Shakespeares Welt verdüstert sich
17.10.2007 | 20:05 Uhr 2007-10-17T20:05:18+0200Intendant Elmar Goerden inszeniert zum Saisonauftakt die Kömodie "Wie es euch gefällt".Premiere am Freitag. Stück mit Widerhaken: Ein Chaos wird gegen das andere gesetzt
Der Countdown läuft, die Schauspieler wollen aus den Startlöchern. "Alle anderen haben schon losgelegt und wir proben noch", erläutert Intendant Elmar Goerden die Situation. Einesteils sei es für das Ensemble angenehm, ein Stück einstudieren zu können ohne die Doppelbelastung durch die reguläre Abendvorstellung im Nacken. Andererseits: Natürlich agieren Schauspieler lieber vor Publikum denn auf der Probenbühne. Jetzt (kurz vor der Premiere) "liegen die Nerven der Schauspieler blank, befinden wir uns in einem selbstverordneten Reizklima", so der Intendant.
Etwas Geduld noch: Am Freitag hat die - für manche viel zu lange - Sommerpause des Schauspielhauses ein Ende. Nachdem schon die Fidena und die Ruhr-Triennale die Zuschauer in die Theaterburg an der Königsallee gelockt haben, tritt nun das eigentliche, das originale Bochumer Ensemble auf. Zur Spielzeiteröffnung ist Shakespeares Komödie "Wie es euch gefällt" zu sehen. In der Inszenierung des Intendanten Elmar Goerden. Warum "Wie es euch gefällt" hier und jetzt? Nachdem das Ensemble nun schon seit zwei Jahren zusammen ist, die Schauspieler sich miteinander vertraut gemacht haben, "sehnen sie sich nach einem großen Stoff", erläutert der Intendant.
Er selbst habe "Wie es euch gefällt" ausgewählt, weil es das Shakespeare-Stück sei, "das ich am besten nicht kenne". Die Komödie mit seinen zum Teil unwahrscheinlichen Wendungen sei nicht so ohne weiteres zu inszenieren, böte "Widerstand". Das Stück sei "richtig schön schlecht an manchen Stellen". Goerden: "Wäre manches davon in einer Fernsehserie zu sehen, würde das sicherlich als Trash bezeichnet." Im Gegensatz zu Stücken wie "Romeo und Julia" etwa, die für einen Regisseur "stärkere Brücken" enthalten, werde in "Wie es euch gefällt" "ein Chaos gegen das andere gestellt". Das reiche bis zum puren Nonsens, zum Mumpitz.
"Ein widersprüchliches Stück, mit einem Flickenteppich zu vergleichen", so Elmar Goerden. Darum werde es wahscheinlich nur selten gespielt: In "Wie es euch gefällt" "verdüstert sich Shakespeares Welt schon".
Gezeigt würden "charmante Alltagsversager". Schließlich bleibe auch die Frage zu beantworten: "Was ist das für ein freiwilliges Exil, in dem die Komödie spielt?" Wobei der Begriff Komödie das Stückgenre nach Ansicht des Intendanten nur unzureichend beschreibe.
Immerhin gebe es in "Wie es euch gefällt" eine Figur wie den Jaques, "einen Hamlet-Vorläufer", so Goerden. Diesen Melancholiker im Ardenner Wald spielt übrigens Margit Carstensen, eine Besetzung, die zunächst überrascht, dann jedoch neugierig darauf macht, wie die ehemalige Fassbinder-Schauspielerin diese Rolle wohl anlegen wird. Margit Carstensen besitze - äußerlich - "androgyne Qualitäten", wie Elmar Goerden befindet.
Welche Sicht er als Regisseur auf die Komödie wirft, welche Schwerpunkte gesetzt werden, wie das Bühnenbild aussehen wird, darüber sagt der Regisseur wenig: Verweist neugierige Frager auf die Premiere am Freitag. Nur soviel: "Es wird keine historische Veranstaltung."
Zwei Intendanten haben "Wie es euch gefällt" bisher am Schauspielhaus inszeniert: Saladin Schmitt im Jahre 1919, Hans Schalla 1954. Wie wird Elmar Goerden als Dritter im Bunde diese Herausforderung bewältigen? Es bleibt spannend ...
William Shakespeare: Wie es euch gefällt; eine Komödie; aus dem Englischen von Peter Stein; Premiere am Freitag, 19. Oktober, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus; Regie: Elmar Goerden; Karten unter Tel: 33 33-55 55.

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