgefallen.
Der Frau kann man keinen Vorwurf machen ich hätte ähnlich gehandelt. Aber die Vermutung das die Untelagen gefunden werden sollten könnte wahr sein.
19:34
Regina wühlt im Müll, Warnung an alle Nachbarn Regina wühlt im Müll.
18:15
Wie kann man dieser Dame ein öffentliches Podium bieten. War es der Presse eine größere Summe wert, um als Erstveröffentlicher da zu stehen. Korrekterweise hätte man die Dame auf den korrekten Weg - Polizei - Fundunterschlagung etc. - aufmerksam machen sollen. Aber einmal in der Zeitung stehen ist eben mancher Person etwas wert. Viel Glück Frau Schultz, dass sie nicht von irgenwelchen Konsequenzen um ihren Presseruhm gebracht werden.
17:49
Und mich würde es nicht wundern, wenn diese Dame ein Lebenslanges Hausverbot bei Lidl erhalten würd...
17:01
Was Frau Schultze mit den Papieren gemacht hat war vollkommen richtig! Klar wenn man in keinem Arbeitsverhältnis steht kann man wahrscheinlich auch nicht nachvollziehen wie sich die Arbeitnehmer bei Lidl fühlen !
11:09
Jedenfalls hat die Dame ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis. Wie kann man so naiv sein, und sich mit vollem Namen und Bild der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit Sicherheit hat sie gegen einige Gesetze verstoßen. Es geht ja nicht nur um Krankenakten, sondern auch um offensichtlich geheime Umsatzzahlen. Wenn ich irgendwelches Diebesgut in einer Mülltonne finde, darf ich auch nicht damit machen, was ich will.
Wegen der Krankenakten bin ich kein LIDL-Sympathisant, aber ich würde an deren Stelle mal einen Anwalt auf die Frau ansetzen.
10:48
Jetzt hängt der Steckbrief der Aktenfinderin mit Foto sicher in jeder Lidl-Filiale.
Bei Betreten der Filiale wird sofort Hausverbot erteilt.
Naja, geht die Finderin Schultze eben um die Ecke zu Aldi; vielleicht ist ja ne Autowaschanlage in der Nähe...
10:46
Warum liest sich der Artikel so, als wenn er in der Zeitung mit den 4 Buchstaben ständ?