Shakespeare-Premiere steht auf der Kippe

Mit Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ ist seit Monaten für den kommenden Samstag (31.1.) die nächste große Premiere im Schauspielhaus angekündigt. Ob sie stattfindet, ist allerdings fraglich: Regisseur Lukas Langhoff (50) ist ‘raus aus der Inszenierung, zurzeit wird unter Federführung von Dramaturg Olaf Kröck fieberhaft versucht, die Aufführung doch noch zu retten. „Ob es gelingt, weiß ich nicht. Die Chancen stehen 50:50“, so Intendant Anselm Weber.

Wie die WAZ erfuhr, hat Langhoff bereits am letzten Mittwoch die Arbeit abgegeben, „in gegenseitigem Einvernehmen“, wie Anselm Weber gestern auf Anfrage mitteilte. Das erklärt auch die überraschende Absage der Matinee am letzten Sonntag, als Langhoff in den Kammerspielen eigentlich für ein Publikumsgespräch zu seiner Shakespeare-Inszenierung vorgesehen war.

Es habe keineswegs unterschiedliche Auffassungen im künstlerisch-ästhetischen Ansatz des u.a. durch seine Arbeit an Frank Castorfs Berliner Volksbühne bekannt gewordenen Langhoff gegeben, sagt Anselm Weber. Vielmehr hätten sich „Differenzen zwischen Ensemble und Regisseur“ aufgetan. Um was genau es sich handelt, sagte der Intendant nicht, nur so viel: „Die Gegensätze waren nicht mehr zu überbrücken.“

Dass Regisseure Inszenierungen abgeben oder davon „befreit“ werden, kommt im Theaterbetrieb allenthalben vor. Für Anselm Weber ist das, was gerade passiert, aber eher die Ausnahme: „Das habe ich in den letzten zehn Jahren nicht gehabt“, räumt er ein. Der Intendant selbst bekam die unerfreuliche Entwicklung um die mit großen Hoffnungen erwarteten Shakespeare-Produktion – immerhin war Langhoff 2012 zum Berliner Theatertreffen eingeladen – nur aus der Entfernung mit; er inszeniert gerade die Weinberg-Oper „Die Passagierin“ in Frankfurt.

Für „Viel Lärm um nichts“ wird auf der Schauspielhaus-Homepage seit gestern Nachmittag offiziell „Olaf Kröck und Ensemble nach einer Idee von Lukas Langhoff“ in den Regie-Credits angegeben. Die Entscheidung, ob die Premiere platzt oder nicht, soll „zeitnah“ fallen.